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Nachricht vom 23.09.2010    

“Getäuscht, hintergangen, verschaukelt”

„Wir fühlen uns getäuscht, hintergangen und verschaukelt!“. Thilo Becker, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen hielt mit seiner Enttäuschung nicht hinterm Berg. Becker nutzte die heutige Demonstration der streikenden Trelleborg-Mitarbeiter, um heftige Kritik am Verhalten des Trelleborg-Managements zu üben.

Verbandsbürgermeister Thilo Becker übte in seiner kurzen Ansprache an die Trelleborg-Belegschaft heftige Kritik am Verhalten der Geschäftsleitung des schwedischen Konzerns. (Fotos: Herbert A. Eberth)

Höhr-Grenzhausen. Unterstützt von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) waren rund 100 Teilnehmer, darunter auch Bürger aus der Stadt, mit den streikenden Trelleborg-Mitarbeitern vom Werk in der Bergstraße zum Alexanderplatz marschiert und hatten ihrer Forderung nach einem fairen Sozialplan lautstark Nachdruck verliehen.

Während Stadt und Verbandsgemeinde mit Trelleborg vor Ort über Möglichkeiten für den Erhalt des Standortes verhandelt hätten, seien gleichzeitig in Breuberg vollendete Tatsachen geschaffen worden, sagte Verbandsbürgermeister Becker in seiner kurzen Ansprache an die Demonstranten. „Ich komme mir vor wie in einem Rambo-Film“, so der Bürgermeister. Es dürfe nicht sein, dass sich nur noch Kapitalinteressen durchsetzen.

Holger Zimmermann, Bezirksleiter der IG BCE in Neuwied, teilte mit, dass er es heute zum ersten Mal geschafft habe, mit Roger Johannson, Präsident des Geschäftsbereichs Trelleborg Automotive zu telefonieren. Johannsson habe von einer „bedauerlichen Eskalation“ gesprochen. „Wenn er unseren Protest bereits als Eskalation bezeichnet – da können wir noch drauflegen“, so Zimmermanns Kommentar.



Er sei nicht der Meinung, „dass dieser Arbeitgeber jemals mit uns in Verhandlungen ein Ergebnis erreichen will“. Die Fragen der Mitarbeiter in Bezug auf einen Sozialplan seien auch nach drei Monaten „noch nicht ansatzweise beantwortet“. Dies gelte vor allem für die Frage, wie die betroffenen Mitarbeiter es verkraften sollen, dass ihnen der Arbeitsplatz weggenommen wird. „Das Ganze betrifft nicht nur das Arbeits-, sondern besonders auch das Familienleben“,so Zimmerman. Wenn der Arbeitgeber allein den Aspekt der Arbeit bewerte, dann sei dies unsozial.

Mitarbeiter und Gewerkschaft sind entschlossen, weiter zu protestieren, der Streik wurde bis Mitte nächster Woche verlängert. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Necdet Cirag betonte: „Wir bleiben solange draußen, bis ein anständiges Ergebnis erreicht ist.“


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