Werbung

Nachricht vom 21.07.2020    

Neues Netzwerk im Kreis hilft „LSBT*IQ“-Menschen

Menschen leben ihre Sexualität inzwischen viel differenzierter aus, als es die Gesellschaft über Jahrhunderte hinweg duldete. Das gerade für den Kreis Altenkirchen gegründete Netzwerk "LSBT*IQ" will Anlaufstelle sein und Angebote schaffen für diejenigen (vor allem Jugendliche und deren Angehörige), die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und ihrer geschlechtlichen Identität Ausgrenzung und Mobbing erfahren.

Ein Flyer gibt Auskunft über das neue Netzwerk (von links): Silke Seyler, Wiebke Herbeck, Christoph Weller, Alia Sinno-Segieth und Dominic Prinz. (Foto: hak)

Altenkirchen. Es ist keine Formel aus dem Chemieunterricht: "LSBT*IQ" fasst Menschen erst seit diesem Jahrhundert zusammen, die außerhalb der heterosexuellen und zweigeschlechtlichen Norm stehen. Die einzelnen Buchstaben stehen für lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender (Sternchen), intersexuell und queer. Um dieser Gruppe zu helfen, hat sich im Kreis Altenkirchen das LSBT*IQ-Netzwerk gegründet, das von drei Institutionen getragen wird: Hiba in Wissen, Kompa (evangelisches Kinder- und Jugendzentrum) in Altenkirchen und Mehrgenerationenhaus "Mittendrin" in Altenkirchen (mit dem Diakonischen Werk des evangelischen Kirchenkreises im Rücken). Das Trio, das seit vielen Jahren schon auf anderen Ebenen sehr intensiv zusammenarbeitet, weiß zudem das Jugendamt der Kreisverwaltung auf seiner Seite. Der Hintergrund für die "Geburt": Im ländlichen Raum gibt es kaum Anlaufstellen für Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und ihrer geschlechtlichen Identität Ausgrenzung und Mobbing erfahren. Genau an dieser Stelle setzt die neue Struktur an. Jungen Menschen und ihren Angehörigen sollen niederschwellige, anonyme und individuelle Beratungs- und Unterstützungsangebote zuteil werden. Darüber hinaus möchte das Netzwerk mit Veranstaltungen wie Fachtagen oder Kulturevents zum wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurs beitragen.

Öffentlichkeit muss sensibilisiert werden
"Es gilt, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, die Thematik im Landkreis zu initiieren, dass das Thema überhaupt als Thema wahrgenommen wird", sagte Wiebke Herbeck, die Leiterin des Kompa, bei der Präsentation des Netzwerkes im Mehrgenerationenhaus "Mittendrin" am Dienstagmorgen (21. Juli). Es seien viele Menschen von der Problematik betroffen, ergänzte Dominic Pritz, der ebenfalls fürs Kompa arbeitet. Schätzungen gehen davon aus, dass vier bis zehn Prozent der Gesamtbevölkerung dem LSBT*IQ-Spektrum zugeordnet werden können. "Es besteht ein sehr hoher Bedarf an Hilfen", fuhr Pritz fort und gründete seine Einschätzung auf die Erkenntnisse aus der Kompa-Veranstaltungsreihe "90 Tage wir", in der es um LSBT*IQ mit Konzerten Ausstellungen und Theaterstücken gegangen sei, "auf dem Land tun sich Menschen im Umgang mit dem ,anders sein' deutlich schwerer als in einer Großstadt."

Thema ist komplett neu
"Weil das Thema neu ist, haben wir keine Erfahrung mit ihm", erklärte Hiba-Schulsozialarbeiterin Alia Sinno-Segieth. Dass überhaupt etwas in dieser Richtung in Bewegung gekommen sei, machte sie am "Christopher Street Day" fest, dem seit 50 Jahren regelmäßig ausgerichteten Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Menschen, an dem für die Rechte dieser Gruppe gegen Diskriminierung und Ausgrenzung demonstriert wird. "Die gesellschaftlichen Situationen ändern sich", sah Sinno-Segieth den Boden bereitet, um das Netzwerk ins Leben gerufen zu haben. Sie ergänzte: "Menschen, die anders sind, leiden sehr. Sie fallen in der Schule auf, werden Opfer von Mobbing und können dem Druck nicht mehr standhalten. Sie dürfen nicht so sein, wie sie sind, und erkranken psychisch." Christoph Weller (Hiba) sprach davon, "diesen Menschen das Leben zugänglich zu machen", es gehe auch um eine Barrierefreiheit. Es gelte zu klären, "wie wir mit Menschen umgehen, die vielfältig sind. Neue Schubladen dürfen nicht aufgemacht werden".



