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Nachricht vom 28.09.2020    

Auf den Spuren des früheren Kreisphysicus

Mediziner, Philosoph, Journalist, Historiker, Schöngeist: Wollte man das Wirken von Constantin von Schoenebeck mit wenigen Schlagworten beschreiben, so wären diese fünf ein passabler Anfang. Am 13. September jährte sich sein Todestag im Jahr 1835 zum 185. Mal.

Kreisarchivar Jacek Swiderski (links) und Landrat Dr. Peter Enders am Grabstein des früheren Kreisphysicus Constantin von Schoenebeck am Altenkirchener Gesundheitsamt. (Foto: Kreisverwaltung Altenkirchen).

Altenkirchen. Elf Jahre zuvor war Bernhard Constantin Friedrich Josef Vincenz Maria von Schoenebeck, so sein kompletter Name, von der preußischen Regierung zum königlichen Kreisphysicus und damit zum staatlichen Gesundheitsbeamten in Altenkirchen ernannt worden, wo er in der Frankfurter Straße ein Haus besaß. Sein Grabstein befindet sich heute am Altenkirchener Gesundheitsamt „In der Malzdürre“ in direkter Nachbarschaft des Kreishauses. Unter dem Familienwappen auf dem Grabstein in der Kreisstadt findet sich eine Inschrift: „Ruhe versagte man mir im Leben – mir gab sie die Mutter Erde mich bergend im Schoos. Wanderer, störe sie nicht! Dr. C. v. Sch.“ Dort begegnete der Name auch erstmals Landrat Dr. Peter Enders, der Kreisarchivar Jacek Swiderski um Unterstützung bei der weiteren Spurensuche in einer wechselvollen Biografie bat.

Kindheit und Jugend auf Gut Düsternau
Am 4. April 1760 in Johannisberg bei Windhagen geboren, wuchs von Schoenebeck nach dem Tod seiner Eltern 1761 bei seiner Großmutter Anna Katharina auf dem Rittergut Düsternau bei Peterslahr auf. „Er entstammte einer Adelsfamilie, die seit dem 16. Jahrhundert im rheinisch-westfälischen Raum bezeugt ist und eine Reihe von Gelehrten hervorbrachte. Viele von ihnen befanden sich in kurkölnischen und bergischen Diensten“, berichtet Kreisarchivar Swiderski. Das Gut Düsternau sei für lange Jahre wichtiger Bezugspunkt für Constantin geblieben, der in Linz und Köln das Gymnasium absolvierte und schließlich in der Domstadt das Studium der Medizin, Philosophie und Naturwissenschaften aufnahm. Später wechselte er nach Duisburg und wurde dort 1783 zum Doktor der Medizin promoviert. Im März 1785 heiratete er Barbara Eichhoff aus Köln, die Schwester seines Freundes Johann Peter Eichhoff.

Von Bonn in den Westerwald
In den Folgejahren erhielt er eine Anstellung als Professor für Botanik an der Bonner Akademie, wandte sich unter dem Einfluss der Aufklärung aber verstärkt den schönen Künsten und dem Journalismus zu. Er bot zwar Privatvorlesungen zur Physiologie des menschlichen Körpers an, bewegte sich aber vorwiegend in literarischen und gelehrten Kreisen, war unter anderem Herausgeber des „Bonner Intelligenzblattes“ sowie Redakteur der literarischen Zeitschrift „Ephemeriden“ und der „Niederrheinischen Monatsschrift“. 1785 wurde er in Mainz für zwei Monate inhafiert. „Grund hierfür waren nicht zuletzt seine kirchenkritischen Äußerungen“, erläutert Jacek Swiderski. 1787 kehrte er nach Gut Düsternau zurück, erhielt seine Approbation in Hachenburg und ließ sich als Arzt in Kirchen nieder. Zwar widmete er sich weiterhin den Zielen der Aufklärung, jedoch nun anonym. Literarisches und journalistisches Schaffen traten in den Hintergrund. Im gleichen Jahr wurde sein Sohn August als erstes von sieben Kindern geboren, der als Begründer der bayerischen Linie der Familie gilt.

Noch einmal im Rheinland
Während die Wirren der französischen Revolution ihre Schatten vorauswarfen und das Rheinland durch Frankreich besetzt war, arbeitete von Schoenebeck in den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts als Übersetzer beim Zivilgericht in Köln, bei der Zentralverwaltung in Aachen und als Notar des Kantons Weiden. Eine weitere Station in den Folgejahren war die französische Zentralschule in Köln, wo er sich große Verdienste um den Erhalt und Ausbau der Bibliothek machte, indem er unter anderem den Abtransport wertvollen Bibliotheksgutes nach Frankreich verhinderte. 1804 übernahm er hier eine Professur für Geschichte und alte Sprachen. Zu seinen damaligen Veröffentlichungen zählten eine Geschichte über den französischen General Moreau und ein Buch über die Obstbaumzucht. 1805 verließ er seine Kölner Wirkungsstätten und praktizierte als Arzt in Altenkirchen und Düsternau sowie, nach dem Tod seiner Frau Barbara, in Welteroth bei Eitorf. 1817 heiratete Constantin zum zweiten Mal, und zwar Margarethe Josefine Schmidt aus Hachenburg. Aus dieser Ehe stammt Wilhelm Leopold Friedrich August Achilleus, auf den die Siegener Linie der von Schoenebecks zurückgeht. Von 1824 bis zu seinem Tod war Constantin von Schoenebeck schließlich als Kreisphysicus für den damals noch jungen Landkreis in Altenkirchen tätig.

Wanderer zwischen den Welten
Landrat Enders will das Leben und Wirken von Schoenebecks würdigen: „Wir wollen dem Grabstein am Gesundheitsamt etwas mehr Prominenz geben und planen, dort ein kleines Schild mit einem QR-Code aufzuhängen. Darüber gibt es dann ausführliche Informationen zu Constantin von Schoenebeck, der ja nicht nur beruflich, sondern auch geografisch ein Wanderer zwischen den Welten war und sowohl im Rheinland als auch bei uns im Westerwald Spuren hinterlassen hat.“ Diese Informationen sollen dann auch in gedruckter Form im Gesundheitsamt und am Infopunkt des Kreishauses ausliegen. (PM)


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