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Nachricht vom 21.12.2020    

Klara trotzt Corona im Advent

Von dem Autoren-Duo Christiane Fuckert und Christoph Kloft gibt es in den vier Adventswochen noch einmal (jeweils wöchentlich) kurze Klara-Episoden. So können unsere Leser/innen sich während des neuen Lockdowns noch bis Weihnachten an der resoluten Limburger Pfarrhausköchin und ihrem gutmütigen Pfarrer van Kerkhof erfreuen. Dies ist die letzte Episode.

Symbolfoto

Kölbingen. Mit großen Augen verfolgte Pfarrer van Kerkhof, wie seine Haushälterin in ihren Mantel schlüpfte, sich den selbstgestrickten Schal um den Hals schlang und ihr Hütchen aufsetzte.

„Aber Klara, wo wollen Sie denn um diese Zeit noch hin? Es ist gleich halb zehn und Sie wissen doch, dass man sich um diese späte Stunde nicht mehr draußen aufhalten soll ...“ Irritiert streckte er ihr seine Armbanduhr entgegen. „Pah, späte Stunde hin oder her, ich brauche frische Luft, und unser Kater auch. Wenn Ihnen der aufgeheizte Mief hier drinnen genügt, dann bleiben Sie halt drin. Außerdem glaube ich nicht, dass bei uns hinterm Haus kontrolliert wird. - Komm, Willi, geh mal mit Frauchen raus.“

„Ach so, Sie wollen in den Garten! Sagen Sie das doch gleich, da komm ich gerne mit.“ Van Kerkhof griff nach seiner Jacke und folgte Klara durch den Hausflur ins Wohnzimmer, wo sie energisch den Griff der Terrassentür öffnete, nicht ohne ihren Chef noch einmal zurück zu ordern: „Reißverschluss zu, Mütze auf, Halstuch umbinden!“ Und während er bereitwillig kehrtmachte und ihren Anweisungen folgte, vernahm er in seinem Rücken: „Dieser Mann denkt wirklich nur von hier bis zur nächsten Kreuzung. Wenn der mich nicht hätte ...“

Zwei Minuten später schmunzelte der Pfarrer noch immer, als er neben Klara in dem kleinen Pfarrhausgarten hin und her ging.

„Jetzt passen Sie auf und treten mit Ihren Quadratlatschen unserem Willi nicht auf die kleinen Pfötchen. Es reicht, dass man uns mit all den plötzlichen Verboten auf die Füße ...“ - einen Moment lang musste Klara sich besinnen - „naja, die bremsen uns ja auch so plötzlich aus mit all den Einschränkungen. Wer konnte denn damit rechnen, Herr Pfarrer, seien Sie doch mal ehrlich! Das war doch im November schon abzusehen, dass das Corona weiter ansteigt. Warum konnten die denn nicht da schon reagieren, anstatt so kurz vor Weihnachten? Es wird so viele Leute geben, die noch arbeiten müssen und geplant haben, in den letzten Tagen vor Weihnachten in Ruhe ihre Geschenke zu besorgen. Und an die hübschen Läden in unserer Stadt darf ich gar nicht erst denken. Wir haben doch neulich abends noch gesehen, wie liebevoll all die Auslagen dekoriert sind und was für schöne Sachen angeboten werden. So sehr ins Zeug gelegt haben sich die Geschäfte nach diesem schwierigen Jahr und haben all ihre Hoffnung in die letzten Tage vor dem Fest gelegt ...“

„Das ist leider wahr“, sagte van Kerkhof, der immerzu versuchte, während der kurzen Spazierrunden entlang des Zaunes mit seiner Haushälterin Schritt zu halten und zusätzlich auf das kleine Tier zu achten, damit es nicht zwischen seine Füße geriet. „Vielleicht gehen wir nicht ganz so schnell?“, schlug er ein wenig atemlos vor.

„Strengen Sie sich mal ein bisschen an mit Ihren alten Knochen, Herr Pfarrer, die viele Stubenhockerei hat Sie ganz schön altern lassen“, erhielt er zur Antwort. Dann blieb Klara abrupt stehen und schirmte mit einer Hand ihre Augen ab. „Unseren schönen Dom kann man bei dem Nebel auch nicht sehen!“, stellte sie mit vorwurfsvollem Tonfall fest.

