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Nachricht vom 28.08.2020    

Agieren statt reagieren: Corona-Ambulanz öffnet in Gebhardshain

Die Corona-Ambulanz ist eingerichtet, die Schilder sind angebracht: Am Montag, 31. August, öffnet die Corona-Ambulanz der Gebhardshainer Gemeinschaftspraxis erstmals ihre Pforten im Bürgerforum. Bei einem Pressegespräch stellte das Praxisteam – eine Medizinerin und drei Mediziner – der Gemeinschaftspraxis ihre Intention vor. „Es ist gut, wenn man agieren kann und nicht reagieren muss“, unterstrich Dr. Erik Becker. Deshalb machte man sich bereits in den Sommerferien Gedanken – und stellte nun die Lösung vor.

Die Coronaambulanz ist eingerichtet und wird Ende August eröffnet. Mit den Vertretern des Praxisteams stellten sich Ortsbürgermeister Jürgen Giehl und Landrat Dr. Peter Enders dem Fotografen. Foto: (tt)

Gebhardshain. Um es vorwegzunehmen: Patientinnen und Patienten, die Krankheitszeichen tragen, kommen in der Gebhardshainer Gemeinschaftspraxis schon seit Beginn der Pandemie nicht mit denjenigen zusammen, die vielleicht aufgrund von Rückenschmerzen, Herzerkrankung oder einem anderen Leiden die Praxis aufsuchen, berichtete Dr. Klaus Kohlhas. Strikt wird getrennt. So gibt es zum Beispiel zwei Wartezimmer, um dem Hygieneschutz zu erfüllen. Ebenso Abtrennungen mit Plexiglas in der Praxis - und natürlich Mund-Nase-Schutz. „Nur wenn die Zahlen steigen sollten, wovon wir ausgehen“, sagte Dr. Erik Becker, werde es schwieriger. Aus diesem Grund suchte man in den Sommerferien nach einer Lösung, die man mit dem Bürgerforum gefunden hat. Dankenswerter Weise hätten Ortsgemeinde Gebhardshain und Ortsbürgermeister Jürgen Giehl Räumlichkeiten in dem gemeindeeigenen Gebäude zur Verfügung gestellt, erkannte Kohlhas dankend an.

Das Problem sei es, dass erfahrungsgemäß im Oktober und November sowie im Februar und März die Infektzahlen ansteigen würden, erläuterte Becker und nannte das Stichwort grippale Symptome. Es könne sich um einen banalen Infekt oder um Corona handeln. Allein aufgrund der Erkältungswelle kann es so zu einer höheren Zahl an Patientinnen und Patienten kommen. Und eine möglich höhere Patientenzahl möchte man vernünftig händeln. Wer nun Symptome wie Husten, Schnupfen oder Heiserkeit hat, soll künftig in der Corona-Ambulanz im Bürgerforum vorstellig und behandelt werden: „Bei Beschwerden an den oberen Atemwege“, ergänzte Kohlhas.

Patienten anderer Hausärzte versorgen
Vornehmlich werden die Patientinnen und Patienten der Gebhardshainer Gemeinschaftspraxis im Bürgerforum behandelt. Freie Kapazitäten werden dafür genutzt, um Patientinnen und Patienten anderer Hausärztinnen und Hausärzte, die selbst zum Beispiel nicht über räumliche Möglichkeiten verfügen, mit einem Termin zu versorgen. Apropos Termin: Ad-hoc am Bürgerforum anklopfen und auf Einlass beziehungsweise einen Termin zu hoffen, das wird keinen Erfolg haben. Termine werden grundsätzlich nur nach telefonischer Kontaktaufnahme vergeben – unter der Telefonnummer 0151/72966497. Man werde nicht für den ganzen Landkreis Altenkirchen die Arbeit übernehmen, machte das medizinische Praxisteam einmütig deutlich. Man hofft, dass auch viele Kolleginnen und Kollegen hier unterstützen. Denn: „Die Infektzahlen werden hoch gehen.“

