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Nachricht vom 10.12.2020    

So kämpfen Einzelhändler im Kreis Altenkirchen gegen Corona-Folgen

Von Daniel-David Pirker

Die lokalen Geschäfte leiden unter der Pandemie. Das wurde bei einer Gesprächsrunde der Industrie- und Handelskammer deutlich, über die wir berichteten. Doch die Ladeninhaber lassen den Kopf nicht hängen. Wie kämpfen sie um ihre Zukunft – und damit für unsere Innenstädte?

Nicole Häusler vom Modeladen "Lady Chic" in Wissen warb für Optimismus und Tatkraft. Oliver Rohrbach und Fabian Göttlich von der IHK hörten ihren Ausführungen gebannt zu. (Foto: ddp)

Wissen/Kreisgebiet. Der Ort für diese teils überraschende Talkrunde war weise gewählt von der regionalen Industrie- und Handelskammer (IHK). Das Wissener Modegeschäft „Lady Chic“ hat die Krise nicht entmutigt, sondern angespornt. Aber von vorn:

Die Einzelhändler dürfen im Gegensatz zur Gastronomie ihre Geschäfte im zweiten Lockdown zumindest bis auf Weiteres offen halten. Aber die Pandemie trifft auch sie hart, wie bei der Zusammenkunft deutlich wurde. Tatsächlich konnten die Teilnehmer nur bestätigen: Schon vor Corona standen sie vor Herausforderungen. Unter anderem die wachsende Konkurrenz durch Online-Riesen wie Amazon macht ihnen zu schaffen. Doch wenn eines deutlich wurde bei der Talkrunde war es, dass das Internet auch für kleine Händler enorme Chancen bereithält. Und folgt man den Ausführungen von Nicole Häusler von „Lady Chic“, müssen diese Chancen nur angepackt werden.

Für die engagierte Unternehmerin steht fest: Die Krise stelle auch eine Gelegenheit dar, sein Geschäftsmodell komplett neu zu erfinden und seine Komfortzone zu verlassen. Sie selbst scheint mit gutem Beispiel voranzugehen: Mittlerweile seien 80 Prozent aller Einkäufe in ihrem Modeladen auf Aktivitäten auf diversen Social-Media-Kanälen zurückzuführen. Die neuen Medien nutze sie hierzu als erweitertes Schaufenster, um die virtuelle Welt mit der realen zu verbinden. Ihre Erfahrung zeige: „Die Kunden wollen unterhalten werden.“

Aus Fans werden Kunden

Corona habe zum Ausfall ihrer normalerweise zweimal jährlich stattfindenden Modeschau geführt. Stattdessen habe sie das Ereignis auf Video für die Internetveröffentlichung aufnehmen lassen von der Agentur „GOLDMANNMEDIA“, deren Vertreter ebenfalls an der Runde teilnahmen. Eine beachtliche Anzahl Abrufen konnte sie daraufhin verbuchen.

Neben Instagram hat sie das Potenzial der Statusanzeigen von Whatsapp erkannt. Und Überraschung: Insbesondere ältere Kunden könne sie so erfolgreich ansprechen. Auch das Betzdorfer Modehaus Burghaus setzt auf die Sozialen Medien, um Kunden anzulocken. Hier ziehe man alle Register, bestätigt Inhaber Christoph Burghaus.

Wissens Citymanager Ulrich Noß unterstreicht, dass der Handel der Zukunft online und offline gesehen werden müsse. Philipp Goldmann von der Agentur, die das Video für „Lady Chic“ produziert hatte, konnte Hoffnung wecken: In ländlichen Regionen sei weniger Konkurrenz vorhanden. So könne leichter die Chance genutzt werden, aus seinem Unternehmen eine Marke zu kreieren und dies entsprechend über die Sozialen Netzwerke auszuspielen. Immerhin würden Produkte immer austauschbarer. Aus Fans im Internet würden schließlich Kunden, wie das Beispiel von „Lady Chic“ zu bestätigen scheint.

