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Nachricht vom 18.08.2020    

Corona trifft heimischen Arbeitsmarkt weniger stark als befürchtet

Die Corona-Krise springt noch relativ glimpflich mit dem heimischen Arbeitsmarkt um. Auf diesen einfachen Nenner haben es Vertreter der Neuwieder Arbeitsagentur und des Jobcenters im Kreis Altenkirchen bei einer Bestandsaufnahme gebracht. "Die nach dem Lockdown im März zu erwarten gewesenen massiven Auswirkungen haben sich in der befürchteten Dynamik bislang nicht eingestellt", lautete das momentan gültige Fazit.

Das Jobcenter in Altenkirchen ist eine von drei Anlaufstellen im Kreis für Menschen, die Transferleistungen erhalten. (Foto: hak)

Kreis Altenkirchen. Zu den Akten gelegt werden kann die Corona-Pandemie noch lange nicht. Sie wird den heimischen Arbeitsmarkt auch in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin beeinflussen. Wie stark das sein wird, ist unter anderem direkt an das Infektionsgeschehen und daraus resultierende Maßnahmen gekoppelt. Bis Dienstag (18. August) jedenfalls steht der Kreis Altenkirchen - was sowohl die Zahl der Bedarfsgemeinschaften (nach Sozialgesetzbuch II/SGB II), die das Jobcenter mit seinen drei Standorten im Kreis betreut, als auch die Zahl der Arbeitslosen betrifft, um die sich die Neuwieder Arbeitsagentur kümmert - , einigermaßen passabel da. "Die Auswirkungen, die im März als Folge des Lockdowns befürchtet wurden, haben sich in der Dynamik nicht eingestellt", sagte Heinzer Kölzer als Geschäftsführer Jobcenter Im Kreis Altenkirchen. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften (Hartz IV) sei im Vergleich zum März um 200 auf 3208 gestiegen, die Arbeitslosenquote betrug Ende Juli 6,1 Prozent.

"Silberstreif am Horizont"
"Vor Jahresfrist lag die Quote bei 4,2 mit einer Tendenz zu einer 3 vor dem Komma", ergänzte Kölzer, nachdem die Trägerversammlung des Jobcenters sich mit dem Leiter der Neuwieder Arbeitsagentur, Karl-Ernst Starfeld, über die Situation in den Serviceeinrichtungen und die Zusammenarbeit mit den "Kunden" unter Corona-Bedingungen ausgetauscht hatte. Noch einmal Zahlen: Im Juli waren 4370 Menschen ohne Jobs nach 3128 zwölf Monate zuvor. Wie Kölzer sprach auch dessen Stellvertreter Manfred Greis von ersten Anzeichen einer leichten Abflachung der Kurve bei den Bedarfsgemeinschaften, einem "leichten Silberstreif am Horizont", aber auch davon, dass bei den Arbeitslosen "das Plus von über 1200 für den Kreis schon eine Hausnummer ist".

Jobcenter lange geschlossen
Kölzer berichtete über die komplette Schließung des Jobcenters von Mitte März bis hin zur Wiedereröffnung am 2. Juni unter völlig neuen Voraussetzungen. Konzepte wurden erstellt und abgesegnet, um den Menschen, die auf diese Transferleitungen angewiesen sind, die Gespräche mit ihren Beratern wieder von Angesicht zu Angesicht zu ermöglichen. Treffen kommen derzeit nur nach vorheriger Terminvereinbarung zustande (Ad-hoc-Erscheinen ist nicht möglich), die Mitarbeiter in Altenkirchen, Wissen und Betzdorf versuchen, viele Sachverhalte telefonisch zu klären. "Es funktioniert sehr, sehr gut", bilanzierte Greis. Zudem wurde versucht, dass Bildungsmaßnahmen (natürlich unter geänderten Abstands- und Hygienevoraussetzungen) besucht werden konnten. Das habe das heimische Jobcenter "überdurchschnittlich gut" geschafft, wie Starfeld hervorhob, so hätten auch die Bildungsträger Einnahmen in dieser schwierigen Zeit generieren können. Sanktionen fürs Nichterfüllen von Vorgaben beispielsweise seien zwischen März und Juni nicht verhängt worden, "seit Juli wird wieder sanktioniert", erklärte Kölzer und nannte eine Maxime des SGB II:" Geben und nehmen sowie fördern und fordern." Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, die im Schnitt sanktioniert werde müsse, liege im AK-Land bei unter 10 Prozent. Die Summe der Auflagen dürfe laut höchstrichterlichem Urteil 30 Prozent der Leistungen nicht übersteigen.




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Interessanter Aspekt
Auf einen interessanten Aspekt wiesen die drei Experten darüber hinaus hin. Habe zu normalen Zeiten das Jobcenter zu zwei Dritteln (Hartz IV) und die Arbeitsagentur (Arbeitslosengeld I/ALG I) zu einem Drittel die Lasten zu tragen, habe sich das Verhältnis genau umgedreht. Zwei Drittel der Arbeitslosen fielen bei einer Quote von 6,1 Prozent in den Bereich des ALG I, ein Drittel aktuell nur noch in den des SGB II. Wie sich die Situation in nächster Zeit entwickeln werde, bleibt ein Stochern im Nebel. Maßgeblich bleibt die Corona-Pandemie. Wird es eine starke zweite Welle geben? Wie entwickelt sich die Zahl der Insolvenzen im vierten Quartal? Wie viele Menschen fallen wann aus dem Bezug von Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld I heraus? Die Unbekannten vermag keiner so recht einzuordnen. Was inzwischen zu Tage tritt: Die Zahl der offenen Stellen ist erheblich gesunken - und zwar um ein Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum. "Wir haben 26 Prozent weniger im Bestand", erläuterte Starfeld. Aktuell sind im Bezirk der Arbeitsagentur (Landkreise Altenkirchen und Neuwied) noch 200 freie Plätze für Azubis in spé gemeldet, vor allem im Baugewerbe noch viele unbesetzt.

Um die 12.000 Auspendler
Im Landkreis Altenkirchen existierten am 31. Dezember des vergangenen Jahres 39.097 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Die Zahl der Auspendler schwankt um die 12.000, die in die Statistiken der Nachbargebiete (und nicht in die des Kreises) einfließen. (hak)


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