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Nachricht vom 28.08.2020    

Fast 6600 Unterschriften gegen Schließung der BDZ Wissen

Zum 30. Juni hat die Bereitschaftsdienstzentrale (BDZ) Wissen im St. Antonius-Krankenhaus geschlossen - begleitet von Protest. Denn die von der Kassenärztlichen Vereinigung getragene Einrichtung versorgte erkrankte Patienten am Wochenende oder an Feiertagen, wenn die Hausarztpraxen geschlossen sind.

Übergabe der Unterschriften in Mainz
v. links: Bürgermeister Berno Neuhoff, Dr. Michael Theis (Internist, Obmann der Kreisärzteschaft, Landrat Dr. Peter Enders (Foto: VG-Verwaltung)

Wissen/Mainz. Die Hausärzte vor Ort hatten sich an den Kosten der Wissener Bereitschaftsdienstzentrale beteiligt. Das BDZ Wissen funktionierte gut, so die Verbandsgemeinde Wissen. Doch die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz hat aufgrund des Ärztemangels und mit Blick auf die fehlende Wirtschaftlichkeit drei Standorte im Land Rheinland-Pfalz geschlossen, einen davon in Wissen.

Stadt, Verbandsgemeinde Wissen, Ärztenetzwerk Hamm–Wissen e.V. und die niedergelassenen Hausärzte, Seniorenheime, Apotheken und Firmen hatten wegen der Schließung der Bereitschaftsdienstzentrale genau 6570 Unterschriften in wenigen Wochen vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie gesammelt, die dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung, Dr. Peter Heinz von Landrat Dr. Peter Enders, Stadt- und Verbandsgemeindebürgermeister Berno Neuhoff und dem Obmann der Kreisärzteschaft und niedergelassenem Internist in Wissen, Dr. Michael Theis , in Mainz erst kürzlich bei der KV persönlich übergeben werden konnte.

Es mangelt an Landärzten
Der KV-Vorsitzende stellte heraus, dass die Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Rheinland-Pfalz Vorteile bringe und es nun mal an Landärzten mangele. Landrat Dr. Peter Enders dazu: „Wissen hat vor Jahren den Krankenhausstandort verloren und die Bereitschaftsdienstzentrale Wissen war eine der ersten im Land und Antwort darauf und hat sehr gute Arbeit geleistet. Ich bedaure das sehr. Nun müssen die Patienten nach Altenkirchen und Kirchen fahren und gerade nachts wird es merklich länger dauern. Es ist für Kreismitte ein Nachteil, da das BDZ auch Menschen aus den Verbandsgemeinden Wissen und Hamm gut und zeitnah versorgte.“

Dr. Michael Theis fügt hinzu: „Für uns ist das ein herber Verlust, der letztlich von den niedergelassenen Ärzten aufgefangen werden muss, die jetzt schon an der Belastungsgrenze sind und keine Kapazitäten mehr frei haben. Gerade für Patienten in Seniorenheimen oder Akut-Kranke war das wichtig und jetzt wird der Notarzt häufiger nachts ausrücken, der dann an anderer Stelle fehlt. Chronisch kranke Menschen in unseren drei Seniorenheimen müssen jetzt von Kirchen und Altenkirchen und bald von einer zentralen Fahrbereitschaft versorgt werden.“




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Stadt- und Verbandsbürgermeister Berno Neuhoff: „Ich beobachte die Gesamtentwicklung in Wissen wie anderenorts auf dem Land mit großer Sorge. Unsere Ärzte sind am Limit, zwei Hausarztpraxen sind geschlossen worden ohne Nachfolge. Die Hausärzte sind voll ausgelastet oder überaltert und gehen in den Ruhestand. Ich erwarte von Politik und Kassenärztlicher Vereinigung, die für die Versorgung zuständig ist, dass es einen Plan gibt, wie man die Patienten versorgt. Dazu müssen natürlich freie Arztsitze in Wissen bleiben und moderne Strukturen aufgebaut werden. Die Perspektive zu finden mit uns ist Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung, der Ärzte und der Politik. Dazu werde ich in Kürze die Hausärzte vor Ort zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung zu einem weiteren Gespräch einladen. Ich warne aber vor überzogenen Hoffnungen. Die Menschen müssen versorgt sein, wir müssen uns an andere Angebote gewöhnen.“

Kein Patentrezept für den Nachwuchs
Landrat Dr. Enders, Dr. Theis und Neuhoff sind sich einig, dass es auch für Wissen kein Patentrezept für den Nachwuchs gibt. Im Wisserland sind die Hausärzte im vorgerückten Alter. Problematisch ist, dass alle Sitze in der VG Wissen zur Zeit besetzt sind, aber dennoch gibt es Grund zur Hoffnung und interessierte junge Ärzte. Stadt - und Verbandsgemeinde können weder ein MVZ betreiben, noch Ärzte einstellen als hochverschuldete Kommune, aber für gute Rahmenbedingungen sorgen.

Neuhoff: „Ich finde, für Wissen wäre ein Ärztehaus mit mehreren selbstständigen Haus- und/oder Fachärzten unter einem Dach, von Investoren finanziert, eine gute Lösung“. Das funktioniere aber nur, wenn die Hausärzte vor Ort mitmachen. Diese sind Inhaber der Kassensitze. „Wir setzen auf die Aussage des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung, dass wir den Dialog im Wissen fortsetzen gemeinsam mit den Hausärzten und es bald zu einem Treffen kommt“, erklären Enders und Neuhoff gemeinsam. Neuhoff will dazu auch den Landrat und Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler um Hilfe bitten. „Ich will in Wissen keine Situation wie in anderen Gemeinden, weiß aber, dass es schwer wird. Wir brauchen einen klaren Plan, wo die Leute anrufen und einen Plan der KV.“ (PM)


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