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Nachricht vom 03.07.2020    

Klara trotzt Corona, XXXV. Folge

GASTBEITRAG | Mit wöchentlich neuen Episoden möchten Ihnen die Autoren der Limburg-Krimis, Christiane Fuckert und Christoph Kloft, den Leserinnen und Lesern etwas Trost, Unterhaltung und hin und wieder vielleicht sogar ein Lächeln schenken, wenn Sie sehen, wie die schrullige Haushälterin Klara Schrupp und ihr gutmütiger Chef Pfarrer van Kerkhof ihren Alltag bewältigen.

Symbolfoto

Kölbingen. 35. Folge vom 2. Juli
Klara lief von einem Zimmer zum anderen. „Ja, wo fang ich denn da am besten an?“, führte sie ihr Selbstgespräch. „Wo steht die Sonne denn jetzt gerade?“

Während sie sich um sich selbst drehte, stieß sie beinahe gegen ihren Chef, der leise vor sich hin pfiff. „Sie haben gut pfeifen!“, stieß Klara aus und stellte ihren Eimer ab, der mit Putzutensilien gefüllt war. „Ja, liebe Klara, wenn ich auch nicht gut pfeifen kann, habe ich doch allen Grund dazu.“ „Ach! Was gibt es denn?“, forschte Klara und blickte ihn gespannt an. Der Pfarrer hob nur geheimnisvoll die Schultern und begab sich in sein Büro. Er setzte sich an seinen Schreibtisch und war nicht verwundert, dass seine Haushälterin ihm blitzschnell gefolgt war und sich ihm gegenüber aufbaute. „Jetzt sagen Sie schon, geteilte Freude ist doppelte Freude! Nicht wahr?“

Doch van Kerkhof schüttelte den Kopf. „Man muss sich auch mal gedulden können.“ Er griff in eine Schublade und holte ein Bündel kleiner Heftmappen hervor. Natürlich erfasste Klara sogleich, worum es sich handelte. „Ah ja, unsere Kontoauszüge! Sind Sie deshalb so gut gelaunt? Haben wir vielleicht … etwas gewonnen? Wie viel ist denn jetzt da drauf?“

Der Pfarrer legte beide Hände auf die Auszüge und sah Klara eindringlich an. „Es sind meine persönlichen Unterlagen, nicht die des Gemeindebüros. Wenn ich Sie also bitten dürfte, mich mal eine halbe Stunde alleine zu lassen?“, sagte er so freundlich, wie die Situation es erlaubte.

Seine Haushälterin drehte sich auf dem Absatz um und verließ den Raum, nicht ohne geräuschvoll die Tür hinter sich ins Schloss zu ziehen. Ihre aufgebrachte Stimme hallte noch aus dem Flur zu ihm herein: „Da sieht man es mal wieder: Die einen haben ihr Vergnügen, während andere die Fenster putzen müssen!“

Gleich darauf flog die Bürotür wieder auf. „Bevor Sie sich an Ihrem Reichtum ergötzen, Herr Pfarrer, holen Sie mir aber noch die Zwei-Stufen-Leiter oben aus der Rumpelkammer!“

„Aber gern“, sagte van Kerkhof und begab sich ins Obergeschoss. Wie so oft konnte er auch bei dieser Putzaktion nur hoffen, dass seine Klara nicht vom Hocker stürzte und sich die Knochen brach. Er seufzte in sich hinein: Allmählich wurde ihr die Arbeit im Pfarrhaus zu viel, das spürte er immer häufiger.

„Da, bei die Terrassentür!“, kommandierte Klara säuerlich. „Und wenn Sie den Eimer gefüllt haben, rufen Sie mich bitte wieder, den trage ich Ihnen auch ins Wohnzimmer“, sagte van Kerkhof, indem er die Klapptrittleiter abstellte und skeptisch die hohe Glastür beäugte.

„Ach Sie, da kann ich wieder drei Mal rufen, und bis Sie da sind, ist das Wasser kalt. Gehen Sie nur, im Augenblick rufen ja Ihre Kontoauszüge, die brauchen Sie dringender als ich.“

Van Kerkhof atmete geräuschvoll aus und ging zurück in sein Büro. Dennoch hatte seine Haushälterin ihm die Laune nicht verdorben. Er freute sich auf die Pläne, die er heute still für sich gemacht hatte.

Eine Viertelstunde später schaute er nach, ob bei Klara noch alles in Ordnung war. Sie polierte soeben das Fenster neben der Terrassentür, stand dazu auf der Rückenlehne des Sofas und wiegte sich im Rhythmus zu ihren Wischbewegungen von einem Bein aufs andere. Van Kerkhof hielt sich die Hände vor die Augen. „Oh nein!“, rief er fassungslos. „Kommen Sie bitte da runter, Klara. Da wird mir ja allein vom Zusehen schwindlig.“

„Ach, Sie wieder!“ Mit betontem Schwung holte Klara erneut aus und geriet ins Wanken, sodass sie heftig mit den Armen rudern musste, um sich wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

„Sie hören jetzt sofort mit dieser gefährlichen Arbeit auf! Wir sind doch hier nicht im Zirkus, wo auf Seilen balanciert wird! Bitte steigen Sie sofort vom Sofa! Oder wollen Sie im Krankenhaus landen?“
Mürrisch stieg Klara erst auf die Sitzpolster hinunter und von dort auf den Boden. „Dann wollen Sie wohl die Schlieren da oben wegwischen?“, fragte sie spitz und atemlos zugleich.

