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Nachricht vom 28.07.2020    

Ein Besuch von zu Hause bei ihrem Frühchen

In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Marienhaus Klinikums St. Elisabeth Neuwied betreuen Chefarzt Dr. Michael Ehlen und sein Team jährlich etwa 60 Frühchen. Diese Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm bedürfen einer besonderen Behandlung und werden meist über einen langen Zeitraum in den sogenannten Perinatalzentren intensivmedizinisch versorgt.

Mike Weißenfels mit seiner Tochter. Foto: privat

Neuwied. Nicht immer haben die Eltern in dieser Situation die Möglichkeit, dauerhaft im Krankenhaus bei ihrem Kind zu sein. Diese räumliche Trennung bringt oft eine psychische Belastung für die Eltern und die Eltern-Kind-Beziehung mit sich. Abhilfe schaffen soll in diesem Zusammenhang ein virtuelles Besuchersystem. Mit Hilfe der sogenannten „NeoCam“ sollen Eltern von Frühchen die Möglichkeit bekommen, ihr Kind von zu Hause aus „live“ zu sehen.

Silke Weißenfels ist die erste Mutter eines Frühchens, die diese neue Technologie in Anspruch nimmt. Ihre Tochter erblickte am 9. Juni 2020 das Licht der Welt und liegt nun schon mehr als vier Wochen auf der Frühchenstation. Jeden Tag fährt sie mehrmals am Tag von Raubach nach Neuwied, um sie zu sehen und Muttermilch für sie abzugeben. Die Situation ist sowohl für sie als auch für ihren Ehemann emotional sehr belastend und zugleich kräftezehrend. „Auch nach wochenlanger Routine habe ich immer noch ein komisches Gefühl, wenn ich die Klinik ohne mein Kind verlassen muss“, so Silke Weißenfels.

Durch die neuartige Technik der „NeoCam“ verkürzt sich die Distanz zu ihrem Kind und die Eltern können ihr Kind zu jeder Tages- und Nachtzeit über den Monitor sehen. „Es ist einfach ein besseres Gefühl zu sehen, wie es ihr geht und die Entwicklungsschritte mitzuerleben, auch wenn wir gerade nicht vor Ort sein können“, so Mike Weißenfels.

Die „NeoCam“ an sich ist sehr einfach zu bedienen und benötigt zur Verwendung keine zusätzliche Software, sondern lässt sich von jedem internetfähigen Endgerät empfangen. Die Kamera befindet sich in der Klinik und ist mit Ausrichtung auf das Frühchen am Kinderbett befestigt. „Um zu gewährleisten, dass niemand außer den Eltern auf die Liveaufnahmen ihres Kindes zugreifen kann, erhalten die Eltern persönliche Zugangsdaten, mit denen sie sich über die Internetseite der Bergmann-Klinik anmelden müssen“, erklärt Michael Ehlen. „Da das Empfangen der Daten nicht nur auf den Computer beschränkt ist, sondern auch über das Smartphone oder Tablet funktioniert, haben wir unsere Tochter jederzeit bei uns, wenn auch nur im Livestream“, so Mike Weißenfels.



Stationsleiterin Kerstin Bornhofen hat sich mittlerweile schon an die neue Technik gewöhnt. „Die Eltern der Kinder entscheiden jedoch immer selbst, ob sie diese nutzen möchten oder nicht. Wir haben ebenfalls Verständnis für alle, die sich mit unseren virtuellen Besuchen nicht anfreunden können“, bekundet sie.

Aktuell steht der Webcam-Service nur auf wenigen Frühgeborenen Intensivstationen in Deutschland zur Verfügung. Die Testphase soll nun zeigen, ob das neuartige Besuchersystems der Frühchenstation auch psychische Herausforderungen und Belastungen mit sich bringen kann. Das Ziel des Projektes Neo-CamCare ist es daher, den aktuellen Stand der Einbindung von Webcams auf Frühgeborenen-Intensivstationen zu erfassen und ihren Einsatz zu evaluieren. Begleitend sollen Bedarfe, mögliche Hürden und Bedenken der Eltern ermittelt werden. Abschließend soll eine Handlungshilfe konzipiert werden, das die Empfehlung für den Einsatz und den Umgang mit Webcams für Eltern und Klinikmitarbeiter umfasst. (PM)



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