Die urärztliche Aufgabe sei es, Patientinnen und Patienten mit einem Infekt zu behandeln, sagte Kohlhas. In Gebhardshain geschieht dies ab Montag, 31. August, im Bürgerforum. Das geschieht relativ einfach: Bei der telefonisch Anmeldung wird ein Termin vergeben. In die Corona-Ambulanz – zum entsprechenden Termin - gelangen die Menschen über den Seiteneingang des Bürgerforums. Hier werden sie in Empfang genommen. Im Einbahn-Prinzip geht es durch die Räumlichkeiten - bis in den Behandlungsraum. Hier wird behandelt und zum Beispiel auch ein Abstrich genommen, natürlich auf freiwilliger Basis. Vom Behandlungszimmer aus geht es über die Haupteingangstür wieder ins Freie. Motivation für die Einrichtung seien steigende Zahlen; eine saisonale Häufung, hieß es. „Wir würden auch Reiserückkehrerinnen und Reiserückkehrer testen“, sagte Becker. Auch den einmaligen Test von Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrerinnen und Lehrern, was bis 15. September möglich sei, würde man vornehmen, informierte das Medizinerteam – nach Absprache, wie bei Reiserückkehrern. Wichtig sei es anzurufen, um die Kapazitäten verteilen zu können, betonte Internistin Dr. Isabelle Hornburg, die mit Dr. Erik Becker die Corona-Ambulanz betreuen wird. Diese ist montags bis donnerstags von 11.30 bis 13 Uhr geöffnet.



Helfen, wo man helfen kann
Man habe direkt die Idee gehabt, alles im Bürgerforum einzurichten und anzubieten, hieß es. „Für mich gab es kein Überlegen“, sagte Ortsbürgermeister Jürgen Giehl: „Wo wir helfen können, da helfen wir.“ Man sei froh, die Gebhardshainer Gemeinschaftspraxis im Ort zu haben. Vom Landkreistag weg war Landrat Dr. Peter Enders zum Pressegespräch nach Gebhardshain gekommen. Er dankte der Gemeinschaftspraxis für die Eigeninitiative. Er sprach von einem gewissen Dilemma, dass man diskutiere. Laut dem Bundesgesetzblatt seien die niedergelassenen Ärzte zuständig. Wenn die Umsetzung mit großen Schwierigkeiten verbunden sei, müsse man gemeinsam nach Lösungen suchen. Er zeigte sich froh, dass mit dem Modell in Gebhardshain ein Beitrag geleistet wird. Am Anfang der Pandemie habe man Fieberambulanzen in Kirchen und Altenkirchen für Menschen mit Symptomen eingerichtet. Langfristig hätte dies die Arbeit der Krankenhäuser beeinträchtigt. Es seien Corona-Ambulanzen eröffnet worden, besonders in der Verbandsgemeinde Kirchen, um Patientinnen und Patienten, die positiv waren, zu begleiten.

Er erwähnte auch, dass dann alle Reiserückkehrer getestet werden sollten, was zu Kapazitätsengpässen führte. Viele Unklarheiten in der Bevölkerung habe es gegeben, wer zuständig sei. Probleme könne man nur gemeinsam lösen, betonte der Landrat. Hier hätten die Menschen die Möglichkeit, sich testen lassen zu können. Dafür zeigte er sich dankbar – und dafür sei ab Montag, 31. August, grünes Licht gegeben worden. „Ich bin froh über jeden, der sich am System beteiligt“, sagte Enders. Entlaste dies doch denjenigen, der keine Räume habe. „Unser Problem ist es“, sagte der Landrat, dass man unterschiedliche Praxisgeometrien und Ausstattungen habe. Nicht jede Lösung passt – aber: „Wichtig ist es, eine Lösung zu haben.“

Kapazitäten für die Erkältungszeit
Beim Höhepunkt im März und April habe man schon eine gewisse Unsicherheit bei den Menschen bemerkt, blickte Hornburg zurück. Dies habe sich in den vergangenen Wochen relativiert. Man wisse nicht, wie es sich bei wieder steigenden Zahlen verhalten werde. Mit der Einrichtung einer Corona-Ambulanz im Bürgerforum wurden nun Kapazitäten für die Erkältungszeit mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit geschaffen. Es sei eine dynamische Entwicklung, wurde bei dem Pressegespräch herausgestellt. So müsse man sehen, ob zum Beispiel die Öffnungszeiten der Einrichtung ausgedehnt werden müssten. Mit Blick auf die Erkältungswelle warb Sanitätsrat Dr. Michael Fink dafür, sich gegen Influenza und bakterielle Lungenentzündung impfen zu lassen: „Menschen über 60 Jahren und diejenigen, die viel mit Menschen zu tun haben“, sagte der Mediziner und propagierte dafür, diese Vorsorge wahrzunehmen: „Bei Influenza und Corona gleichzeitig wird es doppelt ungünstig.“ Seine Praxiskollegin Hornburg berichtete, dass die Impfbereitschaft steige und mehr nachgefragt werde. Bei entsprechenden Symptomen könne sich jeder testen lassen, sagte Kohlhas. „Unser Labor“, sagte Fink, liefere nach 48 Stunden ein Ergebnis. (tt)




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