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Nachricht vom 11.02.2021    

JU im Kreis Altenkirchen diskutierte mit Nahost-Experten über Zukunft der Türkei

Unter dem Titel "Abkehr von Europa? Die Türkei als geopolitischer Akteur zwischen den Großmächten" veranstaltete die Kreis-JU eine spannende Online-Diskussion. Gemeinsam mit dem renommierten Historiker und Türkei-Experten Rasim Marz wurden sämtliche Fragestellungen zur aktuellen und zukünftigen Rolle türkischer Außenpolitik erörtert.

Kreis Altenkirchen. „Um die gegenwärtige Situation der Türkei begreifen zu können, reicht es nicht aus, nur die Entwicklungen des vergangenen Jahrzehnts zu betrachten. Vielmehr muss man tiefergehende historische Anhaltspunkte für eine aktuelle Bestandsaufnahme heranziehen“, konstatiert Referent Marz, der überdies als Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Gesellschaft Bonn e.V. fungiert.

Laut Marz habe die Türkei im letzten Jahrzehnt ihren Fokus auf die ehemaligen Territorien des Osmanischen Reiches in Südosteuropa, den Nahen Osten und Nordafrika verstärkt. Die expansive Außenpolitik ziele darauf, die Türkei wieder in das Konzert der Großmächte zu führen und an die imperiale Macht der Osmanen anzuknüpfen. Die ablehnende Haltung Ankaras gegenüber dem Westen und die Öffnung hin zum Osten speise sich aus einem neuen nationalen Selbstbewusstsein, der sich wohl für die systematische Subversion des Osmanischen Reiches durch den europäischen Imperialismus des 19. und 20. Jahrhunderts revanchieren will.

In Bezug auf die Gegenwart gewann die Diskussion jene außenpolitischen Beziehungen zu den Großmächten China und Russland große Bedeutung. Marz berichtete hier von den Rüstungs-Deals zwischen Russland und der Türkei und den sich daraus ergebenden Spannungen in der NATO. Insbesondere die Neue Seidenstraße habe zu einem intensiveren wirtschaftlichen Austausch zwischen der Türkei und dem Reich der Mitte geführt. „Generell zeigt die innenpolitische Entwicklung in der Türkei: Sie entfernt sich immer weiter von den demokratischen Freiheitsrechten unseres Europas“, analysiert der Vorsitzende der Jungen Union im Kreis Altenkirchen, Justus Brühl.



Darüber hinaus ergänzt die stellvertretende Vorsitzende, Helena Peters: „Eine Verbindung zwischen der Türkei und der Russischen Föderation ist klar sichtbar. Die militärische Zusammenarbeit der letzten Jahre hat dies eindrücklich gezeigt“. Nichtsdestotrotz sollte betont werden, dass weiterhin zahlreiche institutionelle Mechanismen der Europäischen Union existieren, die eine Abkehr der Türkei von Europa eindämmen können: „Die im Jahre 2004 geschaffene Institution der Europäischen Nachbarschaftspolitik sollte auch langfristig dafür genutzt werden, pragmatische Beziehungen zu unseren europäischen Nachbarstaaten zu ermöglichen. In Bezug auf die Türkei bietet vor allem die Initiative der Schwarzmeer-Synergien ein sinnvolles diplomatisches Instrument“, unterstreicht JU-Kreisschatzmeister Robert Leonards.

Insgesamt kamen die Diskussionsteilnehmer einstimmig zu dem Ergebnis, dass die Zukunft der außenpolitischen Beziehungen der Türkei auch weiterhin mit Spannung verfolgt werden kann. Referent Rasim Marz hielt fest: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist noch offen, in welche Richtung sich die Türkei zukünftig bewegen wird. (PM)


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