Keine Resonanz vor sieben Jahren
Silke Seyler, die Koordinatorin des Mittendrin, blickte ins Jahr 2013 zurück, als schon einmal versucht worden sei, eine LSBT*IQ-Veranstaltung zu organisieren, die Resonanz eher schwach gewesen sei. "Jetzt aber ist die Zeit reifer geworden für dieses Thema, wir müssen diesen Menschen die Strukturen bereitstellen. Es ist wichtig, dass wir überhaupt gestartet sind", meinte sie. Für Herbeck ist es eminent wichtig, dass Menschen merken, dass "ich nicht allein im Landkreis bin. Ich habe hier meinen Platz, hier habe hier meine Community", so dass eine Flucht in die Großstädte, wie sie Pritz beschrieb, nicht mehr notwendig sei, zumal bei der Jugendgruppe im Kompa größter Wert auf Anonymität gelegt werde.

Die Angebote im Überblick
Die Angebote im Überblick - Beratung, Begleitung, Aufklärung erfolgt über den Hiba für queere und nicht geoutete Schüler. Unterstützung für Lehrer zu allen queeren Themen ist ebenfalls im Angebot; Kontakt: Tel 0157/364 837 64 oder per Mail an beratung@hibaev-ak.de; Jugendgruppe ab 12 Jahren im Kompa, Treffen für queere und nicht geoutete zweimal im Monat mit vielfältigem Programm; Kontakt: Tel. 0160/379 833 70 oder per Mail an jugendgruppe@kompa-altenkirchen.de; Stammtisch für Angehörige (Eltern, Partner, erwachsene Kinder und Anverwandte) im Mehrgenerationenhaus, letzter Mittwoch im Monat, 19 bis 21 Uhr; Kontakt: Tel: 0157/352 082 57 oder per Mail an stammtisch@mgh-ak.de (hak)


Lokales: Altenkirchen & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.



Aktuelle Artikel aus Region


Verkehrsunfall bei Bachenberg: Pkw rutscht in Böschung

Auf der Kreisstraße 37 zwischen Bachenberg und Hilgenroth ereignete sich am 11. Mai ein schwerer Verkehrsunfall. ...

"Reiseglück Mekuli": Windeck bekommt sein erstes Reisebüro

In Windeck gibt es ein neues Angebot für den Tourismus: Alina Mekuli hat am 9. Mai im Leinpark in der ...

Green Juice Festival 2026: Bonn wird wieder zum Treffpunkt für Indie, Pop, Rock und Hip-Hop

Das Green Juice Festival kehrt am 31. Juli und 1. August 2026 in den Park Neu-Vilich nach Bonn zurück. ...

AMI Förder- und Lagertechnik in Luckenbach insolvent - Verkauf wird angestrebt

Die Firma AMI Förder- und Lagertechnik GmbH in Luckenbach hat im April beim Amtsgericht Montabaur Antrag ...

Verkehrskontrolle deckt Fahren ohne Führerschein und Drogenverdacht in Almersbach auf

In Almersbach kam es am Sonntag zu einer Verkehrskontrolle, die unerwartete Entdeckungen ans Licht brachte. ...

Fröhlicher Seniorennachmittag in Horhausen ganz im Zeichen des Mai

Beim jüngsten Seniorennachmittag der Horhauser Seniorenakademie drehte sich alles um den Wonnemonat Mai. ...

Weitere Artikel


Festnahme nach zwei bewaffneten Überfällen in Wissen

Nach zwei bewaffneten Überfällen auf eine Tankstelle und eine Spielhalle in Wissen hat die Polizei einen ...

Sanierung des Raiffeisenturms könnte unabdingbar werden

Auch ein Wahrzeichen kommt in die Jahre: Der Raiffeisenturm auf dem Beulskopf hätte, wenn die Corona-Pandemie ...

Online-Premiere für Fachtag „Qualitätsentwicklung im Diskurs“

Eigentlich sollte er bereits im März in der Kreisverwaltung in Altenkirchen stattfinden, der siebte Fachtag ...

Arche Noah Marienberge: Wo Gemeinschaft groß geschrieben wird

Urlaub in Deutschland wird immer interessanter, nicht nur wegen Corona. Gemeinnützige Ferienstätten und ...

anderes lernen: Neue Angebote vom Haus Felsenkeller

Das Haus Felsenkeller bietet wieder Bildungsangebote in Kooperation mit der VG Altenkirchen-Flammersfeld ...

Biker distanzieren sich von ihren schwarzen Schafen

Auch im Großraum Koblenz und insbesondere an den beliebten Motorradstrecken in der Umgebung kommt es ...

Werbung