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Nachricht vom 11.09.2007    

Druck in Sachen Kulturhalle

"Wir müssen klare Fronten haben - und das schnell." Das sagte Ulrich Brucherseifer am Dienstagmorgen, als es um den Bau einer Multi-Funktionshalle (Kulturhalle) in Wissen ging. Die Befürworter hatten zur Pressekonferenz eingeladen und nahmen zur teilweise bizarren Diskussion der vergangenen Wochen Stellung - und legten (endlich) Zahlen auf den Tisch. Die sollen auch den letzten Stammtischbruder nun überzeugen, dass die Verbandsgemeinde Wissen diese Halle braucht und dass sie, wie geplant, realisierbar ist und zwar bald. Unter der Regie der Verbandsgemeinde und nicht, wie es die SPD neuerdings will, unter der der Stadt.

halle brucherseifer

Wissen. Am Scheidepunkt des Weges sah Bürgermeister Michael Wagener, zugleich auch (noch) Vorsitzender des KulturWERKswissen, die Debatte angelangt, was die Multi-Funktionshalle in Wissen auf dem alten Hoesch-Gelände - jetzt Spedition Brucherseifer - betrifft. Es geht um die ehemalige Ausbildungs- und Reparaturwerkstatt (Halle 5) des ehemaligen Walzwerkes, die in Zukunft zu einer Stätte der Kultur werden soll.
Erst kürzlich hatte sich die SPD mehr oder weniger vom Plan verabschiedet, dass diese Halle in Trägerschaft der Verbandsgemeinde - wegen ihrer überregionalen Bedeutung - geführt werden sollte. Die Stadt, so die Sozialdemokraten, müsse die Halle übernehmen. Dies lehnt die Mehrheit in den Räten wie auch auch das kulturWERK ab.
Michael Wagener sagte: "Wir wollen diese Halle, wir wollen keinen Streit, der dieses Projekt gefährden würde." Er wies Kritik zurück, die mit diesem Projekt befassten Gremien seien von ihm und der Verwaltung nicht immer zeitig über den Stand der Dinge unterrichtet worden. Deshalb sei die angezettelte Diskussion völlig unverständlich. Allerdings gestand Wagener ein, man hätte vielleicht früher die Öffentlichkeit über die Kosten und das genaue Prozedere unterrichten sollen, auch wenn die Räte und die Ausschüsse jederzeit auf dem neuesten Stand gewesen seien.
Wagener lobte die Familie Brucherseifer, die sich seit dem Jahre 2002 "mit uns auf diesen Weg begeben hat" und auch heute noch zu ihrem Wort stehe. Allerdings, so auch Ulrich Brucherseifer, müsse nun endlich gehandelt werden. Noch bis zum Winter müsse das Dach dicht sein. Entsprechender Handlungsbedarf liegt also vor. Da sind Querschüsse nur noch schädlich, waren sich die Anwesenden, neben Wagener und dem 2. Vorsitzenden des kulturWERKs, Berno Neuhoff, Geschäftsführer Michael Stahl und Georg Mombour vom Arbeitskreis Kultur Zukunftsschmiede Wissen der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im VG-Rat, Claus Behner, der Fraktionsvorsitzende der FWG im VG-Rat, Hubert Wagner, der Fraktionschef der CDU im Stadtrat, Bernd Jäger, und Rainer Schneider von der FWG-Fraktion im Stadtrat, einig. Komplettiert wurde die Runde von Ernst Dornhoff, Bürgermeister von Katzwinkel.
Wagener würdigte den Einsatz von Berno Neuhoff, "dem Ideengeber der Zukunftsschmiede". Mit vielen anderen habe er in den vergangenen sieben Jahren dazu beigetragen, dass sich Menschen für die Verbandsgemeinde einsetzten und bereit seien, bei diesem Kulturprojekt mitzuarbeiten. So habe Neuhoff auch einen immensen Anteil an dem Vorhaben Kulturhalle, es immer wieder vorangetrieben.
Wagener sagte, eine andere Meinung zur Multi-Funktionshalle sei legitim. Aber es müsse mit offenen Karten gespielt werden. Es nütze niemandem, wenn falsche Behauptungen in Umlauf gebracht würden.
