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Nachricht vom 20.06.2020    

Nister-Projekt "INTASAQUA": Erste Renaturierungsmaßnahmen bei Helmeroth

Im Rahmen des Projektes „INTASAQUA - Integrativer Artenschutz aquatischer Verantwortungsarten in der Nister" werden in den kommenden Jahren großdimensioniert Maßnahmen zur strukturellen Aufwertung des Gewässers umgesetzt. Ziel ist es, in der Nister Lebensraumbedingungen wiederherzustellen, die die Artenvielfalt der Wasserorganismen fördern, und zwar in ihrer gesamten Bandbreite von Fischen bis zu Insekten und Muscheln.

An der Nister bei Helmeroth hat sich um Zuge von „INTASAQUA“ bereits einiges getan. Vertreter der beteiligten Akteure informierten sich hierüber vor Ort. Foto: Kreisverwaltung Altenkirchen

Helmeroth. Besondere Aufmerksamkeit gilt der nachhaltigen Bestandsentwicklung von Flussmuscheln und der Stützung der stark dezimierten Restbestände einer sehr artenreichen Fischgemeinschaft. Von zentraler Bedeutung ist es dabei, die Funktionsfähigkeit des Gewässerbettes sicher zu stellen, da diesem besonders für Jungmuscheln und Jungfische eine entscheidende Bedeutung als Lebensraum zukommt.

Nebenwasserläufe angebunden
In einem ersten Bauabschnitt an der Nister bei Helmeroth hat sich bereits einiges getan, rund 100.000 Euro wurden hier verbaut. Die eigendynamische Entwicklungsfähigkeit der Nister soll damit verbessert werden. Sie ist an dieser Stelle aufgrund des Uferverbaus und der niedrigen Strömung sehr gering. Entsprechend einförmig ist die Gestalt von Gewässerbett und Ufern. Am rechten Gewässerrand sind nun alte Nebenwasserläufe dauerhaft angebunden, so dass dort auch in Trockenphasen eine Durchströmung möglich und das Überleben von Gewässerorganismen gesichert ist. Mit Hilfe von Substratschüttungen wurden Ufer- und Längsbänke angelegt, die das Flussbett einengen und die Strömung zur rechten Gewässerseite und damit zu den Nebenwasserläufen umlenken.

Weiter stromabwärts gibt es linksseits ebenfalls Schüttungen. Hierdurch wird eine vielseitige Breitenvariabilität geschaffen, wodurch sich unterschiedliche Strömungsbedingungen im Gewässer ergeben. Uferrückbau-Maßnahmen dienen der eingendynamischen Entwicklung. Langfristig ist die Entwicklung einer standorttypischen Bachauwaldstruktur vorgesehen. All das schafft eine Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen in der Nister.

Kooperation von vielen
„Umwelt-, Natur- und Gewässerschutz kennt keine Grenzen und braucht die Kooperation vieler“, erläuterte Landrat Dr. Peter Enders beim Ortstermin, an dem auch Kreisbeigeordneter Gerd Dittmann und Helmeroths Ortsbürgermeister Paul Stefes teilnahmen. So sind die Verbandsgemeinden AItenkirchen, Betzdorf-Gebhardshain, Hachenburg, Hamm und Wissen ebenso im Boot wie der Westerwaldkreis, die Arge Nister e. V., das rheinland-pfälzische Umweltministerium und die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, die Universität Koblenz-Landau und das Bundesamt für Naturschutz.



Nister ist ein „Schwerpunktgewässer“
Projektleiterin Christiane Schuler von der Unteren Wasserbehörde der Kreisverwaltung und Manfred Fetthauer von der Arge Nister erläuterten dabei die Maßnahmen und Entwicklungen. „INTASAQUA“ rückt ein ökologisch besonders wertvolles Projektgebiet im Westerwald in den Fokus. Als wichtiges Nebengewässer der Sieg gehört die Nister zu den so genannten rheinland-pfälzischen „Schwerpunktgewässern“. Mit dem Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben an der Nister und ihrem Einzugsgebiet soll modellhaft erprobt werden, wie die aquatische Artenvielfalt kleiner bis mittelgroßer Fließgewässer erhalten oder verbessert werden kann. Ziel ist die Ableitung von Handlungsempfehlungen, die eine Übertragbarkeit der erprobten Ansätze auf andere Gewässer ermöglichen.

Die Besonderheit ist dabei ein integrativer Ansatz unter Einbeziehung des Einzugsgebietes und der dort vorhandenen Nutzungen. Neben einer kurzfristigen Stabilisierung der besonders wertvollen Arten wie Flussperlmuschel, die es landesweit nur noch in der Nister gibt, Bachmuschel, Barbe und Nase, zielt das Vorhaben auf eine langfristige Verbesserung der Lebensraumbedingungen zur Erhaltung der hohen Artenvielfalt ab. Auf diese Weise werden auch für die gesamte Lebensgemeinschaft der Wasserorganismen bessere Lebensbedingungen geschaffen.

1,2-Millionen-Projekt läuft bis 2022
Bis September 2022 wird das Projekt mit einem Finanzvolumen von 1,2 Millionen Euro andauern. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) fördert das Projekt mit einem Anteil von 66 Prozent mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). 24 Prozent trägt das Land Rheinland-Pfalz über das Umweltministerium, den restlichen Anteil von 10 Prozent teilen sich der Landkreis Altenkirchen und der Westerwaldkreis sowie die beteiligten Verbandsgemeinden. Die Trägerschaft obliegt dem Landkreis Altenkirchen. (PM)


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