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Nachricht vom 05.09.2010    

Seit 25 Jahren eine Bereicherung für die Region

Das Westerwälder Initiativen- und Betriebe-Netz (WIBeN) feierte am Freitag sein 25-jähriges Jubiläum. Auch in Zukunft will der Verein im Westerwald neue Impulse setzen und die Brodeinheit als Regionalwährung vorantreiben. Im Spiegelzelt auf dem Altenkirchener Schlossplatz wusste der Kabarettist Jürgen Becker sein Publikum zu begeistern.

Kabarettist Jürgen Becker brachte mit seinen Pointen das Publikum gehörig zum Lachen. Fotos: Thorben Burbach

Altenkirchen. Seit nunmehr 25 Jahren bringt das Westerwälder Initiativen- und Betriebe Netz (WIBeN) frischen Wind und innovative Ideen in den Westerwald. Mit vielen Gästen feierte der Verein am Freitag sein Jubiläum im original 20er Jahre Spiegelzelt auf dem Schlossplatz. Unzählige Angriffe auf die Lachmuskeln ließen bei den bestens aufgelegten Kabarettisten nicht lange auf sich warten. Mit gekonnten Pointen führte der Schweizer Kabarettist Bruno Egli durch das Programm. Man müsse ja heutzutage froh sein, dass man als Schweizer überhaupt noch eingeladen werde, ließ er die Zuschauer wissen, und spielte damit auf den Streit um die Herausgabe von Steuersündern an.

Auch sein Mitstreiter Jürgen Becker traf mit seinem unverkennbaren, kölschen Humor den Nerv des Publikums. Lobte der geborene Kölner zunächst noch den "Unternehmergeist" im Westerwald, so zog er ihn zum Vergnügen der Zuschauer im nächsten Moment bereits wieder ins Lächerliche. Alsbald vermutete er sogar eine Wirtschaftsflaute im Westerwald, schließlich seien die Wohnwagen am Wegesrand, die er liebevoll "Wackelbüssjer" taufte, deutlich weniger geworden. Seinem scharfsinnigen Humor entging nichts, und auch Thilo Sarrazin mit seinen populistischen Thesen zur Integration bekam sein Fett weg. So experimentierte er auf der Bühne, wer sich denn wohl am ehesten als Immigrant eigne. Eskimos, Schweden, Holländer und Kosaken wurden unter die Lupe genommen, die Lacher hatte er damit fest auf seiner Seite. Als rheinische Frohnatur nahm sich Becker auch selbst nicht allzu ernst. Denn der Mensch sei der Verlierer der Evolution, was man fabelhaft am Rheinländer sehen könne: "Er kann nichts richtig, traut sich aber alles zu", witzelte der Kabarettist. Für das begeisterte Publikum fand er zum Abschluss lobende Worte: "Ich komme immer wieder gerne in den Westerwald", sagte der bekannte Kabarettist, der in seinem Vortrag das freundschaftliche Verhältnis zum WIBeN betonte.

Draußen vor dem Spiegelzelt inszenierte Hansjörg Beck, ein Westerwälder Metal-Künstler, eine eindrucksvolle "Feierfeuer"-Kunstperformance. Mit lodernden Holzspänen und Wasserdampf setzte er seine Kunstwerke in Szene. Funken sprühten in den Altenkirchener Abendhimmel und kündigten das letzte kabarettistische Highlight des Abends an. Das Duo "Team und Struppi" alias Jasper Diedrichsen und Moritz Neumeier trat auf die Bühne und bot außerordentlich komisches wie unterhaltsames Kabarett.

WIBeN will "Brodeinheit" als regionale Währung vorantreiben
Seit 25 Jahren bringt WIBeN, dem heute mehr als 80 Betriebe angehören, immer wieder neue Ideen in den Westerwald. Eine alternative Messe zu ökologischen Themen im Jahre 1985 legte den Grundstein für den heutigen Zusammenschluss engagierter Unternehmen und Initiativen, erzählt Margit Staal, die sich seit Beginn in dem regionalen Netzwerk engagiert. Am 30. September 1989 folgte schließlich die Gründung des Vereins. Erklärtes Ziel des WiBeN ist es, "die soziale, politische und ökologische Infrastruktur der Region" zu beeinflussen, so ist es in der Satzung festgeschrieben. Stets hat man versucht, in den unterschiedlichsten Bereichen neue Maßstäbe zu setzen. Im ehemaligen Regenbogen-Kindergarten in Altenkirchen wurde bereits Ende der 1980er Jahre eine Betreuung für Kleinkinder angeboten, betont Ulli Gondorf vom Vorstand des Vereins. Der Wied-Scala in Neitersen wurde im Jahre 1988 wieder neues Leben eingehaucht sowie das heutige Kulturangebot durch das "Haus Felsenkeller" in die Wege geleitet. In seinem Handeln orientiert sich der Verein vor allem an sozialen und ökologischen Kriterien. Dafür stehen die "Neue Arbeit" in Altenkirchen, aber auch die im Verein vertretenen Landwirte, die sich einem biologischen Anbau verschrieben haben.

Zuletzt wurden Projekte wie die Naturerlebnistage, bei denen der Westerwald als Urlaubsregion positioniert wurde, oder die anstehenden Lehmbautage realisiert. Die Westerwälder Lehmbautage finden am 15. und 16. September in der Stadthalle Hachenburg statt, wo im Rahmen einer Fachtagung über die Möglichkeiten des Lehmbaus informiert wird. Auch in Zukunft will man weitere Impulse im Westerwald setzen. So soll neben dem Euro die Brodeinheit, die in Anlehnung an den Weyerbuscher Brodverein von Friedrich Wilhelm Raiffeisen entwickelt wurde, als Regionalwährung endgültig etabliert werden. "Es müssen noch mehr Unternehmen mitmachen", fordert Gondorf, denn dadurch werde die heimische Wirtschaft gestärkt. Die Regionalentwicklung habe dem Verein von Beginn an am Herzen gelegen, betonte auch Staal. Zugleich verwies sie auf die lebendige Kulturszene im Kreis, die mit der Einrichtung des "Hauses Felsenkeller" seinen Anfang genommen hatte. (Thorben Burbach)


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