„Dafür kann unsere Politik nun aber wirklich nichts“, wollte van Kerkhof seine aufgebrachte Klara beschwichtigen, doch diese nahm ihren resoluten Schritt wieder auf. „Das weiß ich schon, dass unsere Politiker nichts mit dem Wetter zu tun haben, für wie dumm halten Sie mich denn?“ Sie schüttelte genervt den Kopf. „Ich merke nur, dass der alte Holländer neben mir überhaupt nicht auf den neuen Lockdingsda reagiert und alles stillschweigend akzeptiert, was hier so von einem Tag auf den anderen beschlossen wird!“

Van Kerkhof ließ sich ein paar Schritte zurückfallen und behielt seinen gleichmütigen Tonfall bei: „Vergessen wir nicht, dass bei all dem gerade auf uns als Risikogruppe Rücksicht genommen wird. We moeten door deze hele zure appel heen bijten voor het beter wordt. En ja, het wordt beter!“


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Abrupt blieb Klara stehen und drehte sich zu ihrem Chef um. „Was plappern Sie denn da jetzt wieder vor sich hin? Kaum gibt man Ihnen den kleinsten Anstoß und Sie flüchten sich in Ihre Muttersprache. Ha, ich habe aber das Wort 'Apfel' verstanden. Sie denken also schon wieder nur ans Essen!“

„Ans Essen denke ich keineswegs, meine liebe Klara. Ich zitiere den niederländischen Ministerpräsidenten, der gesagt hat: 'Wir müssen in diesen sauren Apfel beißen, damit es besser wird. Und ja, es wird besser.' In Holland haben sie nämlich jetzt auch den Lockdown.“

Was Klara im Anschluss vor sich hin grummelte, konnte er nicht verstehen, jedoch klang ihre Stimme dabei ein wenig versöhnlicher.

„Lassen Sie mich denn auch teilhaben an Ihrem Selbstgespräch?“, hakte er vorsichtig nach. „Die Schlappohren meiner Mütze verschlucken fast sämtliche Außengeräusche.“

„Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man glauben, die würden Sie auch den ganzen Tag im Haus tragen. Ich habe gesagt: Wie gut, dass wir wenigstens solche dicken VW2-Masken aus der Apotheke umsonst bekommen haben. Das ist mal eine richtig gute Sache.“

„Da stimme ich Ihnen zu, Klara, diese FFP2-Masken für die ältere Generation sind eine sinnvolle Angelegenheit“, sagte van Kerkhof mit zuckenden Mundwinkeln und fügte hinzu: „Wie wertvoll auch zu wissen, dass es den Impfstoff schon so bald geben wird. Das klingt wie ein Weihnachtsgeschenk an die Bevölkerung.“

Klara nickte überzeugt, bevor sie fragte: „Haben Sie eigentlich Ihre Geschenke schon alle besorgt? Ich habe nämlich noch nichts im Haus gefunden ...“ Sofort drückte sie sich den Handrücken auf den Mund und wurde puterrot. „Ich meine, wo doch jetzt die Geschäfte alle geschlossen sind und Sie immer allem zeitlich hinterherhinken ...“

„Oh ja, meine Liebe, ich habe alles bereits seit einer ganzen Weile beisammen. Der kluge Mann borgt vor.“ „Wenn Sie schon solche Redewendungen benutzen, dann doch wenigstens richtig. Das heißt: beugt vor. Aber wie Sie schon sagten, dabei handelt es sich ja um einen klugen Mann, und Sie ...“

„Wir wollen doch hier im Garten nicht streiten, Klara“, unterbrach van Kerkhof seine Haushälterin, die heute aus welchen Gründen auch immer spürbar schlechte Laune hatte. „Sie haben recht, Herr Pfarrer, gehen wir besser ins Haus!“

Van Kerkhof wusste, was Klara an solchen Tagen guttat: Er zündete die Kerzen auf dem Adventskranz an und wählte eine CD mit Weihnachtsliedern aus. Und wie erwartet, begann Klara nach einer Weile zu strahlen. „Ach, Herr Pfarrer, die Frohe Botschaft der Weihnacht macht doch jedes Jahr aufs Neue Mut. Wie hat Ihr holländischer Apfel-Minister noch gesagt?“

Mit einem gütigen Lächeln wiederholte van Kerkhof die Worte seines Landsmannes: „Er hat gesagt: Ja, het wordt beter.“ „Alles wird besser“, sagte nun auch Klara, „ja, bestimmt wird alles wieder gut.“ Dann lehnte sie sich zurück und sang in ihrem reinen Klara-Sopran mit: „Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr, schon ist nahe der Herr!“

Pfarrer van Kerkhof ließ sich in die Polster sinken. Unwillkürlich faltete er die Hände, während seine Augen dankbar auf der singenden Klara ruhten. Ja, auch in einer solchen Zeit durfte man die Freude nicht vergessen, die Freude nicht und vor allem die Hoffnung.

Nun wünschen Klara und Pfarrer van Kerkhof und mit ihnen die Autoren Christiane Fuckert und Christoph Kloft allen Leserinnen und Lesern des Westerwald-Kurieres ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr.
(www.christoph-kloft.de)


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