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Nachricht vom 25.08.2020    

Waldumbau im Klimawandel: Zapfenpflücker bei den „Abies Grandis“

Es geht dem heimischen Wald unübersehbar nicht gut. Und es ist kein Geheimnis, dass auch der Klimawandel schuld ist, der allerorts immer schneller und stärker zu spüren ist, weswegen sich auch die Population des Borkenkäfers immens verbreitet. Die Hatzfeldt-Wildenburg´sche Forstverwaltung setzt auf einen ökologisch sinnvollen Waldumbau unter anderem mit der „Großen Küstentanne“, die ihre Heimat im Westlichen Nordamerika findet.

v.l. Revierleiter Thomas Günther, Dr. Franz Straubinger (Hatzfeldt-Wildenburg´sche Verwaltung) mit die beiden Zapfenpflücker Sebastian Meyering und Julius Woyda im Wald in der Nähe von Altenbrendebach bei Wissen. (Fotos: KathaBe)

Region/Wissen. Bereits im Juni hatte die Hatzfeldt-Wildenburg´sche Verwaltung in einem Pressegespräch auf die Problematik in der Waldwirtschaft hingewiesen. In diesem Artikel soll die Information rund um das dramatische Geschehen im Wald fortgesetzt und Einblicke gegeben werden, wie man ökologisch sinnvolle Lösungen schafft, um das Natur- und Kulturerbe „Wald“ zu schützen, wieder aufzubauen und dabei auch die wirtschaftlichen Aspekte nicht außer Acht lässt.

Waldumbau in einer nachhaltigen multifunktionalen Forstwirtschaft
Wälder so zu pflegen, dass deren Vitalität und Produktivität nachhaltig und multifunktional erhalten bleibt, ist das Ziel der Hatzfeldt-Wildenburg´schen Forstverwaltung. Dazu müssen Maßnahmen getroffen werden, die zur Sicherung einer biologischen Vielfalt führen. Durch den Klimawandel und die einhergehende Trockenheit sind dabei Baumarten gefragt, die sich in den veränderten Bedingungen bewähren, entsprechend auch bei dem stetig sinkenden Grundwasserspiegel, der sich seit etwa fünf Jahren nicht mehr erholt hat. Das bisschen Regen der letzten Wochen führte maximal im oberen Boden zur Entspannung, nicht aber bei den schon jetzt „gestressten“ Bäumen im Wald, deren Wurzeln tiefer reichen. Die Trockenheit im Erdreich liegt bis auf etwa 1,80 Meter im Bundesschnitt. Dies macht nicht mehr nur den Fichten zu schaffen, sondern immer mehr auch Buchen, Eichen, Wildkirschen und vielen mehr. Gerade die alten und großen Buchen, können sich nicht mehr erwehren, werfen zuerst ihr Blattwerk zum Schutz ab. Wenn dann die Rinde noch aufplatzt, ist der Baum nicht mehr zu retten, schildern Nicolaus Graf von Hatzfeldt und Dr. Franz Straubinger die dramatische Situation gemeinsam mit dem Revierleiter der Kohlschlade, Thomas Günther. Umso wichtiger ist es, nach alternativen Baumarten zu suchen, die mit den immer heftiger werdenden klimatischen Bedingungen klar kommen und damit auch den wirtschaftlichen Faktor nicht außer Acht lassen.

Abies Grandis zeigt sich stabil
Im Rahmen von Untersuchungen der Universität Göttingen für Forstwirtschaft und Waldökologie beschäftigte man sich unter anderem mit Potentialen und Risiken eingeführter Baumarten. Eine dieser Baumarten ist die an unsere klimatischen Bedingungen angepasste Große Küstentanne (Abies Grandis), die bereits seit rund 150 Jahren in Europa anzutreffen ist, mittlerweile auch stellenweise in den Hatzfeldt`schen Wäldern. Entdecker der Neuzeit brachten diese robuste Tannen-Art mit nach Europa. Sie bringt Eigenschaften mit, wie ein ausgeprägtes Wurzelsystem und die Fähigkeit „ihren Kreislauf“ bei extremer Trockenheit durch eine effektive Transpiration nach unten zu fahren, um so mit wenig Niederschlag gut klar zu kommen. Dies ist sicher ihrer Herkunft zu verdanken. Im westlichen Nordamerika beheimatet, ist sie Trockenheit gewohnt, hat dennoch eine gute Wuchs-Leistung und vielfältig verwendbares Holz, dies besonders bei der „Inlandsvariante“ der Abis Grande, die an noch weniger Wasser gewöhnt ist, da sich die Regenwolken aus Osten kommend schon vor den Rocky Mountains abregnen und dahinter in der Heimat der Küstenfichte kaum noch Niederschlag fällt. Eine Studie besagt zudem, dass sie nicht „invasiv“ ist und damit keine andere Pflanzenarten verdrängt, sondern sich wunderbar als Mischbaumart mit anderen Baumarten integrieren lässt. Somit eine „Gastpflanze“, die nach dem Forstvermehrungsgesetz auch in unseren Regionen eingesetzt werden darf.