„Im Notfall schieben wir das Sofa vor und stellen die Leiter hin. Aber so nicht mehr!“ Van Kerkhof bebte innerlich vor Aufregung. „Wissen Sie was, liebe Klara, ich werde jetzt einen Anruf machen, und sie stören mich bitte nicht!“ Mit konsequenten Schritten eilte er davon.

Was war denn davon zu halten? Klara ließ sich erschöpft ins Sofa fallen und drückte sich die Hand aufs Herz. Auch sie hatte der Moment ihres Taumelns ziemlich mitgenommen. Aber von welchem Anruf sprach ihr Chef da? Wenn er sie in dieser Situation schon bat, ihn nicht zu stören, bedeutete das nichts Gutes. Es ging nicht anders, sie musste tun, was sie tun musste! Auf leisen Sohlen schlich sie durch den Hausflur bis zum Büro und drückte ihr Ohr gegen das Türblatt. Die Stimme des Pfarrers drang gedämpft, aber gut verständlich zu ihr durch.

„So leid es mir im Grunde auch für sie tut“, hörte sie ihn sagen, „manchmal ist man von jetzt auf gleich zu solchen Entscheidungen gezwungen. Ich muss meine Haushälterin entlassen. Bitte geben sie mir einen Rat, wie ich da vorzugehen habe ...“ Mehr wollte Klara nicht mehr hören. Sie glaubte, ihr Herz setze aus, gleichzeitig wollte sich ihr Magen um sich selbst drehen. Sie eilte in die Küche, bevor die aufsteigende Säure sie ersticken konnte. Mit zitternden Händen füllte sie ein Glas mit Leitungswasser und griff nach der Dose mit ihrem Magensalz, wobei es ihren zittrigen Fingern nicht gelingen wollte, den Deckel zu öffnen. Matt ließ sie sich auf einen Stuhl sinken und legte den Kopf in den Nacken. Dass ihr die Tränen seitlich an den Wangen herabliefen, spürte sie erst, als sie in ihre Halsbeuge tropften.

„So, meine liebe Klara, das haben wir gelöst!“, vernahm sie die nahende Stimme ihres Chefs, der zufrieden dreinblickte, dann aber umgehend stutzte. „Aber was ist denn mit Ihnen los, warum weinen Sie denn?“

Klara schluchzte auf. Dass der Herr Pfarrer sie so heftig weinen sah, störte sie nicht. Nicht mehr. Er würde sie ohnehin nicht mehr lange sehen müssen. Jetzt verstand sie auch, warum er heute so gut gelaunt war. Seinen Entschluss musste er längst gefasst haben, und ihr Wanken beim Fensterputz war nur noch das Siegel unter seinem Plan gewesen.

„Jetzt tun Sie … doch nicht so“, wimmerte Klara. „Ich habe alles gehört. Deshalb … waren Sie auch so gierig auf Ihre Kontoauszüge … klar, wenn man plötzlich keine Haushälterin … mehr bezahlen muss“, schniefte Klara mit bebenden Schultern, „dann sieht so ein Konto … bald ganz anders aus … Auf einmal ist man nicht mehr gut genug … nach so vielen Jahren ...“

Van Kerkhof stand völlig hilflos da, bis er es wagte zu fragen: „Wovon reden Sie denn, Klara, und was wollen Sie gehört haben?“ Ganz langsam begann es ihm zu dämmern. „Sie haben an meiner Tür gelauscht“, folgerte er mehr für sich.

„Ist mir doch egal, was Sie … jetzt denken“, schluchzte Klara. „Haben Sie denn … wenigstens Ihren Rat bekommen, wie Sie es anstellen sollen, mir zu … kündigen?“

Van Kerkhof war sich nicht sicher, welches Gefühl in ihm die Oberhand gewann – das Mitleid mit seiner verzweifelten Haushälterin oder die kleine Schadenfreude über ihren misslungenen Lauschversuch. Ein wenig streng sollte er jetzt schon mit ihr sein.

