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Nachricht vom 28.10.2020    

Abwechslungsreiche Herbst-Wanderung um Höhr-Grenzhausen

Von Helmi Tischler-Venter

Die letzte geführte Wanderung des Jahres 2020 der Touristen-Information Kannenbäcker Land startete am Hotel Heinz, von dessen Terrasse man einen weiten Blick auf die Stadt Höhr-Grenzhausen genießt. Bei schönstem Herbstwetter konnte Wanderführer Paul Schmidt so viele Wanderfreunde begrüßen, dass er – unter Hinweis auf die Corona-Hygieneregeln - zwei Gruppen bildete. Die zweite Hälfte wurde von Schmidts Frau Ursula geleitet.

Wanderführer Paul Schmidt erzählt unterwegs Historisches und Amüsantes. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Höhr-Grenzhausen. Zur Freude des erfahrenen Wanderführers kamen die meisten Menschen aus einem Umkreis von weniger als 50 Kilometern, einige Hotelgäste waren aus der Eifel, dem Odenwald und Schwetzingen angereist. Sie alle genossen die interessante Strecke und die Hintergrundinformationen dazu. So erfuhren sie, dass Höhr-Grenzhausen der Nabel der keramischen Welt ist mit einer technisch-keramischen Hochschule, einem wunderschönen kreiseigenen Keramikmuseum, international anerkannten und europaweit einzigartigen Forschungsinstituten sowie zwei Glasveredlern, deren Erzeugnisse weltweit zu finden sind.

Der Einstieg in den mehr als 8 Kilometer langen Rundwegs nahm man unterhalb des Hotelparkplatzes. Der Wäller Weg verläuft entlang des Ortsrandes durch Mischwald, er sich in seiner schönsten Herbstfärbung präsentierte. Man gelangt zu einer Brücke über die Umgehungsstraße, die wie Schmidt lästerte, nur gebaut worden sei, damit die Hillscheider auf dem Heimweg von der Arbeit nicht das Elend der Höhr-Grenzhäuser Innenstadt sehen mussten. Der Wanderweg lässt die Brücke rechts liegen und hält sich links an den Waldsaum. So gelangt man auf der ehemaligen Bahntrasse Höhr-Grenzhausen-Hillscheid, die von der Verbandsgemeinde zum Rad- und Wanderweg ausgebaut wurde, in den Naturpark Nassau.

Pünktlich brach die Sonne durch die Wolken und ließ das Laub in goldenem Farbspiel schimmern. Der gepflegte Weg führt teilweise als Hohlweg, teilweise durch Zäune gegen Absturz gesichert und wasserfest geteert, über Bäche. Die ehemalige Kreisviehweide, inzwischen in Privatbesitz, wird derzeit von Eseln beweidet.

Nach links biegt der Wanderweg auf den Limespfad, deutlich gekennzeichnet durch ein Tor. Bei Hillscheid steht weithin sichtbar der zwölf Meter hohe Limesturm 1/68, der 1994 nach der neuesten Limesforschung rekonstruiert wurde. In der Nähe hatte man Ruinen eines Kleinkastells gefunden. An der Limes-Grenze, die von Ehrenamtlichen, die an dem Limes-Projekt arbeiteten, durch steinerne Stelen gekennzeichnet wurde, teilte Paul Schmidt seine Wandergruppen wie die Römer in Kultivierte (auf römischer Seite) und Barbaren (Bärtige außerhalb des Römergebiets) ein. Die Römer hatten ihre Grenze mit Palisaden, Wall und Graben gegen übergriffige Barbaren gesichert.

Es ging auf dem Limespfad leicht bergauf, der Westerwald ist ein flaches Mittelgebirge, der nahe gelegene Köppel ist nur 540 Meter hoch, der höchste Punkt der Wanderung lediglich etwas über 370 Meter. Ein Schild weist auf ehemalige Abbaustellen von Süßwasserquarzit hin, ein anderes auf die „Worbelsheck“, im westerwälder Dialekt werden Heidelbeeren „Worbele“ genannt. Sie wurden bis Anfang des 20. Jahrhunderts gesammelt und von Frauen in Körben auf dem Kopf bis Ehrenbreitstein oder Koblenz zu Markt getragen.

Rechts des Wegs im Wald liegt der Höhr-Grenzhäuser Brunnen, der die Stadt mit köstlichem Wasser versorgt. Die gesamte Montabaurer Höhe ist Trinkwasserschutzgebiet und somit frei von Windrädern. Von dem gänzlich abgeholzten Höhenweg aus kann man bis zur gegenüberliegenden Rheinseite schauen.

Natürlich war das Leiden des Waldes Thema bei der Wanderung. Höhr-Grenzhausen als waldreiche Kommune pflegte einen großen Teil ihres Etats aus der Holzvermarktung zu gewinnen, nun muss sie – bedingt durch Klimawandel und Borkenkäfer-Kalamität große Verluste tragen. Noch stehen die Buchenwälder scheinbar prächtig da, aber auch sie weisen bereits Trockenschäden auf. Riesige Flächen sind gerodet, mächtige Holzpolder zeugen von kürzlich erfolgtem Fichteneinschlag. Auf einigen Hängen liegen vertrocknete und umgefallene Fichten wie Mikadostäbe übereinander. Es sind bereits Aufforstungen zu erkennen, die Förster versuchen mit Mischkulturen und hitzeresistenten Bäumen dem Waldverlust entgegenzuwirken. In Naturverjüngungen stehen durchaus auch kleine Fichten, deren Lebenschancen derzeit ungewiss sind.

Man passiert mehrere Schutzhütten, von denen die in den Strüthen für das Ehepaar Schmidt die bedeutsamste ist, weil seit vielen Jahren an Heiligabend die Männer mit Kindern oder Enkel zu dieser Hütte wandern, damit sie den Hausfrauen aus den Füßen sind, die währenddessen die Bescherung vorbereiten. Man trifft sich zum Schwätzen und isst und trinkt, jeder stellt etwas Leckeres hin, von dem sich alle Anwesenden bedienen können.

Da es in letzter Zeit geregnet hat, führt der Brexbach Wasser. Er ist ein 22 Kilometer langer Nebenfluss des Saynbachs. Neben seinem Geburtspunkt, dem Zusammenfluss von Hinterstem Bach und Vorderstem Bach, führt eine Holzbrücke über den Brexbach.

Wenn man den „Stern“ passiert hat, eine Wegekreuzung, die nach Hillscheid, Grenzau, Höhr-Flürchen, Bahnhof Grenzau, dem Köppel und Hilgert zeigt, steigt man in das feuchte Wasserschutzgebiet hinunter in Richtung der vier Teiche. Dass der Wanderweg dort stellenweise matschig war, nahmen die Waldfreunde im Sinne der durstigen Natur gern in Kauf.

Am „Schinderhannes-Teich“ und dem idyllischen „Schwarzen Meer“ vorbei ging es geradewegs zum Hotel Heinz hinauf, zwischen Schaf- und Pferde-Koppeln gelangte die Wandergruppe auf die weitläufige Terrasse des hundertjährigen Hotels, wo bereits Kaffee, Kuchen, Saft und Äpfel auf die Rückkehrer warteten. htv

Informationen über Wanderungen und Wege im Kannenbäcker Land finden Sie hier.


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