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Nachricht vom 11.06.2020    

Klara trotzt Corona, XXXII. Folge

GASTBEITRAG | Mit wöchentlich neuen Episoden möchten Ihnen die Autoren der Limburg-Krimis, Christiane Fuckert und Christoph Kloft, den Leserinnen und Lesern etwas Trost, Unterhaltung und hin und wieder vielleicht sogar ein Lächeln schenken, wenn Sie sehen, wie die schrullige Haushälterin Klara Schrupp und ihr gutmütiger Chef Pfarrer van Kerkhof ihren Alltag bewältigen.

Symbolfoto

Kölbingen. 32. Folge vom 11. Juni
Klara ließ sich schwer in ihren neuen Sessel fallen. „Herr Pfarrer, ich bin fix und fertig!“ „Ich mache Ihnen gleich einen Tee, meine Liebe“, bot van Kerkhof sofort an. „Sparen Sie sich Ihren Tee. Ich brauche was Kaltes. Wasser, am besten aus der Leitung.“

Klara legte die Beine hoch, während der Pfarrer in der Küche verschwand und eine Sekunde später mit einem vollen Glas wieder neben ihr stand. „Hier, trinken Sie das!“ Klara setzte das Glas an und trank es in einem Zug leer. „Das tat gut, Herr Pfarrer. Vielleicht haben Sie einer alten Frau damit das Leben gerettet.“

„War es wirklich so schlimm?“, fragte van Kerkhof tief besorgt. „Soll ich einen Arzt holen?“ „Bloß nicht“, wehrte Klara ab. „Der sagt am Ende noch, ich hätte Corona und müsste ins Krankenhaus!“ „Wieso soll der das denn sagen? Sie sind nur erschöpft und haben keinerlei Symptome.“ „Aber wenn man so fertig ist wie ich!“ „Ach was!“ Van Kerkhof versuchte ihre Bedenken mit einer entsprechenden Handbewegung wegzuwischen. „Mit Corona hat das nichts zu tun.“

„Aber ich brauche wirklich keinen Arzt. Es wird schon besser!“ „Wie gesagt: Sie sind einfach nur erschöpft, meine Gute. Der Einkauf war zu viel für Sie!“ Klara nickte. „Da freut man sich so, nach langer Zeit wieder mal in ein Geschäft zu kommen und dann so was. Die ganze Zeit diese Maske an, bei den vielen Leuten, und gesehen habe ich auch nichts, weil die Brille die ganze Zeit beschlagen war.“

„Mir ging es nicht anders, Klara!“ „Aber Sie müssen ja auch nicht nach den Sonderangeboten sehen. Was Sie mir alles in den Wagen geschleppt haben … die Hälfte musste sowieso wieder raus.“ Van Kerkhof überging ihre letzte Äußerung und wollte mit dem leeren Glas noch einmal in Richtung Küche gehen. „Nein, nicht!“, wehrte Klara ab. „Zu viel davon und ich kriege Sodbrennen.“ Der Pfarrer ließ von seinem Vorhaben ab und setzte sich neben sie. „Ich habe gar nicht gemerkt, dass es Ihnen so viel ausgemacht hat!“

„Glauben Sie, ich lasse mir im Geschäft was anmerken? Vor all den Leuten?“ So langsam war Klara wieder die Alte, fand van Kerkhof bei sich. „Nein, nein“, da macht das Einkaufen keinen Spaß mehr.“ Seine Haushälterin schüttelte immer wieder den Kopf. „Ich habe fast keine Luft mehr gekriegt.“ „Vielleicht war es einfach nur die falsche Maske“, versuchte der Pfarrer eine Erklärung. „Ach was, ob die oder die Maske, die sind ja alle gleich.“ Klara lag inzwischen lang ausgestreckt da. Mit einiger Beruhigung stellte der Pfarrer fest, dass ihr Atem wieder fast normal ging. „Die armen Kassiererinnen. Die müssen das den ganzen Tag aushalten.“

„Und dann werden sie noch beschimpft!“, bemerkte der Pfarrer. „Sie meinen, diesen Mann an der Kasse neben uns? Das war wirklich unverschämt.“ „Das sehe ich genauso!“ „Nur weil die Kassiererin ihn gebeten hat, doch bitte den Abstand einzuhalten, hat er sie angegiftet, dass sie keine Maske anhat. Sie war doch schon hinter ihrer Scheibe!“

„Und ein Attest hat sie auch. Vielleicht haben Sie das nicht gehört.“ „Natürlich hab ich das. Sie hat ihm das ja laut und deutlich erklärt: Weil sie die Maske nicht vertragen könnte – das kann ich gut verstehen! Und sich dann noch zu beschweren, dass nicht nur sie, sondern eine Kollegin an der Fleischtheke ebenfalls keine Maske anhätte, wirklich das Allerletzte!“ „Es gibt leider solche Menschen“, sagte van Kerkhof. „Am liebsten hätte ich dem mal gehörig Bescheid gesagt. Aber da hatte ich schon keine Luft mehr. Und gesehen habe ich auch nichts.“




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Van Kerkhof grinste in sich hinein: Wie gut für diesen Herren, dass seine Klara dermaßen gehandicapt gewesen war. Ansonsten wäre es ihm sicherlich nicht besonders gut ergangen.