„Meine liebe Klara, jetzt hören Sie bitte auf zu weinen. Dafür gibt es keinen Grund. Wenn Sie schon meine Telefonate mithören, dann hören Sie wenigstens richtig zu. Ich habe nicht gesagt entlassen, sondern entlasten. Und ich habe jemanden um Rat gebeten, wie ich die richtige Firma finde, die morgen hier anrückt, um im ganzen Haus die Fenster zu putzen.“

Klaras kugelrunde Augen flogen ihm regelrecht entgegen. „Ich werde nicht entlassen? Ach, Herr Pfarrer, das hätten Sie doch auch deutlicher aussprechen können. Sie nuscheln sich da manchmal aber auch einen zurecht ...“ Ihre Erleichterung war ihr deutlich anzusehen, als sie sich mit ihrem Taschentuch die Tränen trocknete. Dann schnäuzte sie sich ausführlich und schon folgten neue Bedenken. „So eine fremde Firma, und die gehen in alle Zimmer? Da muss ich aber schleunigst überall saubermachen!“ Schon war sie im Begriff aufzustehen, als ihr einfiel: „Und warum waren Sie dann heute so gut gelaunt, wenn es nichts mit meiner Entlassung zu tun hat?“

„Na gut, ich verrate es Ihnen. Mein Bruder Wim hat vor, uns demnächst zu besuchen. Er wird ein paar Tage hierbleiben. Was sagen Sie nun, liebe Klara?“ Freudestrahlend blickte van Kerkhof seine Haushälterin an, um jedoch in ihren Augen erneute Panik zu entdecken.

„Ein paar Tage? Da müsste ja jede Menge vorbereitet werden, er braucht doch ein Bett, und außerdem haben wir doch noch Corona! Nein, wie soll ich denn das alles wieder regeln?“ Damit lief sie aus der Küche, noch sichtbar orientierungslos, dafür aber umso tatendurstiger. Während sie begann, in allen Ecken aufzuräumen und Staub zu wischen, murmelte sie ohne Unterlass vor sich hin. „Gott sei Dank, es wird doch keine Altersarmut für mich geben, das wäre ja auch ein Ding gewesen, mich nach über vierzig Jahren so einfach auf die Straße zu setzen. Hm, aber fremde Fensterputzer im Haus? Da werde ich gut ein Auge drauf haben, auf die Burschen. Und ohne Mundschutz kommen die mir hier auf keinen Fall rein! Na ja, eigentlich ist mir das schon recht, dass mir jemand die Arbeit mit den Fenstern abnimmt. Es gibt genug anderes, was ich jeden Tag erledigen muss. Wer schafft denn hier sonst was, wenn nicht ich! Nur, bezahlen werde ich die Kerle nicht! Wer bestellt, bezahlt, und das war der Herr Pfarrer!“

Klara schrak zusammen, als ihr Chef gleich hinter ihr lachte. „Aber natürlich übernehme ich das. Diese Kosten kann ich sogar steuerlich geltend machen.“

„Pah, Sie immer mit Ihrem Geld!“, ging Klara ihn an. „Gehen Sie ruhig wieder zu Ihren Bankauszügen und lassen mich hier meine Arbeit tun.“

„Das mache ich, liebe Klara. Wie sagten Sie vorhin noch so schön: Jedem sein eigenes Vergnügen.“ Damit ließ van Kerkhof seine Haushälterin stehen und schlenderte pfeifend durch den Flur zu seinem Büro.


Die ersten dreißig Episoden von Klara Schrupp und Willem van Kerkhof sind soeben als eBook erschienen: www.christoph-kloft.de.


Bisher erschienene Fortsetzungen:
Klara trotzt Corona, XXXIV. Folge
Klara trotzt Corona, XXXIII. Folge
Klara trotzt Corona, XXXII. Folge
Klara trotzt Corona, XXXI. Folge
Klara trotzt Corona, XXX. Folge
Klara trotzt Corona, XXIX. Folge
Klara trotzt Corona, XXVIII. Folge
Klara trotzt Corona, XXVII. Folge
Klara trotzt Corona, XXVI. Folge
Klara trotzt Corona, XXV. Folge
Klara trotzt Corona, XXIV. Folge
Klara trotzt Corona, XXIII. Folge
Klara trotzt Corona, XXII. Folge
Klara trotzt Corona, XXI. Folge
Klara trotzt Corona, XX. Folge
Klara trotzt Corona, XIX. Folge
Klara trotzt Corona, XVIII. Folge
Klara trotzt Corona, XVII. Folge
Klara trotzt Corona, XVI. Folge
Klara trotzt Corona, XV. Folge
Klara trotzt Corona, XIV. Folge
Klara trotzt Corona, XIII. Folge
Klara trotzt Corona, XII. Folge
Klara trotzt Corona, XI. Folge
Klara trotzt Corona, X. Folge
Klara trotzt Corona, IX. Teil
Klara trotzt Corona, VIII. Teil
Klara trotzt Corona, VII. Teil
Klara trotzt Corona, VI. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler: Klara trotzt Corona, V. Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler - Klara trotzt Corona, IV. Teil
Klara trotzt Corona, dritter Teil
Klara trotzt Corona, zweiter Teil
Klara Schrupp und Pfarrer van Kerkhof trotzen der Corona-Krise


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