Dr. Franz Straubinger erläutert gerade in diesem Zusammenhang, dass es das oberste Ziel sei, in der Aufforstung ein gesundes Verhältnis der verschiedenen Baumarten zu schaffen. Fehler der Vergangenheit, wie den Anbau der Monokultur „Fichte“, dürften nicht wiederholt werden. In den Hatzfeldt-Wildenburg´schen Wäldern zeigt die bereits langjährig favorisierte Variante der Mischwälder, dass sich so auch von alleine eine Pflanzenvielfalt bilden kann. Doch in der aktuellen Situation müsse der Wald Unterstützung erfahren, fügt Nicolaus Graf von Hatzfeldt hinzu.

Nachhaltig für Nachwuchs sorgen - Zapfenpflücker im Einsatz
Dies erfolgt zum einen durch das Ausheben der etwa 10 bis 15 Zentimeter jungen Pflänzchen der Großen Fichtentanne, die sich auf natürliche Weise selbst aussäen. Zaghaft, um das Wurzelwerk nicht zu verletzen, werden sie ausgehoben, um sie auf Stör- und Kalamitätsflächen (Flächen die z.B. durch den Borkenkäfer zur Kahlfläche wurden) in einem gesunden Verhältnis mit anderen Baumarten wieder anzupflanzen.

Eine spektakulärere Art, die Fortpflanzung zu sichern, ist die Gewinnung der wertvollen Samen, wenn die „Zapfensammler“ ins Spiel kommen. Momentan kann man diese im Wald in der Nähe der Altenbrendebach beobachten. Förster und Forstwirt Julius Woyda und Sebastian Meyering klettern derzeit auf rund 20 der etwa 40 bis 45 Jahre alten und ebenso hohen Küstentannen, um an die Zapfen mit den wertvollen und mittlerweile genetisch an die Anforderungen unserer Region angepassten Samen zu kommen. Schwindelfrei und klettersicher muss man hier auf jeden Fall sein, denn die Tannen verjüngen sich in ihrer Spitze am Stamm so sehr, dass sie schon bei einer leichten Prise etwa zwei bis drei Meter schwanken.

Von rund 25 Kilogramm Zapfen (das sind etwa 550 bis 600 Zapfen), erhält man etwa ein Kilogramm reinen Samen, wenn es optimal läuft und alle Samen geeignet sind. Nach der Sammlung werden die Zapfen in einer sogenannten „Klenge“ von den Samen getrennt. Der Name „Klenge“ stammt vom Wort Klang, dem Geräusch, das entsteht, wenn durch Zufuhr von Wärme die Schuppen der Zapfen aufspringen und der Samen herausfällt.

Auf diese Weise können die zertifizierten Baumsamen aus den eigenen Wäldern die Basis für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung bilden, so Straubinger. Zumal die Samen rund 20 Jahre lagerfähig sind und so nach Bedarf wieder in den heimischen Mischwäldern zum Einsatz kommen. Dies nachdem sie in einer Baumschule in Darmstadt, die nach anthroposophischen Grundsätzen arbeitet, zu einem rund 15 bis 20 Zentimeter großen Pflänzchen heranwachsen konnten.

Waldtage für mehr Bewusstsein
Unter dem Motto „Gemeinsam! Für den Wald“ finden in diesem Jahr vom 18. bis 20. September die „Deutschen Waldtage“ statt (Veranstalter Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft). Die Hatzfeldt-Wildenburg`sche Forstverwaltung hat dazu am 18. September einen Tag mit verschiedenen Aktionen geplant. Weitere Informationen dazu folgen. (KathaBe)


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