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Nachricht vom 26.08.2010    

Nachfahren von Zwangsarbeiter besuchten Grab in Betzdorf

Er war Zwangsarbeiter in Betzdorf und kam bei einem Luftangriff um. Erst im Januar erfuhr seine Famlie in Italien, wo Vasco Gherardi seine letzte Ruhe gefunden hat. Jetzt konnten seine Nachfahren mit Hilfe des BGV seine Grabstätte besuchen.

Betzdorf. 65 Jahre wusste die Familie Gherardi aus San Possidonio bei Modena nicht, wo ihr Vater beerdigt war. Bekannt war nur, dass Vasco Gherardi in Kriegszeiten in Deutschland gewesen war. Nach der Absetzung des italienischen Diktators Benito Mussolini war die Achse Berlin/Rom beendet und auch die bisher Verbündeten Italiener wurden Kriegsgefangene oder als Zwangsarbeiter eingesetzt.
Im Januar 2010 teilte der Familie das Außenministerium in Rom mit, dass Vasco Gherardi in Betzdorf umgekommen und hier auf dem Friedhof beerdigt sei. Da keimte der Gedanken, diesen Ort und das Grab mal zu besuchen. Die Familie nahm Kontakt mit dem Betzdorfer Geschichte e.V. auf und der Vorsitzende Ernst-Helmut Zöllner erklärte sich bereit, den italienischen Gästen das Grab zu zeigen. In dieser Woche kamen nun drei Generationen Gherardi nach Betzdorf und besuchten das Grab. Sprachlich perfekt vom Betzdorfer Italiener Carlo Grifone begleitet standen die Drei, Sohn Gianfranco, Enkel Vasco und Urenkel Nicolo am Grab des Getöteten. Er liegt mit sechs weiteren Ausländern, wahrscheinlich Zwangsarbeiter, in einem Sammelgrab des Friedenhains, nachdem alle bei den Bombenangriffen auf Betzdorf getötet worden waren. Es sei anzunehmen, das Vasco Gherardi bei der Fa. Patt & Dilthey gearbeitet und in der Baracke auf dem Schützenplatz gewohnt habe, wusste Vorsitzender Zöllner zu berichten. Bei dieser Firma hätten neben Franzosen und Russen auch Italiener gearbeitet.
Dankbar äußerten sich die italienischen Gäste über die Pflege der Kriegsgräber im Friedenhain und dass ihr Vorfahre mit seinem Namen auf einem Grabstein zu finden war. Hierbei ist auf dem Stein zwar das G des Nachnamens mit einem C verwechselt worden, aber dies sei nicht so schlimm, sagte Enkel Vasco. Sie würden mit einem guten Gefühl zurück nach Italien fahren. Im Namen seiner Gemeinde mit 3800 Einwohnern überreichte er als Gastgeschenk an die Stadt Betzdorf eine Zeichnung des Marktes von San Possidonio. Zöllner wechselte daher kurz seine Rolle und dankte Enkel Vasco Gherardi im Namen des Betzdorfer Bürgermeisters. Er überreichte der Familie als Stadtgeschenk einen Bildband "Betzdorf - wie es früher einmal war...". in dem auch die Geschichte der Firma Patt & Dilthey geschildert ist, wahrscheinlich die Zwangsarbeitsstätte. Urenkel Nicolo darf sich im Quartettspielen mit dem Spiel "Amt Betzdorf" üben.
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Die italienische Familie Gherardi hatte im Januar erstmals erfahren, dass ihr Vorfahre Vasco Gherardi in Betzdorf beerdigt sei und besuchten nun das Grab. Von rechts: Urenkel Nicolo Gherardi, Sohn Gianfranco Gherardi und Enkel Vasco Gherardi, Stadtratsmitglied Carlo Grifone und BGV-Vorsitzender Ernst-Helmut Zöllner. Foto: BGV


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