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Nachricht vom 04.01.2021    

Steinigers Küchengruß: Ein besonderes Grünkohl-Rezept

Von Uwe Steiniger

KOLUMNE | So, genug gefeiert: der Kalorienbunker ist randvoll! Aber wie jetzt wieder runter, bzw. rein in die Klamotten, ohne dass es zwickt und zwackt? Ein Vorschlag: Zum Beispiel mit Grünkohl.

Symbolbild Grünkohl. Foto: Pixabay.com

Marienthal/Seelbach. Viele werden sich jetzt verwundert die Augen reiben, wenn ich hier von Grünkohl schreibe. "Na klar, mit Speck, Schmalz und Mettwurst. Wie soll das denn gehen?!", höre ich schon in Gedanken die Zwischenrufe.

Grünkohl: Tradition und Trendfood
Nun ja, egal was Du jetzt machst, der Grünkohl geht einfach mit Dir: Er ist sicherlich Traditionsessen, aber eben auch Trendfood. Ich gebe zu, Omas Grünkohlküche war nicht mein Fall, doch zur Ehrenrettung muss man sagen, dass es damals wesentlich weniger Ernährungsprobleme und Bewegungsarmut gab. Die Leute brauchten einfach Power, für die schwere Arbeit und die kalte Jahreszeit. Gepökeltes und Geräuchertes war zudem haltbar und wurde mit dem Grünkohl ein richtiges Festtagsessen.

Von vielen auch Friesenpalme genannt, stammt der Krauskopf allerdings nicht aus dem hohen Norden, sondern aus dem Mittelmeerraum. Und so überrascht es nicht, dass er eine breite Palette an Zubereitungsmöglichkeiten mit sich bringt. Zeit, endlich einmal mit folgenden Irrtümern aufzuräumen:

- Grünkohl macht viel Arbeit und ist zeitaufwendig: Quatsch! Man rupft ihn einfach von den Rippen, schneidet ihn mundgerecht zu und das war es auch schon. Die Garzeit liegt bei rund 10 Minuten, wenn man ihn nicht zu Brei verkochen möchte. Für einen Salat ist lediglich ein kurzes Blanchieren nötig.

- Ohne Fett, viel Fleisch oder Wurst schmeckt er einfach nicht: Unsinn! Grünkohl hat eine ganz leichte Süße, verbunden mit herber Frische. Zudem gibt es verschiedene Sorten und Arten, rund um die ganze Welt.

„Mit Green Power ins neue Jahr und rund um den Globus“
Grünkohl zählt roh zu den Vitamin-C-reichsten Lebensmitteln überhaupt: 100 g enthalten 120 mg Vitamin C, zudem liefert er die Vitamine A und K, Calcium, Magnesium, Eisen, Ballaststoffe, Kalium und Omega-3-Fettsäuren.

Und so hat er selbst die USA vor rund zehn Jahren für sich gewinnen können. Kaum ein Smoothie ohne „Kale“, wie er dort genannt wird. Grünkohlchips, Grünkohl-Currys, Grünkohl-Lasagne, alles ist möglich. Ob Altenkirchen, Atlanta oder Addis Abeba, man mag ihn einfach überall. Also auf nach Afrika, genauer gesagt nach Äthiopien, dort heißt Grünkohl Gomen.



Grünkohl Rezept
750 g Grünkohl - waschen, dicke Stängel abschneiden, in mundgerechte Streifen schneiden
1 mittelgroße rote Zwiebel und 1 Knoblauchzehe - pellen und in feine Würfel schneiden
1 kleines Stück Ingwer – schälen und fein hacken
1 rote Chilischote – halbieren und von Kernen befreien und in feine Streifen schneiden
2 EL Olivenöl - in großem Topf erhitzen, Zwiebel und Knoblauch darin andünsten. Ingwer, Chili und den Grünkohl hinzufügen. Das Ganze mit 100 ml Gemüsebrühe – auffüllen. Dann rund 30 Minuten bei geschlossenem Deckel simmern lassen. Danach noch einmal aufkochen und mit
½ TL Salz, ½ TL Pfeffer und 1 TL gemahlenem Kardamom – würzen. Wer es gerne etwas sämiger hat, sollte 1/3 des gekochten Grünkohls leicht pürieren.

Dazu gibt es dann Injera, ein äthiopisches Fladenbrot, als Unterlage. Das kann ich in Ruhe bereits einen Tag zuvor vorbereiten

500 g Teffmehl - in einer Schüssel mit
800g Wasser, ½ Würfel Hefe und ½ TL Salz ordentlich verrühren.
Die homogene Masse dann über Nacht gehen lassen.

Die Masse portionsweise in heißer, beschichteter Pfanne ohne Öl ähnlich wie Pfannkuchen verteilen. Mit geschlossenem Deckel die Fladen bei mittlerer Hitze, ohne wenden rund 3 Minuten backen. Injera soll nicht kross, vielmehr schwammartig ausschauen.

Die Fladen bieten nun neben dem Gomen die geeignete Bühne für weitere Leckereien: Ob Hähnchenschenkel aus dem Backrohr, geschmortes Rindfleisch, gekochte Eier oder auch nur ein Löffel Joghurt. Der Grünkohl bleibt heute bei mir Solist, er schmeckt nicht nur als Beilage, auch als Hauptdarsteller hat er es voll drauf! "Melkam megeb -Guten Appetit!"

Machen wir einfach das Beste draus,

Euer


---

Über Uwe Steiniger
Küchenmeister Uwe Steiniger steht seit rund 35 Jahren am Herd. Nach etlichen Stationen im In- und Ausland betreibt er seit rund fünf Jahren die Klostergastronomie Marienthal. Im Westerwald zählt er zu den bekanntesten Köchen, denn neben seiner Kochkunst schätzt man seinen Ideenreichtum sowie seine lockere Art. Für die Kuriere stellt er regelmäßig seine Favoriten aus der Küche und Besonderheiten rund um gutes Essen und Trinken vor.


Mehr dazu:   Steinigers Küchengruß  
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