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Nachricht vom 28.09.2020    

„Förderverein Nachhaltige Landwirtschaft“ wird nicht gegründet

Prägende Elemente der Landschaft im Kreis Altenkirchen sind Wald und Feld: Auf knapp 51 Prozent der Gesamtfläche von 642,4 Quadratkilometer stehen Bäume, 31,2 Prozent sind der kriselnden Landwirtschaft zugeordnet. Sie wird schon in großem Umfang promotet, so dass ein "Förderverein Nachhaltige Landwirtschaft" (vorerst) nicht gegründet wird.

Normalität beim Blick auf die landwirtschaftlich genutzten Flächen im AK-Land: Kühe & Co. genießen die letzten September-Tage im Freien. (Foto: hak)

Altenkirchen. Eine Fahrt "über die Dörfer" im AK-Land macht deutlich: Wälder und Felder sind die bestimmenden Elemente auf der Gesamtfläche von 642,4 Quadratkilometern. Die beiden Komponenten bringen es zusammen auf rund 82 Prozent (527,57 Quadratkilometer). Den größten Teil der landwirtschaftlich genutzten Fläche macht Grünland mit 131 Quadratkilometern aus. Immer mehr in den Fokus rücken die naturnahen und ökologisch arbeitenden Sparten. Dennoch wird es vorerst keinen "Förderverein Nachhaltige Landwirtschaft" auf Kreisebene geben. Die SPD zog ihren Antrag auf Gründung eines solchen Instrumentes, den sie zur Kreistagssitzung am 16. Dezember 2019 gestellt hatte, in der Zusammenkunft des Ausschusses für Demografie, Regional- und Kreisentwicklung, an den er überwiesen worden war, am späten Montagnachmittag (28. September) zurück. Unter anderem sollte der Förderverein Werbung für nachhaltiges Wirtschaften und Konsumieren machen sowie Hinweise auf Verbesserungsoptionen durch Veranstaltungen und/oder Beratung geben. Darüber hinaus hatten die Genossen Entschließungen formuliert und beispielsweise Verbraucher aufgefordert, Nachfrage- und Konsumverhalten an ökologischen Gesichtspunkten auszurichten - insbesondere dann, wenn das Haushaltbudget diese Schwerpunktsetzung zulasse.

Eine ausführliche Antwort
"Das ist eine ausführliche Antwort. Alle haben etwas davon, die sich für das Thema interessieren", begründete Bernd Becker (SPD) die Rücknahme des Antrags angesichts einer Ausarbeitung, in der die Verwaltung die Vielzahl der Initiativen beschrieben hatte, die PR für die nachhaltige und regionale Landwirtschaft machen und den Verkauf ihrer Produkte ankurbeln sollen. Als Beispiel stellte er den Altenkirchener Verein für nachhaltiges Wirtschaften heraus. Landrat Dr. Peter Enders fasste seine Eindrücke fix zusammen: "Da steht ja eine ganze Menge drin." Grundsätzlich sah er die Tür nicht komplett zugeschlagen. "Wenn Bedarf besteht, können wir das Thema auf die politische Ebene zurückholen. Die Stoffsammlung bildet eine gute Grundlage." Markus Mille, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Altenkirchen, wollte die konventionelle Landwirtschaft nicht als Buhmann in eine Ecke gestellt wissen. Jeder könne von jedem lernen. Je mehr Werbung gemacht wird, umso besser. "Ich habe nichts gegen Appelle an die Verbraucher", bezog er Stellung zu den diversen werbenden Aktionen, die in der Vorlage dargestellt wurden. Anna Neuhof (Bündnisgrüne) resümierte angesichts der Fülle der Ansätze: "Es hat sich sehr viel getan."