„Ich weiß schon, was sie jetzt denken, Herr Pfarrer“, kam es aus dem großen Fernsehsessel. Van Kerkhof entschloss sich, ehrlich zu antworten: „Ich denke, dass da jemand großes Glück gehabt hat!“ „Das können Sie wohl sagen!“ Klara setzte sich langsam auf. „Wenn ich die nötige Luft gehabt hätte … Na, und auf Sie hätte ich sowieso nicht zählen können, Ihre Stielaugen haben ja wieder mal in dem Regal mit dem Süßkram geklebt!“

„Aber ich habe tapfer widerstanden, Klara, ich habe nichts davon mitgenommen.“ „Sonst wären Sie auch jetzt immerzu am Kauen“, folgerte Klara, die sich plötzlich mit einem Ruck aufrecht hinsetzte. „Sagen Sie, sind die Sachen etwa immer noch im Auto?“ „Ich habe sie noch nicht ...“ „Sie haben Sie noch nicht geholt?! Da ist Tiefkühlkost dabei. Und wenn die auftaut, kann man sie nicht mehr essen!“ „Ich hatte bisher noch keine Zeit! Aber ich gehe sofort!“ Der Pfarrer war auch schon aufgestanden und eilte nach draußen.

„Vergessen Sie den großen Wäschekorb nicht!“, rief Klara ihm nach. „Sonst müssen sie fünfzigmal gehen.“ „Wird gemacht, Chef!“, klang es dumpf aus dem Flur.

„Noch keine Zeit! Wenn ich das schon höre!“, regte sich Klara in ihrem Sessel auf. „Was hat der Mann denn schon groß zu tun? Sitzt hier herum und draußen tauen uns die Lebensmittel auf! Und außerdem, wenn er auch nur ein bisschen auf Zack gewesen wäre, hätte er mir längst mein Kölnisch Wasser geholt ...“

Raschelnde Geräusche aus dem Hausflur ließen sie aufhorchen. „Sie sind ja immer noch nicht am Auto!“, rief sie ungeduldig, machte aber große Augen, als van Kerkhof mit großen Schritten zurückkehrte. „Sofort, meine Liebe, doch vorher wollte ich Ihnen das hier noch schnell bringen.“

„Oh, das ist aber nett von Ihnen, Herr Pfarrer, mein Kölnisch Wasser! Dass Sie daran gedacht haben ...“ Verlegen nahm Klara den Flakon mit ihrem Lieblingsparfüm entgegen. „Warum denn nicht, meine Gute, ich bin doch schließlich auf Zack!“, sagte van Kerkhof, bevor er sich endgültig nach draußen zum Auto begab. (www.christoph-kloft.de)


Bisher erschienene Fortsetzungen:
Klara trotzt Corona, XXXI. Folge
Klara trotzt Corona, XXX. Folge
Klara trotzt Corona, XXIX. Folge
Klara trotzt Corona, XXVIII. Folge
Klara trotzt Corona, XXVII. Folge
Klara trotzt Corona, XXVI. Folge
Klara trotzt Corona, XXV. Folge
Klara trotzt Corona, XXIV. Folge
Klara trotzt Corona, XXIII. Folge
Klara trotzt Corona, XXII. Folge
Klara trotzt Corona, XXI. Folge
Klara trotzt Corona, XX. Folge
Klara trotzt Corona, XIX. Folge
Klara trotzt Corona, XVIII. Folge
Klara trotzt Corona, XVII. Folge
Klara trotzt Corona, XVI. Folge
Klara trotzt Corona, XV. Folge
Klara trotzt Corona, XIV. Folge
Klara trotzt Corona, XIII. Folge
Klara trotzt Corona, XII. Folge
Klara trotzt Corona, XI. Folge
Klara trotzt Corona, X. Folge
Klara trotzt Corona, IX. Teil
Klara trotzt Corona, VIII. Teil
Klara trotzt Corona, VII. Teil
Klara trotzt Corona, VI. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler: Klara trotzt Corona, V. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler - Klara trotzt Corona, IV. Teil
Klara trotzt Corona, dritter Teil
Klara trotzt Corona, zweiter Teil
Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof trotzen der Corona-Krise


Mehr dazu:   Coronavirus  

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