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Nachricht vom 21.02.2021    

Wällerhof Augst Helmenzen zwischen Tradition und Moderne

Von Wolfgang Tischler

„So wie früher“ ist das Motto von Familie Augst in Helmenzen, denn auf ihrem Bauernhof im Mühlenweg arbeiten sie mit Herzblut und Verantwortungsbewusstsein - und mit der Hilfe moderner Maschinen.

Silke Augst vor der Selbstbedienungshütte des Wällerhofs. Fotos: Wolfgang Tischler

Helmenzen. So wie früher werden die Kühe mit eigenen Feldprodukten gefüttert und lange auf dem Hof gehalten, manche sind 11 oder 12 Jahre alt. Wenn ein liebevoll aufgepäppeltes Kalb dann für wenige Euro verkauft werden muss, blutet der Bäuerin das Herz.

Die Produkte aus landwirtschaftlicher Urproduktion - Fleisch, Eier, Milch und Kartoffeln - brauchen kein Bio-Zertifikat finden die Erzeuger, denn sie arbeiten nachhaltig und für die Verbraucher transparent. Die Augsts beschreiten mit ihrem konventionellen Betrieb einen Mittelweg zwischen biologischer und industrieller Landwirtschaft, daher wollen sie auch nicht zu groß werden für ihre Hybrid-Landwirtschaft, die mit der Natur und mit wenig Düngung beziehungsweise Spritzung arbeitet.

Diese Philosophie wird gelebt und im „Lernort Bauernhof“ anschaulich weitergegeben. Silke Augst hat sich eigens in Bad Kreuznach zur Bauernhof-Pädagogin qualifiziert. Sie erzählt begeistert, mit wieviel Freude die Kindergarten- und Grundschulkinder bei der Kartoffelernte in der Erde wühlen oder Kälber mit Heu und Stroh füttern, wobei sie nebenbei die beiden Futtermittel und deren Ursprung unterscheiden lernen.

Hauptstandbein des Betriebs sind 100 Hektar Grünland, die als Weide genutzt werden und 220 Hektar Ackerfläche, auf der Weizen, Gerste, Raps, Roggen, Futtermais, Luzerne, Hafer, Triticale (Getreide: Kreuzung aus Weizen und Roggen) und Kartoffeln angebaut werden. Die Kartoffeln verkaufen sich sehr gut. Sie werden nur einmal gegen Käfer und einmal gegen Krautfäule gespritzt. Die Melde jätet der Senior per Hand aus den Reihen.

Da die Arbeit gestemmt werden muss, nutzt Familie Augst moderne Technik: Die 40 Kühe werden per Melkroboter gemolken. Die Tiere lieben das automatische System, das genau auf ihre Befindlichkeiten eingeht, das Futter dosiert, das Euter pflegt und die Milch kontrolliert. Milchverkauf aus dem Tank für Kunden mit eigenem Kännchen ist täglich von 17 bis 18 Uhr. So wie früher.




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Auf dem Hof stehen für 730 Hennen drei Hühner-Mobile, über denen ein Flugdrache zur Habichtabwehr flattert. Die Hennen werden so aufgestallt, dass es immer ausreichend Eier gibt, vor allem vor Ostern und Weihnachten. Frische Eier gibt es im Selbstbedienungsladen vor dem Stall. In der Holzhütte findet die Kundschaft auch Nudeln, Honig vom Imker aus der Nachbarschaft, Kartoffeln, Mehl sowie Heu und Stroh für Kleintiere. Die Kasse ist ein Briefkasten, in den das Geld geworfen wird. Das System funktioniere hervorragend, freut sich Silke Augst.

Zur Selbstvermarktung kamen die Wäller 2018 nach der Insolvenz der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft B.M.G in dem Bestreben um Unabhängigkeit. Die Diversifizierung mit Milchvieh, Ackerbau und Hühnerhaltung in Kombination mit der Lernort-Bauernhof-Förderung bewährt sich. Die Augsts bestätigen, dass durch die Corona-Pandemie in der Bevölkerung das Bewusstsein für regionale hochwertige Lebensmittel gestiegen ist. Im ersten Lockdown besorgte die Bauersfamilie 1,5 Tonnen Mehl auf Bestellung. Viele Kunden, die damals aus der Not im Wällerhof einkauften, kommen immer noch, weil sie neben der guten Qualität der Lebensmittel das zwischenmenschliche Gespräch schätzen.

Familie Augst bewirtschaftet den Wällerhof bereits in der siebten Generation. Ob die jetzt 13 und 7 Jahre alten Söhne einmal die Tradition weiterführen werden, bleibt abzuwarten. woti


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