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Nachricht vom 06.09.2010    

Dem Bruder aus Muku das Augenlicht erhalten

Der evangelische Kirchenkreis Altenkirchen freut sich, dass für rund vier Wochen endlich wieder einmal Gäste aus dem afrikanischen Partnerkirchenkreis Muku (Kongo) zu Gast sein dürfen (wir berichteten). Bereits beim Kreiskirchentag Ende August hatten viele Menschen Gelegenheit die afrikanischen Gäste zu treffen und mit ihnen zu sprechen. Bei verschiedensten Gelegenheiten in Gemeinden, Gruppen und Kreisen sind die Afrikaner derzeit dabei und vertiefen so die partnerschaftliche Verbindung. Schönes "Randereignis": Bei dem Superintendenten aus Muku wurde der "Graue Star" festgestellt und durch eine Operation behoben: Große Freude bei Gästen und Gastgebern. Bewegende Momente.

Sibylle Zauder (links) hatte den richtigen „Durchblick“ und erkannte die Ursachen für die eklatante Sehschwäche des Gastes aus Muku, Superintendent Ngombera Rugombosa. Mit Hilfe ihres Mannes, eines Augenarztes, und einer Dillenburger Praxis konnte dem Gast geholfen werden. Foto: privat

Kreis Altenkirchen. Ausgesprochen gastfreundlich (in ihrer französischen Muttersprache) widmete sich Landrat Michael Lieber den Gästen aus Muku des evangelischen Kirchenkreise Altenkirchen. Er stellte den Kirchenvertretern aus dem Kongo die hiesigen kommunalen Arbeitsweisen vor, erläuterte die Besonderheiten der Region und die wirtschaftliche Entwicklung. Im Austausch mit dem Landrat kamen zudem die schwierigen Lebensbedingungen der Menschen im Gebiet um den Kivusee zur Sprache, die partnerschaftlichen Beziehungen des Landes Rheinland-Pfalz mit Ruanda und die Ideen Raiffeisens. Mit der modernen Variante der "Mikrokredite"“ werden auch in der Region Muku Menschen mit kleinen Krediten versorgt und können sich so eine Existenz aufbauen. Besonderes Interesse hatten die afrikanischen Gäste, die über ein beachtliches Geschichtswissen der deutschen Entwicklung verfügen, auch an Themen der Krankenversorgung und der sozialen Absicherungen der hiesigen Bevölkerung.
Dass insbesondere Superintendent Ngombera Rugombosa, er gehört gemeinsam mit dem ehemaligen Superintendenten Bisimwa Nkunzi und Pfarrer Byumanine Bisimwa zur Delegation, die Eindrücke beim Besuch im Kreis Altenkirchen auch im wahrsten Sinne des Wortes auch "sehen" kann, verdankt er der Aufmerksamkeit einer Betzdorferin und vieler "helfenden Hände".
Die Betzdorferin Sibylle Zauder, eine gebürtige Schweizerin, engagierte sich innerhalb des Besuchsprogramms der Delegation als Übersetzerin. Dabei fiel ihr auf, dass Superintendent Ngombera Rugombosa nicht mitsingen konnte, obwohl man eigens Liedtexte in Französisch kopiert hatte. Darauf angesprochen, erklärte ihr der Theologe, dass seine Sehkraft nicht ausreiche, um das Gedruckte aufzunehmen. Sibylle Zauder sorgte dann schnell dafür, dass ihr Ehemann Frank, ein Augenarzt, den Gast untersuchte. Dabei stellte sich heraus, dass Ngombera Rugombosa an "Grauem Star" leidet, nur noch zehn Prozent Sehfähigkeit hat und vermutlich innerhalb von Jahresfrist gänzlich erblinden würde.
Der Betzdorfer Augenarzt kennt die Problematik, dass die Erkrankung bei Afrikanern häufig in viel früheren Lebensjahren auftritt als bei Europäern und organisierte Hilfe für den kirchlichen Gast. Zauder sprach dazu die Augenarztpraxis Dr. Kaweh Schayan-Araghi in Dillenburg an.
Hier war man auch sofort bereit, unentgeltlich zu helfen. Die hessische Praxisgemeinschaft engagiert sich schon seit langem in einem Krankenhaus in Äthiopien und entsprechend kennt man die traurige Tatsache, dass die "Star-Erkrankung" viele Menschen in der dritten Welt erblinden lässt, wo man doch eigentlich so schnell und einfach durch eine Operation helfen kann.
Unter den hiesigen Bedingungen ist eine OP natürlich noch einfacher zu bewerkstelligen als bei den Einsätzen in Äthiopien und entsprechend schnell konnte dem Superintendenten aus Muku geholfen werden.
Zwei Operationen (jeweils 15 Minuten) an zwei Tagen durch Dr. Ulrich Jung von dem Dillenburger Team sorgten dafür, dass Ngombera Rugombosa innerhalb der zweiten Besuchswoche schon wieder eine Sehfähigkeit von 80 Prozent erreichen konnte. Weitere Verbesserungen werden sich, so die Experten, einstellen. Als der Verband einen Tag nach der OP in der Betzdorfer Praxis entfernt wurde und Ngombera Rugombosa erstmals seit vielen Jahren wieder "richtig sehen" konnte, fiel er vor Freude Dr. Frank Zauder um den Hals.
"So etwas von Freude habe ich selten erlebt", schildert Sibylle Zauder, die den afrikanischen Superintendenten rund die Operationen begleitete und für ihn dolmetschte. "Bei den hiesigen Patienten ist der ‚Aha-Effekt’ niemals so groß, sie werden viel früher operiert und damit gibt es ein "Vorher/Nachher" in ganz anderen Dimensionen", hat sie beobachtet.
Sie freut sich über die gelungene Aktion und die wiedererlangte Sehfähigkeit des Gastes. Froh ist sie auch, dass es weitere spontane Hilfen gab, als sich die gelungene Augen-OP herumsprach. Optik Habig aus Betzdorf steuerte noch eine kostenlose Lesebrille für den Theologen bei, die Betzdorfer Löwen-Apotheke packte ein dickes Paket mit allerlei nützlichen Medikamenten, die nun in Muku zur Behandlung von Kranken genutzt werden können. (pes)



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