Zusammenarbeit statt Konkurrenz

„Uns läuft die Zeit davon – und damit die Innenstadt.“ Der Citymanager von Wissen, Ulrich Noß.

Der Vergangenheit gehört aus Sicht von Ladeninhaberin Häusler auch die Konkurrenz zwischen Läden an, Stichwort Vernetzung. Andrea Schupp von dem Geschäft Landpartie kann dies nur bestätigen. Ihr Laden und „Lady Chic“ unterstützen sich gegenseitig mit Hinweisen in ihren Social-Media-Posts. In früheren Zeiten sei eine solche Zusammenarbeit nie möglich gewesen, betont Christoph Burghaus. Aber jetzt habe man keine andere Wahl. Denn: Was nutze es seinem Modehaus, wenn es in Betzdorf keine anderen Einkaufsmöglichkeiten mehr gebe? Immerhin habe man in der Stadt einige „super-schöne“ Geschäfte. Ähnlich sieht das auch Nicole Häusler. Vielen Bürgern sei gar nicht bewusst, welche Produktvielfalt die heimische Geschäftslandschaft biete.



Optimismus ist das Credo der Inhaberin von „Lady Chic“. Denn die Einschränkungen für die Menschen böten auch Chancen für die heimischen Einzelhändler. So kämen beispielsweise Shoppingausflüge in größere Städte für viele potenzielle Kunden nicht infrage.

Wissens Citymanager Ulrich Noß warnt: „Uns läuft die Zeit davon – und damit die Innenstadt.“ Das Tempo für Veränderungen müsse beschleunigt werden. Deshalb begrüßt er auch ein Projekt, das die BBS Wissen mit „Lady Chic“ plant. Auszubildende im Beruf Kaufmann/-frau im E-Commerce werden die Gestaltung der Sozialen Medien als Werbeplattform in den Blick nehmen. Auch Möglichkeiten für einen zusätzlichen Verkaufskanal werden ein Thema sein.

Einzelhändler hoffen auf „Wäller Markt“

Setzen Hoffnung in den „Wäller Markt“ (von links): Christoph Burghaus (links) und Volker Hammer (Intersport Altenkirchen).

Ist eine eigene Verkaufsplattform sinnvoll? Die Gesprächsrunde setzt hier Hoffnungen in den „Wäller Markt“, der so schnell wie möglich an den Start gehen soll. Eine Genossenschaft aus Einzelhändlern, regionalen Erzeugern und Privatpersonen will mit dem digitalen Marktplatz eine regionale Alternative zu den großen Online-Händlern etablieren.

Volker Hammer von Intersport Altenkirchen war anfangs skeptisch gegenüber dem Vorhaben. Nun ist er überzeugt: Der „Wäller Markt“ wäre jetzt in der Krise wichtig für den Einzelhandel. Christoph Burghaus wirbt ebenfalls für die Initiative: „Aus der Region selbst muss ein Signal kommen.“ Sein Modehaus sei selbst daran gescheitert, eine Verkaufsplattform im Netz zu etablieren. Das Warenwirtschaftsystem sei nicht kompatibel gewesen mit dem geplanten Onlineshop. Durchaus ein übliches Problem, wenn Einzelhändler versuchen, eine eigene Online-Verkaufsplattform zu realisieren. Solange der „Wäller Markt“ noch nicht Wirklichkeit geworden ist, müssten Einzelhändler andere Möglichkeiten ausloten, ist sich Burghaus sicher. Die Zusammenkunft bei Nicole Häusler hat gezeigt: Zumindest die vertretenen Läden beweisen hier Tatkraft. So konnte IHK-Regionalgeschäftsführer Oliver Rohrbach beim Blick in die Runde „keine hängenden Köpfe“ erkennen. (ddp)


Mehr zum Thema:    Coronavirus   
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