Werbung

Nachricht vom 08.10.2020    

Besuch beim Zahnarzt? Da musste Raiffeisen lange suchen

Überraschend gut besucht war der zweite „Raiffeisen-Werkraum“, den der Brodverein 2019 in seinem Gasthof Zur Post in Weyerbusch veranstaltete. Das von Raiffeisenbotschafter Stephan Fürst ausgesuchte und vorgetragene Thema „Gesundheit vor 170 Jahren“ traf einen Nerv.

Stephan Fürst hatte beim Thema „Gesundheit vor 170 Jahren“ interessierte Zuhörer. (Foto: Patt)

Weyerbusch. Die Zuhörer waren gleichzeitig sozusagen ein doppeltes Premierenpublikum: Zum einen weihten sie mit ihrer Anwesenheit das gerade erst renovierte „Gesellschaftszimmer“, den kleinen Saal des Gasthofs, ein, zum anderen besuchten sie die erste Veranstaltung des Brodvereins seit dem Corona-Lockdown. Mag sein, dass gerade der letztere Umstand zu dem großen Interesse am Gesundheitswesen des 19. Jahrhunderts beitrug, jedenfalls hatte man – den Coronaregeln geschuldet – sogar Anmeldungen ablehnen müssen.

Wohin ging Raiffeisen zum Arzt? Und was machte er, wenn er Zahnschmerzen hatte? Historisch genau war das natürlich nicht zu ermitteln, doch gibt es einzelne Anhaltspunkte. So ist aufgrund eines Briefes zu vermuten, dass Friedrich Wilhelm Raiffeisen auf einer seiner Reisen einen Arzt aufsuchte, der als Begründer der modernen Augenheilkunde gilt: Albrecht von Graefe (1828-1870). Helfen konnte dieser ihm aber offenbar nicht: Bekanntlich erblindete der Genossenschaftsgründer.

Ärzte hatten im Westerwald Seltenheitswert
Der Referent machte deutlich, dass Ärzte, insbesondere Zahnärzte, sowie andere medizinische Angebote im Westerwald Seltenheitswert hatten. Generell gab es in der Mitte des 19. Jahrhunderts aber auch erwähnenswerte Fortschritte. So war der „Retter der Mütter“ genannte Arzt Ignaz Semmelweis ein Zeitgenosse Raiffeisens. Er wies den Zusammenhang zwischen Hygiene und dem „Kindbettfieber“ nach und beendete damit ein großes Sterben von Wöchnerinnen in Krankenhäusern.



Krankenhäuser waren übrigens die medizinischen Einrichtungen, von denen es im Kreis Altenkirchen damals mehr als heute gab, unter anderem auch eines in Hamm – was sogar die Anwesenden aus diesem Ort verblüffte. Wie eine heutige Klinik darf man sich diese Einrichtungen jedoch nicht vorstellen: Sie bestanden häufig nur aus mehreren Betten in einem Raum und einer Betreuung durch eine Gemeindeschwester.

Nach vielen weiteren Informationen dankte der Beifall der Besucher Stephan Fürst, der seinerseits fürs Kommen dankte und als Anregung für einen weiteren „Raiffeisen-Werkraum“ das Thema „Genossenschaften als Lösungen für die heutige Zeit“ mitnahm. (PM)


Lokales: Altenkirchen & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.



Aktuelle Artikel aus Region


Altenkirchener Frauen-Tennisturnier: Finanzielle Sorgen zu den Akten gelegt

Die Vorbereitungen liegen in den letzten Zügen: Nur noch wenige Nächte schlafen, dann beginnt das 13. ...

Rathausstürmung der Möhnen in Wirges - Widerstand war zwecklos

In Wirges haben die Möhnen am Schwerdonnerstag (12. Februar 2026) das Rathaus erfolgreich gestürmt und ...

Karneval im Jobcenter: Mittelalterliche Verwandlung in Betzdorf

Am Altweiberdonnerstag (12. Februar 2026) verwandelte sich das Jobcenter in Betzdorf in eine mittelalterliche ...

Bischof Georg Bätzing eröffnet 125-Jahr-Feier des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums kontrovers

Im Rahmen der 125-Jahr-Feier des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Betzdorf hielt der Vorsitzende der ...

Fotoausstellung in Koblenz: SOLWODI beleuchtet Gewalt gegen Frauen

In Koblenz wird eine Ausstellung der Frauenrechtsorganisation SOLWODI Deutschland im Schaufenster des ...

Vorsicht vor Ferienhaus-Betrug: Tipps für einen sicheren Urlaub

Das Landeskriminalamt und die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnen Urlauber vor betrügerischen ...

Weitere Artikel


Annegret Held liest im Kulturwerk aus ihrem Westerwald-Roman

Angeregt durch ihre Recherchen zu „Armut ist ein brennend Hemd“ geht Annegret Held mit ihrem brandneuen ...

Agentur für Arbeit Neuwied: Deutlich steigende Ausgaben

Pandemie sorgt für explosionsartigen Anstieg beim Kurzarbeitergeld. Sowohl die sich verschlechternde ...

Computer- und Handyhilfe im IT-Café erfreut sich starker Nachfrage

Die Projekt-Gruppe IT-Café (Computer- und Handyhilfe) der Ehrenamtsinitiative „Ich bin dabei“ in der ...

Vortrag zur TCM-Ernährungslehre im Prisma-Gesundheitszentrum

Am Donnerstag, den 15. Oktober startet Elke Euteneuer ihre Vortragsabende im Prisma-Gesundheitszentrum ...

Fotowettbewerb: Wer hat den schönsten Schulgarten?

„Mit der Förderung und der Beratung bei Aufbau, Gestaltung und Bepflanzung von Schulgärten wollen wir ...

Fairer Handel am Scheideweg: Die einen schuften, andere verdienen

Haus Felsenkeller, die Fair Trade Steuerungsgruppe der Stadt Altenkirchen, der Eine-Welt-Laden Altenkirchen ...

Werbung