Werbung

Nachricht vom 08.02.2021    

Reicht Wasser im Boden schon aus? - Intelligentes Wassermanagement gefragt

Von Förster Frank Krause

GASTBEITRAG | In den vergangenen zwei Monaten gab es Schnee und Niederschläge in einer Menge, die über dem langjährigen Mittel lagen. Bäche und die Flüsse traten über die Ufer, wie schon seit Jahren nicht mehr.

Der Aubach zum Beispiel führt reichlich Wasser, aber wie sieht es im Boden aus…? Fotos: Frank Krause

Anhausen. Aber reichen diese Niederschläge aus, um die Bodenwasservorräte und auch den Grundwasserstand wieder aufzufüllen? Seit Anfang der 2000er Jahr haben wir überdurchschnittlich warme Jahre. An viel mehr Tagen als in den Jahrzehnten zuvor herrschen Temperaturen über 30 Grad Celsius. Dies führt bei gleicher Niederschlagsmenge aufgrund der höheren Verdunstungsrate zu einem Wasserdefizit. Auch haben wir aufgrund der höheren Temperaturen gegenüber dem Vergleichszeitraum 1970 bis 2000 eine um circa zwei Wochen verlängerte Vegetationsperiode, in der von den Pflanzen ebenfalls mehr Wasser verdunstet wird.

Gleichzeitig war der vergangene Winter nicht sonderlich niederschlagsreich. Es hatte keinen Schnee gegeben, der beim Abschmelzen gewöhnlich dafür sorgt, dass sich die Bodenwasservorräte wieder auffüllen.

Auf der Internetseite des Helmholtz-Instituts wird der Bodenfeuchte-Zustand dargestellt. Er zeigt wie sich die Bodenwasservorräte in Deutschland im letzten Jahr entwickelt haben und aktuell in verschiedenen Bodentiefen entwickeln. Daraus geht hervor, dass der Gesamtboden immer noch zu trocken ist.

Da sich die Situation mit dem Wassermangel sich in der Zukunft weiterhin verschärfen wird, sind alle Akteure gefragt, um zur Verbesserung der Situation beizutragen. „Nur“ neue Brunnen zu bohren, oder Wasser aus den Rheinkiesen in unsere Dörfer zu pumpen, kann keine Lösung sein. Aktives Wassermanagement aber kann zur Lösung beitragen. Ziel muss es sein, das Regenwasser zurückzuhalten, bevor es oberflächlich wegfließt, es zu speichern und möglichst wenig (Frisch-)Wasser zu verbrauchen.

Was kann man also konkret dagegen tun, um die Bodenwassersituation zu verbessern?
Privatleute sollten das Wasser zurückhalten. Dazu sollte man Zisternen anlegen oder zumindest Wasserfässer an Regenrinnen anschließen. Wenn die Fässer überlaufen, sollte man seinen Garten und seine Gartenpflanzen „verwässern“. Pro Quadratmeter Boden kann man auch nach dem vielen Regen der vergangenen Tage ruhig noch 80 Liter Wasser (!!!) ausbringen. Dieses Wasser wird in den tieferen Bodenschichten gespeichert und bei Bedarf im Sommer wieder von den Pflanzen herausgesogen. Durch diese Verdunstung im Sommer wird die Umgebung gekühlt und die Temperatur gesenkt. Dies dient nachweislich sogar der Wolkenbildung.



Landwirte können ebenfalls Wasser zurückhalten. Eine Möglichkeit ist es, die Felder permanent (auch im Winterhalbjahr) „grün“ zu halten. Dies schützt vor Abschwemmung von Boden und vor Austrocknung an windigen und sonnigen Tagen. Zugleich speichert die Vegetation mehr Wasser als ein blanker Acker. Ist über den Winter Gras eingesät worden, kann dies im Frühjahr als Heu genutzt werden (das in den vergangenen Jahren ja immer Mangelware war), und anschließend kann in das Gras weitere Feldfrüchte eingesät werden. Sofern noch gepflügt wird, könnte hangparalleles Pflügen helfen, das Wasser zu halten. Auch könnte Oberflächenwasser von Hof- und Siloflächen zur Bewässerung empfindlicher Kulturen genutzt werden.