"Altenkirchener Erklärung"
Die Kreisgremien befassten sich bereits im Jahr 2018 intensiv mit der Lage der Landwirtschaft im AK-Land. So wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die eine (die Altenkirchener) Erklärung erarbeitete und die der Kreistag in seiner Sitzung am 11. Juni 2018 einstimmig verabschiedete. Schwerpunkte waren neben einer wirtschaftlichen, nachhaltigen und zukunftsfähigen Landwirtschaft auch die Unverzichtbarkeit sowie eine Wertschätzung und Unterstützung durch Politik, Kommunen und Bevölkerung. Ebenfalls enthielt die Darstellung einen Appell an die Landwirtschaft, Technologien und Anwendungen zur Boden- und grundwasserschonenden Bearbeitung und zur tiergerechten Haltung weiterzuentwickeln, da die Landwirtschaft eine wichtige Rolle im Vertragsnaturschutz spiele. "Eine enge und projektbezogene Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden ist wünschenswert. Die Kommunikation der Leistungen der landwirtschaftlichen Betriebe gegenüber der Öffentlichkeit ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur mit allen relevanten Akteure gelingen kann", wurde ausgeführt.

Konzept zum Leader-Projekt
Aufbauend auf diese Bekenntnisse folgte ein Konzept zum Leader-Projekt „Regionale Produkte und Direktvermarktung“. Die Initiative „Regional einkaufen“ zielt auf den direkten Austausch von Landwirt und Verbraucher, der über Medien, Homepages, Einkaufsführer oder Newsletter umfassende Informationen über regionale Einkaufsmöglichkeiten und die sich daraus ergebenden Vorteile erhält. Des Weiteren startete die Kampagne „Landwirtschaft“, die eine Aufklärung der Verbraucher entlang eines „Landwirtschaftsjahres“ verfolgt. Schon die „Kleinsten“ sollen im Rahmen eines interessanten und aufschlussreichen Programmes an das Thema „Landwirtschaft“ herangeführt werden (auf Grund der aktuellen Corona-Schutzmaßen ruht das Programm). Auch die Gemeinschaftsinitiative „Wir Westerwälder“ will das Thema „Regionale Landwirtschaft“ künftig verstärkt in den Fokus rücken und Verbraucher über Einkaufsmöglichkeiten vor Ort informieren. Die Evangelische Landjugendakademie in Altenkirchen bietet darüber hinaus Seminare zur Nachhaltigkeit in Gärten, Klimaschutzmaßnahmen und Landwirtschaft an. "Diese ganzen Initiativen zeigen, dass im Landkreis Altenkirchen für nachhaltiges Wirtschaften und Konsumieren sehr breit geworben wird", hieß es in der Analyse weiter.

Maßnahmen grundsätzlich prüfen
Vor der Aufwertung der Landschaft (Feldgehölze, Hecken und Blühstreifen, um der Artenvielfalt durch die Existenz und Vernetzung von Lebensräumen Vorschub zu leisten), wie im SPD-Antrag ebenfalls formuliert, muss aus Sicht der Verwaltung vor neuen Maßnahmen grundsätzlich zu prüfen sein, ob weitere Hecken oder Feldgehölze überhaupt den naturschutzfachlichen Zielen entsprechen würden. Auch der Bauern-und Winzerverband merkte an, dass die landwirtschaftlichen Flächen im Landkreis Altenkirchen im Vergleich zu anderen Kreisen in Rheinland-Pfalz und Deutschland, bereits ein außerordentlich hohes Maß an Feldgehölzen und Strukturelementen aufwiesen. Ob Kommunen einen Beitrag zur Aufwertung der Landschaft leisten könnten, ist aus Sicht der Verwaltung fraglich, da sich nur eine vergleichsweise geringe Anzahl landwirtschaftlicher Fläche tatsächlich im Eigentum der Gemeinden befinde. Da durch Projekte, Maßnahmen und Initiativen die im Antrag genannten Ziele des angestrebten „Fördervereins Nachhaltige Landwirtschaft“ abgedeckt würden, "stellt sich für die Verwaltung die Frage, was der Verein darüber hinaus noch zur Förderung beitragen kann", lautete das Fazit. (hak)


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