Berno Neuhoff sagte, es müsse nun darum gehen, die Idee Multi-Funktionshalle zu retten. "Was jetzt getrieben wird auf dem Rücken der Ehrenamtlichen, ist schlimm. Wir lassen uns das nicht kaputt machen", wurde der kulturWERK-Macher emotional. Dass man seriös arbeite, zeige allein schon die Tatsache, dass inzwischen schon 72 Anfragen zur Nutzung der Halle vorläge. Dies habe eine Umfrage ergeben.
Ulrich Brucherseifer sagte, er sei erschüttert, dass seit diesem Jahr sich nichts mehr bewegt habe. Es müsse schlimm sein, wenn ehrenamtliche Arbeit auf die Weise, wie jetzt geschehen, hintertrieben werde. Brucherseifer meinte damit die Gerüchte und Spekulationen, die über Mieten und Kosten für die Halle in Umlauf sind. Brucherseifer wies darauf hin, dass nun unbedingt etwas geschehen müsse. Bis zum Winter müsse das Dach saniert sein. So günstig, so der Unternehmer, werde die Verbandsgemeinde nie mehr an eine Halle kommen. Brucherseifer: "Wir müssen klare Fakten haben und das schnell."
Georg Mombour vom Arbeitskreis Kultur und auch Leiter des Wissener Gymnasiums, berichtete, dass die Kulturhalle vor allem auch bei den Jugendlichen gut ankomme. Sie fragten: "Wann kommt die Kulturhalle?" und seien entsetzt über den Streit. Anderswo, so Mombour, würden sich viele die Finger lecken nach solch einer Halle für Jung und Alt - einem Mehrgenerationentreffpunkt. Mombour: "Wir sind noch immer motiviert. Wir brauchen die Multi-Funktionshalle."
Auch Michael Stahl schlug in diese Kerbe: Die Halle sei wichtig, um Wissen attraktiv zu halten, wichtig vor allem für Leute, "deren Horizont übers abendliche Fernsehen hinausgeht." Berno Neuhoff stimmte dem zu: "Wir müssen die Lufthoheit über die Stammtische zurückgewinnen", zumal hinter diesem Projekt eine hohe kommunale Verantwortung stehe. Und was die Kosten betrifft, so habe man nun konkrete Zahlen auf den Tisch gelegt (siehe auch Tabelle).
Und das sind die berechneten Kosten für die Halle, für die an Ausstattung nur das Nötigste vorgesehen ist (Toilletten, Lüftung, Heizung, Bühne (der Stadt Wissen) und Stühle aus vorhandenem Bestand, kleine Nebenräume): Gegenüber dem ursprünglichem Modell mit Restaurationsbetrieb durch einen privaten Investor wurden so schon 800000 Euro eingespart. Die jetzigen Kosten werden nach diesen Berechnungen unter 1,5 Millionen Euro bleiben. Der jährliche Kostenanteil der Verbandsgemeinde beläuft sich nach den aktuellen Plänen auf einen Betrag zwischen 65000 Euro (netto - günstigster Fall) und 81000 Euro (brutto - ungünstigster Fall). Danach kostet die Halle etwa 0,93 Prozent des Verwaltungshaushaltes, nach den jetzigen Berechnungen. Der genaue Preis kann nach der Einrechung der Faktoren Miete, Steuerverrechnung und Landeszuschuss entsprechend variieren. Je mehr Nutzungen pro Jahr hinzukommen, umso mehr würde sich auch der Kostenanteil der Verbandsgemeinde senken. Fließen die 160000 Euro an erhofftem Landeszuschuss, so sinkt der Kostenfaktor entsprechend. Was noch dazukommt, sind allerdings die Kosten für das Hallenmanagement. Die Vertreter der CDU und der FWG gaben zu verstehen, dass man sich für eine Miete bei Vereinen einsetzen will, die auch bezahlbar ist.
Neben dem jährlichen Anteil beteiligt sich nach den Plänen die Verbandsgemeinde mit einmalig 400000 Euro an den Umbaukosten. Der Förderverein kulturWERKwissen zahlt einmalig 70000 Euro und in weiteren zehn Jahren 50000 Euro, insgesamt 120000 Euro. Vom Land Rheinland-Pfalz wird ein Zuschuss aus dem Investitionsstock von 160000 Euro erwartet.
Diese Beträge, so Bürgermeister Wagener, seien allen Verantwortlichen bekannt gewesen. Jede Gemeinde wisse, was auf sie zukomme. Vielleicht, so Wagener, hätte man diese Zahlen früher veröffentlichen sollen, aber: "Es ist alles geordnet verlaufen."
