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Nachricht vom 29.05.2020    

IG Metall in Betzdorf: „Situation in dieser Härte nicht gekannt“

So langsam fahren die Betriebe wieder hoch, die Wirtschaft kommt nach und nach wieder in Gang. Ein guter Grund für IG Metall Geschäftsführer Uwe Wallbrecher, Nicole Platzdasch und Bruno Köhler von der Betzdorfer Geschäftstelle, zu informieren über die aktuelle Situation der Firmen und Einzelhändler in der Region in Zeiten der Corona-Pandemie. Erst einmal präsentierte Wallbrecher eigens für die IG Metall gefertigte Zollstöcke mit passendem Logo: „Halten wir Maßabstand“.

Uwe Wallbrecher, Nicole Platzdasch, Bruno Köhler mit Abstandhalter „Zollstock“ (Fotos: ma)

Betzdorf. Ein großes Thema ist naturgemäß die Kurzarbeit: „Trotzdem haben wir Betriebe die deutlich mehr Arbeitsstunden machen“, so Uwe Wallbrecher. Der Geschäftsführer sieht zum Beispiel die Entwicklung der Automobil- und Zulieferer-Industrie abhängig vom Wandel zur E-Mobilität. Die Batterietechnik habe sich theoretisch durchgesetzt. Es sei dann fraglich, wie es mit Betrieben die heute noch Produkte ausschließlich für den Verbrennermotor fabrizieren, weitergehe, da in einigen Bereichen keine Entwicklung stattfinde. Es sei davon auszugehen, dass es bei den Autobauern weiterhin eine sehr angespannte Situation gebe.

Wallbrecher betonte, dass die Kurzarbeiterfrage bei den Arbeitgebern unterschiedlich behandelt werde. Nach der gesetzlichen Regelung würden 60 Prozent gezahlt, es gebe allerdings Betriebe, die zahlten bis zu 90 Prozent. Neben den tarifvertraglichen Regelungen in einigen Bereichen hätten aber teils auch Betriebsräte eine Zahlung bis zu 90 Prozent durchgesetzt. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Arbeitgeber im Unterschied zum Finanzskandal 2008/2009, wo sie die Sozialabgaben bezahlten mussten, heute die Sozialabgaben zu 100 Prozent von der Agentur für Arbeit gezahlt bekämen. Allerdings hätten einige Unternehmer dieses Geld an die Beschäftigten in Kurzarbeit weitergegeben.

Einzelhandelssterben bereits vor Corona
Das Ganze habe eine Infrastrukturbrisanz, schließlich habe es das Einzelhandelssterben bereits vor Corona nicht nur in Betzdorf, sondern in vielen kleinen Städten gegeben. Eine Situation in dieser Härte hätte man auch bei der IG Metall bisher noch nicht gekannt. Es gebe nicht nur ein paar Betroffene, sondern sie machten gerade die Erfahrung, dass Leiharbeiter überall nach Hause geschickt würden, da die Firmen sie nicht mehr benötigten. Es hagelte nur so mit Aufhebungsverträgen aus allen Bereichen, es gebe so gut wie in allen Fällen (rund 95 Prozent) keine Verlängerung bzw. Entfristung von befristeten Arbeitsverträgen. In der Region (ohne Befristung und Leiharbeiter) begannen bereits im Januar Unternehmer damit Personal abzubauen, die Zahl der angekündigten Entlassungen in den Betrieben liege bei rund 500 Arbeitsplätzen. Erschreckend sei, dass der Personalabbau tatsächlich teils unter dem Deckmäntelchen der Krise laufe, so Nicole Platzdasch. Man versuche die vorher angestrebten Veränderungen, die jetzt ins Stocken gerieten, noch einmal zusätzlich damit zu begründen.

Jetzt stelle sich jetzt die Frage, ob die Betriebsräte Sozialpläne verhandeln oder gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen um die Arbeitsplätze kämpfen. Es gebe Betriebe, die Kurzarbeit angemeldet haben, obwohl ein Großteil der Beschäftigten noch Urlaubsanspruch von 30 Tagen habe sowie 150 Plusstunden im Zeitkonto. Schließlich ist nach den Vorschriften des Arbeitsamtes erst einmal alter Urlaub abzubauen, anschließend die Arbeitszeitkonten. Dann erst kann Kurzarbeit erfolgen.

Systemrelevante Produkte in Deutschland halten
Laufende Diskussionen in der Politik drehen sich darum, gewisse Produkte wieder nach Deutschland zu holen. Das betrifft nicht nur die Automobilindustrie, sondern auch andere Bereiche. Glücklicherweise gebe es bisher noch nicht das Problem gerissener Lieferketten, zumindest bei von der IG Metall betreuten Firmen in der Region. Trotzdem könne dies schnell passieren, wenn man sich ansehe, in welchen neuen Erdteilen, wie z. B. momentan Brasilien, sich die Pandemie ausbreite. Es sei wichtig systemrelevante Produkte in Deutschland zu halten, trotzdem würden Betriebe die Auslagerung ins Ausland ankündigen. „Wenn ein Unternehmensvertreter erkläre er verlagere ins Ausland, weil er dort seinen Standort auslasten müsse und weil er dort kein Kurzarbeitergeld kriege, hier aber seine Leute in Kurzarbeit schickt, dann sei das ein Fall für die Prüfung durch das Arbeitsamt. Die IG Metall würde darauf achten, dass die Betriebe, die sich hier so verhalten, einer besonderen Prüfung unterzogen werden, so Wallbrecher.

Auch der Arbeits- und Gesundheitsschutz spiele plötzlich eine zentrale Rolle, werde allerdings unterschiedlich in den Betrieben gehandhabt. An die Abstandregelung würden sich alle halten, allerdings nicht an die Sicherheitsbelehrungen in puncto Hygiene. Angesprochen wurden auch der fragliche Versicherungsschutz in Zeiten des Home-Office und der nicht wahrgenommene psychologische Druck der teils dadurch entstehe. Das Thema „Häusliche Gewalt“, auch wenn es die schon immer gebe, sei jetzt in den Fokus gerückt.
Homeschooling sei für viele Familien momentan ein riesiges Problem und werde für die Kinder später durch dadurch entstandene Lerndefizite zum Frustrationsproblem.

Erstaunlich sei in diesem Zusammenhang wie schnell sich eine herrschende Meinung gerade in Hinblick auf Pädagogen verändere, in Zeiten, in denen die Menschen erkennen würden, welchen Wert Schule und Lehrer haben. Auch die Ausbildung junger Menschen kam zur Sprache, auf deren Mitarbeit Unternehmen angewiesen sind und die erfreuliche Mitteilung, dass in der Region bisher noch keine Azubis in Kurzarbeit geschickt wurden.

Abschließend wurde der Vorschlag unterbreitet, allen Bürgern einen Gutschein zukommen zu lassen, mit der Möglichkeit zur freien Verwendung. Schließlich müsste nicht nur die Autoindustrie durch Prämien angekurbelt werden, sondern auch alle anderen Branchen. (ma)



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