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Nachricht vom 12.08.2020    

Regelbetrieb: Wie Kitas im Kreis den Corona-Alltag bewältigen

In der einen Ecke wird gelacht, in einer anderen fließen ein paar Tränen, und mitten im Raum wird auf dem Boden gespielt: Momentaufnahme aus einer Kindertagesstätte, die seit wenigen Tagen wieder im "Regelbetrieb" ihre Pforten geöffnet hat. Und doch ist vieles neu, vieles anders. Der Corona-Pandemie muss halt Rechnung getragen werden.

(Symbolbild: Archiv)

Altenkirchen. "Es herrscht allmählich wieder Normalität." Das sagt Sascha Koch mit Blick auf die Kindertagesstätten (Kitas) der Verbandsgemeinde (VG) Altenkirchen-Flammersfeld. Seit dem 1. August ist der "Regelbetrieb" angesagt, nachdem die Corona-Pandemie die gewohnte Betreuung zunächst zum Erliegen gebracht hatte und die dann als rudimentäre Version (Notbetreuung) daher gekommen war. "Die ersten Rückmeldungen besagen, dass alles sehr gut geklappt hat", berichtet Koch, der im Altenkirchener Rathaus Abteilungsleiter des Fachbereichs 5 "Soziales und Generationen" ist und 15 Kitas unter seinen Fittichen weiß. Die Kinder und Eltern freuten sich jedenfalls, dass alles fast wie gewohnt ablaufe. Das erste Fazit beruht jedoch nicht auf dem Feedback aus allen Einrichtungen. Wie in jedem Jahr hat die VG als Träger der einen Hälfte die Pause in die ersten drei Wochen der Sommerferien gelegt, während der anderen Hälfte die "dienstfreien" 21 Tage zum Schluss der sechswöchigen "Auszeit" zugestanden wurde. Deswegen sind aktuell nur 8 Kitas geöffnet, von Montag, 17. August, werden alle wieder mit Leben erfüllt.

Neue Fragen täglich
Dass der "Regelbetrieb" trotz umfangreicher Vorgaben aus Mainz tagtäglich in der Praxis neue Fragen aufwirft, versteht sich von selbst, weil Sachverhalte kontinuierlich mit Vorgaben in Einklang stehen müssen. "Immer wieder steht das Hände waschen oder die Desinfektion an allererster Stelle", weiß Koch, sei es beispielsweise nach dem Eincremen der Kids mit der eigens mitgebrachten Sonnenmilch für den Aufenthalt im Freien (vor allem in den Morgenstunden, wenn es noch relativ kühl ist) oder nach dem Trösten eines Jungen, wenn er auf dem Arm einer Erzieherin war. Eine Maskenpflicht für die Teammitglieder gibt es grundsätzlich nicht, sie wird dann erforderlich, wenn es gilt, eine Windel zu wechseln. "Regelbetrieb" bedeutet auch, dass den Jungen und Mädchen Mittagessen angeboten wird, wenn sie bis in den Nachmittag hinein betreut werden. "Erzieherinnen, die einer Risikogruppe angehören, beschäftigen sich nicht direkt mit Kindern", ergänzt Koch, "sie arbeiten zu." Freistellungen habe es bislang noch nicht gegeben, selbst zu Zeiten der Notbetreuung nicht. Im Homeoffice hätten administrative Dinge erledigt werden können - getreu dem Motto: Was gemacht ist, ist gemacht.

Viele Dinge verinnerlicht
Die plötzliche Kita-Schließung Mitte März hat sich gerade bei Kindern, die sich in der Eingewöhnungsphase befanden, unterschiedlich ausgewirkt. Einige waren schon mitten im Prozess, als er abrupt endete, "einige müssen deswegen wieder bei Null beginnen", erklärt Koch, andere waren noch gar nicht gestartet und legen nun mit Verzögerung los. Pate steht das "Berliner Modell", das das langsame Abkapseln von Eltern und gewohnter häuslicher Umgebung beschreibt. Auch die Vorbereitung derjenigen, die in gar nicht allzu ferner Zukunft Richtung Schule umsiedeln werden, wurde unterbrochen. Was Koch ebenfalls berichtet wird: Viele Kids hätten die allgemein gültigen Regeln in dieser Corona-Zeit längst verinnerlicht: die Niesetikette oder das Abstand halten. "Sie haben das bereits verinnerlicht und machen das ganz toll", gibt er Erfahrungen aus dem Kreis der Angestellten wieder.

Keine Tests fürs Personal
Aktuell sind regelmäßige Testungen für das Personal nicht geplant. "Wir hatten vor längerer Zeit Fälle, bei denen im Umfeld einiger Erzieherinnen die Frage ob Corona oder nicht geklärt werden musste. Alles war jedoch negativ", blickt Koch zurück. Die Belegschaft indes wird in den kommenden Wochen und Monaten intensiv Kinder beobachten (müssen), die an Infekten, die mit "laufenden Nasen" einhergehen, leiden und ob sich diese Symptome in einer Gruppe ballen und gegebenenfalls Maßnahmen des Gesundheitsamtes zur Folge haben. Da sei eine gewissen Unsicherheit im Spiel. Abgeänderte und/oder intensivere Reinigungspläne gibt es nicht, mehr Chemie ist verpönt. Dinge, die dauernd und von vielen angefasst werden, müssen häufiger desinfiziert werden. Geschlossen sind Bällchenbäder, über die einige Kitas verfügen. "Es ist ein langsames Herantasten an die Zeit vor Corona. Wir wollen das zarte Pflänzchen der Normalität nicht zerstören", definiert Koch die Marschroute, die weiterhin ihre Gültigkeit hat. Wann wirklich die komplette Auslastung erreicht wird, vermag er nicht abzuschätzen, da es nach wie vor Eltern gebe, die ihre Kinder aufgrund des Infektionsgeschehens die Kitas nicht besuchen ließen.

Die 16. Kita wird gebaut
In der VG Altenkirchen-Flammersfeld gibt es neben den 15 kommunalen weitere 4 Kitas, die sich in kirchlicher Trägerschaft befinden. Die VG wird ihre 16. bald in Güllesheim als Zweigrupper (mit Erweiterungsmöglichkeit) bauen lassen. Aktuell besuchen rund 800 Kinder die 15 Kitas. Auf der Lohn- und Gehaltsliste stehen rund 300 Menschen (Voll- und Teilzeit). Inzwischen existieren für einige Einrichtungen bereits Warteleisten. "Der Zuzug hält an", berichtet Koch und verknüpft damit die Vermutung, dass weitere Plätze benötigt werden könnten. Die Standorte der kommunalen Kitas: Altenkirchen (2), Birnbach, Busenhausen, Eichelhardt, Flammersfeld, Fluterschen, Gieleroth, Ingelbach, Kircheib, Krunkel-Epgert, Mehren, Neitersen, Rott und Weyerbusch; die der kirchlichen Täger: Altenkirchen (2), Horhausen und Oberlahr. (hak)


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