Claus Behner (CDU-Fraktion im VG-Rat) verurteilte in seiner Stellungnahme die "plumpe Meinungsmache" der SPD-Führung "in den Dörfern und in der Stadt". Behner sprach von Unwahrheiten und Halbwahrheiten, die verbreitet würden und zwar wider besseres Wissen. So sei ein unverantwortlicher "Vertrauenschaden" in der Bevölkerung entstanden. Auch einzelne Ortsbürgermeister hätten sich dieser Stimmungsmache leider angeschlossen. Behner sagte, von der Multi-Funktionshalle würden alle etwas haben. Die jetzige Diskussion über die Trägerschaft werde zur falschen Zeit geführt. Scharf kritisierte Behner einen aktuell von der Stadtratsfraktion der SPD gestellten Antrag zur Trägerschaft. Die CDU und die FWG haben nach Behners Information beantragt, die Umbauarbeiten für die Halle sofort zu beginnen.
Hubert Wagner (FWG-VG-Fraktion) sagte, es gehe bei dieser Debatte auch um die "Zunkunft des Wisserlandes". Die Halle sei ein Mosaikstein in der Gestaltung dieser Zukunft. Die Halle werde eine Plattform bieten für Kultur, aber auch für die Wirtschaft und die Vereine, Verbände, Ausstellungen und nicht zuletzt für die Jugend. Wagner zeigte sich verwundert über die Diskussion. Die habe es bei ähnlichen Projekten wie Schwimmbäder oder Sportplätze schließlich auch nicht gegeben. Sie sei ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich um ein Vorankommen für die Verbandsgemeinde bemühten. Auch in der FWG gebe es einige kritische Stimmen, gestand Wagner ein, aber die große Mehrheit sei dafür und deshalb "müssen wir jetzt schnell zu Potte kommen."
Ernst Dornhoff (Ortsbürgermeister von Katzwinkel) hält die ganze neue Diskussion für einen "unglaublichen Vorgang". Der Souverän, nämlich der VG-Rat, habe eine Entscheidung getroffen, und es sei zugestimmt worden. Jetzt nachzukarten und die Beschlüsse wieder in Frage zu stellen, sei schlechter politischer Stil, sagte Dornhoff. Die Kulturarbeit in den Gemeinden werde durch die neue Halle nicht berührt, aber Kultur dürfe auch nicht an den Ortsgrenzen enden. Dornhoff: "Kirchtumsdenken ist in der heutigen Zeit nicht mehr angesagt."
Bernd Jäger (CDU) bedauerte ebenfalls die angefachte Diskussion. Er erinnerte daran, dass sich bei der jetzigen Variante die Stadt mit fast 62 Prozent an den Kosten beteilige und damit der größte Finanzier sei. Der Haupt- und Finanzausschuss habe schon 2005 beschlossen, dass sich die Stadt zusätzlich durch die Stellung der Bühne und den Bau der notwendigen Verbindungsstraße, die etwa sieben Millionen Euro kosten wird, beteiligen werde. Deshalb sei es nicht zu verstehen, dass die Stadt als der alleinige Träger der Multi-Funktionshalle auftreten soll. Jäger forderte den SPD-Landtagsabgeordneten Thorsten Wehner auf, sich beim Land für den Zuschuss von 160000 Euro einzusetzen.
Rainer Schneider (FWG) sagte, die überwiegende Mehrheit aller Beteiligten sei für den Bau der Halle in Trägerschaft der Verbandsgemeinde: "Herr Brucherseifer kann das Dach bestellen."
Abschließend schlug Bürgermeister Wagener versöhnliche Töne an. Vor sechs Jahren habe man in Sachen Regio-Bahnhof vor einer sehr viel schwereren Situation gestanden: "Da waren wir in der Nähe des Scheiterns." Dann aber habe man - über alle Parteigrenzen hinweg - die Chance ergriffen. Wagener: "Mit diesem Geist schaffen wir das hier auch. Das ist eine einmalige Chance." (rs)
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Beim Fototermin in der künftigen Multi-Funktionshalle ist Berno Neuhoff (vor den Pfützen) schon wieder besser gelaunt: Dass das Dach bald dicht ist und die Halle in trockenen Tüchern, darauf hoffen auch Ernst Dornhoff, Claus Behner, Hubert Wagner, Rainer Schneider, Michael Wagener, Ulrich Brucherseifer, Michael Stahl und Bernd Jäger (von links). Fotos: Reinhard Schmidt


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