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Nachricht vom 27.08.2020    

Wer war der Mörder? Lesung im Kulturwerk weckte Lust auf mehr

Es wurde spannend am Dienstagabend im Kulturwerk in Wissen. Zur Lesung des neuen Krimis des Autors Friedrich Dönhoff mit dem Titel „Heimliche Herrscher“, fanden sich zahlreiche Zuhörer ein, darunter viele begeisterte Krimi-Leserinnen und -Leser, die auch nicht enttäuscht wurden.

Maria Bastian-Erll und Autor Friedrich Dönhoff im Wissener Kulturwerk (Fotos: ma)

Wissen. Maria Bastian-Erll, die organisatorische Leiterin der Westerwälder Literaturtage (WW-Lit) dankte erst einmal dem Geschäftsführer des Kulturwerks, Dominik Weitershagen, der mit seinem Team in gewohnter Weise wieder alles perfekt organisiert hatte. Sie freute sich über die Zuhörer, die gekommen waren, um die Lesung des Autors Friedrich Dönhoff zu hören, der bereits zum dritten Mal bei den mittlerweile 19. Westerwälder Literaturtagen, dieses Mal unter dem Thema „Nordlichter“, dabei war.

Für Dönhoff war es die erste Lesung seit Beginn der Corona-Pandemie in diesem Jahr und für WW-Lit einer der wenigen Termine, die nicht verschoben werden mussten. Der Kriminalroman „Heimliche Herrscher“ ist für den Autor, der seine Werke im Diogenes Verlag veröffentlicht, bereits der vierte Band der Reihe rund um den jungen Kommissar Sebastian Fink, dessen Figur er 2008 erfand. „Der ist annähernd fast so sympathisch wie der Autor und unterscheidet sich ganz substantiell von den üblichen Tatort-Kommissaren“, befand Bastian-Erll. „Die Figuren entwickeln sich oft anders, als man denkt“, so Dönhoff, der sich immer erst einen genauen Plan macht und dann los schreibt. Der Mörder in seinem ersten Buch, der sei immer netter geworden, so dass er irgendwann gedacht habe, den kann man ja als Mörder gar nicht mehr glaubwürdig präsentieren. Das hätte das Ganze letztlich allerdings viel interessanter gemacht. So sei auch der Rentner Volker Gollenhauer, Witwer und Besitzer eines Rauhaardackels, ihm beim Schreiben immer sympathischer geworden und mittlerweile eine seiner Lieblingsfiguren.

Mit angenehmer Stimme trug der Autor Passagen aus dem neuen Buch vor, die zum Bedauern der Zuhörer an besonders spannenden Stellen endeten. Die Ermittlungen des Protagonisten, des Kommissars Sebastian Fink, spielen in Hamburg. Finks Zuhause ist momentan bei seiner neuen Freundin Marissa, die als DJ in einem Club tätig ist. Sie sind ein eigenartiges Paar, der leicht spießige Kommissar und die durchgeknallte Marissa und sorgen damit für beste Unterhaltung. Hauptthema im neuen Buch ist gleich eine ganze Mordserie, der sehr unterschiedliche Menschen zum Opfer fallen. Ein Abiturient muss sterben wie auch ein älterer Herr und eine Zahnärztin. Welche Verbindung besteht zwischen den Opfern? Klar ist nur, es ist immer der gleiche Täter. Der Inhalt sorgte für Spannung pur, beim Vorlesen einer unheimlichen Passage bekamen die Anwesenden Gänsehaut, erfuhren allerdings nicht, ob ein um Hilfe rufendes Opfer zu Tode kommt: „Ich muss leider sagen, ich weiß es auch noch nicht, da die Lesung ja jetzt erst beginnt“, schmunzelte Dönhoff. „Vielleicht können wir sogar den Täter stellen, aber das kann ich nicht versprechen“. „Die am häufigsten gestellte Frage, ob der Dackel überlebe, die könne er allerdings verraten, das sei der Fall.



Im anschließenden Dialog zwischen Bastian-Erl und Dönhoff erfuhren die Zuhörer noch allerlei Wissenswertes über den interessanten Werdegang des Autors, unter anderem warum er zu Diogenes gekommen ist und auch, dass es im neuen Buch über Sebastian Fink im weitesten Sinne über Menschenhandel geht. Dönhoff skizzierte kurz die Themen der vorangegangenen Bände und erläuterte, warum seine Figur des Kommissars entgegen der Norm wenig private Probleme habe: „Die Fälle um die es geht, die sind schon schlimm genug“. Er finde an Krimis nicht die Gewalt interessant, sondern das Gesellschaftliche, das passiere und wie die Menschen darauf reagieren. Mordszenen, die könne er schlecht beschreiben. Im ersten Buch habe er den Mord bis zum Schluss ausgelassen. Er habe die ganze Nacht schlecht geschlafen, weil er gewusst habe: „Morgen muss ich den Mord begehen“.

Maria Bastian-Erll dankte abschließend dem Autor mit einem Präsent für die Lesung, bevor die begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer Schlange standen, um sich die erworbenen Bücher signieren zu lassen. (ma)


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