Waldbesitzer können mehr Totholz im Wald belassen; vor allem auf großen Fichten-Käferflächen. Dies betrifft stehend abgestorbene Bäume ebenso wie liegendes (Kronen-)Holz. Das Totholz speichert Wasser und bildet Humus. Das verbleibende Kronenholz spendet Schatten und sorgt für ein Absinken der Windgeschwindigkeit und bewirkt damit eine geringere Verdunstung. Auch alte Entwässerungsgräben können zurückgebaut werden.

Wassermanagement ist eine große Herausforderung für die Zukunft. Einerseits haben wir Erosion, Hochwässer und steigende Meeresspiegel, andererseits Trockenheit und Hitze auf den Landflächen. Jeder Tropfen Wasser, der zurückgehalten wird, sei es in Zisternen oder im Boden hilft, die Situation zu verbessern. Mitmachen kann jeder. Packen wir’s an!
Förster Frank Krause


Mehr dazu:   Förster Frank Krause  
Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Alle Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       



Aktuelle Artikel aus Region


Still Collins feiert 30-jähriges Jubiläum im Kulturwerk Wissen

Im Kulturwerk Wissen wird am 25. September 2026 ein Jubiläums-Konzert stattfinden. Die Tributeband Still ...

Heimat shoppen 2026: Stärkung der Innenstädte im IHK-Bezirk Koblenz

Am Wochenende des 11. und 12. September 2026 stehen die Innenstädte im IHK-Bezirk Koblenz ganz im Zeichen ...

Rehkitz beim Mähen getötet: Amtsgericht Montabaur spricht Landwirt frei

Ein Landwirt aus dem Westerwaldkreis stand vor dem Amtsgericht Montabaur, weil er beim Mähen einer Wiese ...

Natur hautnah erleben: Exkursion der LEADER-Region Westerwald-Sieg

Die LEADER-Region Westerwald-Sieg lädt am 26. September 2026 zu einer Exkursion ein, die sich dem Thema ...

Hochwertiges Pedelec in Mudersbach gestohlen

In Mudersbach wurde ein teures Pedelec entwendet. Der Vorfall ereignete sich zwischen Mittwoch und Donnerstag. ...

Neues Sozialmobil für die Betreuungsvereine der AWO im Landkreis Altenkirchen

Am Dienstag (1. September 2026) wurde das neue Sozialmobil der AWO Betreuungsvereine im Landkreis Altenkirchen ...

Weitere Artikel


Feuerwehr stellt Politik auf Prüfstand

Das Thema betrifft alle Menschen im Land: Der Landesfeuerwehrverband (LFV) Rheinland-Pfalz hat vor der ...

Steinigers Küchengruß: „Mio caro Valentino“ zum Valentinstag

Am 14. Februar ist Valentinstag, Zeit für Zweisamkeit und gemeinsame Stunden. In diesem Jahr besteht ...

Gastgewerbe: Großteil der Beschäftigten im Kreis Altenkirchen in Kurzarbeit

Angesichts weiterhin geschlossener Restaurants, Cafés und Hotels im Kreis Altenkirchen macht die Gewerkschaft ...

Bis kommendes Wochenende wird Westerwald zum Eiskeller

Zwischen tiefem Luftdruck über Mittel- und Südeuropa und einem kräftigen Hoch über dem Nordmeer strömt ...

Vandalismus vorm Kirchener Casa und Profi-Bettler in Niederfischbach

Bisher Unbekannte beschädigten in Kirchen ein altes Eisenbahnsignal. Tatort war der Vorplatz der Gaststätte ...

Drei weitere Corona-Todesfälle – Britische Mutation am Kirchener Krankenhaus

Wie das Kreisgesundheitsamt in Altenkirchen am Montag, 8. Februar, meldet, sind mittlerweile insgesamt ...

Werbung