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Nachricht vom 07.07.2020    

BI fordert mehr Naturschutz rund um den Hümmerich

Die BI Hümmerich fordert die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung auf, dem Naturschutz rund um den Hümmerich mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Bedrohte Arten wie Rotmilan, Uhu und nicht zuletzt den seltenen Schwarzstorch gelte es in diesem Lebensraum besonders zu schützen.

Auch bei uns bedroht von seinem größten Feind, dem Mensch: der Schwarzstorch. (©Erni/fotolia.com)

Gebhardshain/Mittelhof/Steineroth. Es sei ein Leichtes, von Deutschland aus mit dem Finger auf das Roden von Regenwald in Brasilien zu zeigen, mit dem berechtigten Hinweis, dass dort die grüne Lunge der Erde zerstört werde, so die BI in einer Pressemitteilung. Wieviel schwieriger wird es, den Fokus auf das eigene Land zu richten: Das Prosperieren der Wirtschaft im Blick, legt sich die Politik jeglicher Couleur und über alle Ebenen hinweg ins Zeug, unser Land immer weiter zu zersiedeln, umzustrukturieren, um am Ende immer mehr Landschaft und Natur zunichte zu machen: Mindestens an jeder Bundesstraßen-Ausfahrt muss ein Gewerbegebiet entstehen. Dörfer und Städte greifen wie Kraken um sich, damit noch mehr Wohnsiedlungen, Industrieflächen oder, mit bester Absicht, auch Solar-„Parks“ entstehen.
Intakte Natur? Die gibt es allenfalls noch in Reservaten. Vielleicht hier und dort, auf ein paar kleinen Flecken zwischen Dörfern, wo bäuerliche Landwirtschaft statt industrieller Monokultur und Massentierhaltung zuhause sind, findet sich noch Kulturlandschaft, die diesen Namen verdient.

Die Region zwischen Gebhardshain, Mittelhof und Steineroth ist ein Gebiet, das diesem Bild nahekommt. Nach dem Niedergang von Erzbergbau und Stahlproduktion von der industriellen Entwicklung eher abgekoppelt, konnten Fauna und Flora sich zum Teil ungestört entwickeln und wurden zum Refugium seltener Tier- und Pflanzenarten, die es zu schützen gilt. Rotmilan, Uhu, ja sogar Schwarzstörche fühlen sich hier wohl – ein Reichtum, der in den nur spärlich ausgewiesenen Schutzzonen bei weitem noch nicht ausreichend Berücksichtigung findet, so die BI Hümmerich.

Nur noch rund 20.000 Brutpaare gibt es vom majestätischen Rotmilan, der überwiegend hier bei uns in Deutschland seine Sommerheimat hat. Der Uhu, fast wäre er ausgestorben, gilt immer noch als äußert schützenswerte Art. Und ein weiteres „Highlight“ ist der Schwarzstorch: Der etwas kleinere Bruder des Weißstorchs ist sehr scheu und bevorzugt Landschaften mit Flüssen, Bächen, Seen in der Nähe von älteren, nicht zu dichten Wäldern, wie es sie an Sieg und Elbbach gibt. Dort, am Fuße des Hümmerich, findet er Fische, Amphibien oder Insekten als bevorzugte Nahrung. Seine Art nistet meist auf hohen Laub- oder Nadelbäumen. Häufig sind es Eichen, die an größeren Lichtungen oder Wiesenflächen stehen und möglichst die Baumnachbarn überragen. Die Horste werden oftmals viele Jahre hintereinander genutzt. Man schätzt, dass es derzeit nur noch 40.000 Exemplare des Zugvogels gibt, der in afrikanischen und asiatischen Äquatorregionen überwintert und im Frühjahr über verschiedene Routen seinen Weg zu den Nistplätzen findet, die von Europa bis China reichen. Die europäischen Bestände werden mit etwa 7.000 bis 11.000 Brutpaaren beziffert, was ungefähr der Hälfte des Weltbestandes entspricht. In Deutschland brüten davon vermutlich mehr als 500 Paare, viele davon in Nordrhein-Westfalen aber auch einige im nördlichen Rheinland-Pfalz.

Der etwa 1 Meter große Schwarzstorch mit seinem weitausladenden Flügelschlag, seinem in der Brutzeit roten Schnabel und dem schillernden Gefieder seiner Oberseite, das je nach Lichteinfall zwischen metallisch glänzendem Schwarz, Kupfer- und Purpurtönen changiert, ist bedroht: weniger von anderen Tieren als vielmehr von seinem größten Feind, dem Mensch. Der stört die Brut und Aufzucht des Nachwuchses, jagt sie in Südeuropa und in Afrika und vernichtet ihre Winterhabitate mit Pestiziden und anderen Chemikalien, so die IUCN (1), die Weltnaturschutzunion, die den Schwarzstorch – wenn auch in der niedrigsten Gefährdungsstufe – so doch in ihrer Roten Liste führt. Auch hier bei uns stellen wir ihm tödliche Fallen: Die IUCN stellt fest, dass Tiere durch Hochspannungsleitungen und Windkraftanlagen sterben. Oftmals sind das Jungvögel auf ihrem ersten Flug in die Winterhabitate.

Dabei gehört der Schwarzstorch laut Artikel 4, Abs. 1, der EU Vogelschutzrichtlinie zu jenen Arten, auf die ausdrücklich Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihrer Lebensräume anzuwenden sind, um ihr Überleben und ihre Verbreitung sicherzustellen.
Schon 2015, als die Dichte der Windkraftanlagen noch weitaus geringer war als heute, wurden fünf Tötungen von Schwarzstörchen durch Flügelschlag von Windrädern registriert und „eine hohe Anzahl kritischer Flugsituationen an WEA“ dokumentiert, so dass die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten, der unter anderem die entsprechenden Fachbehörden der Bundesländer angehören, einen Mindestabstand von 3.000 Metern von Windenergieanlagen (WEA) zu Brutplätzen des Schwarzstorches und einen Prüfbereich von 10.000 Metern rund um Brutplätze empfiehlt, um Gefährdungen bei Flügen zu Nahrungsgründen auszuschließen.

„Bitte helfen Sie uns“, so Dieter Glöckner, der Sprecher der BI Hümmerich, an die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft gerichtet, aber auch an alle Bürger in der Umgebung, „diesen besonderen Lebensraum in unserer unmittelbaren Nachbarschaft zu bewahren. Treten Sie mit uns ein für mehr Naturschutz und wehren Sie sich mit uns gegen die geplanten landschaftszerstörenden Windräder.“ Weitere Informationen unter www.bi-hümmerich.de. (PM)


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