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Nachricht vom 21.02.2021    

Öffnung der Grundschulen: Gesundheitsschutz immer noch nicht gewährleistet?

Von Daniel-David Pirker

Am Montag (22. Februar) öffnen die Grundschulen wieder ihre Türen für Schüler. Ursprünglich sollte dies bereits am 1. Februar der Fall sein. Hat die Landesregierung den Aufschub genutzt, um den Gesundheitsschutz für Lehrer und Schüler zu verbessern? Der AK-Kurier sprach mit einem Schulleiter und Gewerkschaftler.

Lars Lamowski ist Landes-Vize des Verbands Bildung und Erziehung und Leiter der Grundschule Kirchen (Fotos privat/ ddp)

Kirchen/Region. Grundsätzlich freut sich der Leiter der Kirchener Grundschule, Lars Lamowski, dass die Kinder nun wieder am Präsenzunterricht im Wechselmodell teilnehmen dürfen. Nicht ohne ein dickes „aber“ hinterherzuschicken. Zur Erinnerung: Die rheinland-pfälzische Landesregierung wollte die Grundschulen ursprünglich wieder am 1. Februar öffnen, entgegen des Beschlusses der Ministerpräsidentenkonferenz.

Lamowski, der ebenfalls Landes-Vize des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) ist, hatte diese Entscheidung damals hart kritisiert, auch im AK-Kurier. Es seien von oberer Stelle schlicht die Hausaufgaben noch nicht ausreichend erledigt worden, um die Gesundheit des Personals ausreichend zu schützen. Das Ausscheren der Landesregierung war aus seiner Sicht dem Wahlkampf geschuldet. Schließlich machte die Ampelkoalition einen Rückzieher und verschob ihre Entscheidung, auch mit Verweis auf die Mutationen des Corona-Virus.

Anfang des Monats hatte Lamowski im AK-Kurier gefordert, den Aufschub zu nutzen und den Gesundheitsschutz in Grundschulen massiv ausbauen. Nun öffnen die Grundschulen am 22. Februar im Wechselunterrichtmodell. Besonders die Präsenzpflicht sei hier wichtig. Immerhin vereinfache dies die Planung und Didaktik immens. Damals hatte Lamowski noch die Hoffnung, dass die Landesregierung den Aufschub nutzt, um effektivere Gesundheitsschutzmaßnahmen in den Schulen zu realisieren. Doch diese Hoffnung scheint sich zumindest teilweise erst einmal zerschlagen zu haben, wie der Schulleiter berichtet: „Der Gesundheitsschutz ist nicht hinreichend gewährleistet.“ Folgend die Kritikpunkte des Gewerkschaftlers:

FFP2-Masken:

Tatsächlich seien laut Bildungsministerin Stefanie Hubig 500.000 FFP2-Masken und eine Million medizinische Masken an die Schulen ausgeliefert worden. Das sagte die SPD-Politikern in einem Facebook-Format, in dem sie letzten Freitag Fragen von Eltern beantworte. Die Siegener Zeitung hatte darüber berichtet. Demnach kündigte Hubig auch an, dass bei Bedarf jederzeit nachbestellt werden könne. Im Gespräch mit Schulleiter Lamowski klingt dies allerdings etwas anders. So habe er die Information erhalten, dass die Masken ab 22. Februar geliefert würden. Die Betonung liegt auf „ab“ – denn ein konkretes Lieferdatum sei nicht genannt worden.

Und an wen die Nachbestellungen gerichtet werden sollen, sei ebenfalls noch unklar. Er weiß bisher lediglich von einem Online-Portal, das irgendwann online gehen soll. „Wieso richtet man nicht einfach ein digitales Formular hierfür ein?“, fragt sich der Lehrer. Immerhin: Lamowski freut sich über das Engagement der Verbandsgemeinde Kirchen. Der Schulträger hätte weitere Masken bereitgestellt.



Die in der Vergangenheit gelieferten Masken seien schon für die Notbetreuung verbraucht worden. Zudem seien nicht nur Lehrer gefährdet. Lamowski denkt hier auch an das weitere Personal, wie etwa Verwaltungskräfte oder Hausmeister.

Corona-Tests:

In dem Bericht der Siegener Zeitung hatte Hubig betont, dass sich Personal von Kitas und Schulen jederzeit testen lassen könne. Hierfür können Gutscheine ausgedruckt werden. Doch ein Blick nach Österreich wirft weitere Fragen auf. Die Alpenrepublik hat Schulen bereits wieder geöffnet. Bevor Schüler und Personal (Lehrer und Verwaltung) allerdings den Wechselunterricht morgens antreten, müssen sie sich mittels Antigen-Schnelltests testen lassen am Schulstandort, Stichwort Verdachtsfallabklärung von COVID-19-Fällen. Auch für Rheinland-Pfalz stehen Schnelltests offenbar zur Debatte. Aber: „Wir wissen nicht, ‚wann, wo und wer‘, zeigt sich Lamowski enttäuscht. Diese Maßnahme stünde offenbar noch in der Schwebe. Man warte auf Genehmigungen.

Dies sei bei einer Videokonferenz der Ministerpräsidentin und Bildungsministerin deutlich geworden, die mit Grundschulleitungen am 4. Februar geführt worden sei. Fragen seien laut Lamowski lediglich per Chat möglich gewesen. An der schieren Anzahl (rund 1.500) sei deutlich geworden, wie groß die Verunsicherung unter dem Lehrpersonal sei.

Luftfilteranlagen:

Es bleibt dabei: Die Landesregierung setzt weiterhin auf Lüften. Luftfilteranlagen werden auch weiterhin lediglich für Räume gefördert, die nicht gelüftet werden können, also etwa Kellerräume. Dabei könnten die Anlagen mittlerweile geleast werden, erklärt Lamowski. Hier hätte man als Land sicher Verträge mit Firmen abschließen können. Doch dank der Initiative des Schulträgers gibt er die Hoffnung noch nicht auf. Die Verbandsgemeinde Kirchen kümmere sich, und dies sehr gewissenhaft.

Impfen von Lehrpersonal:

Vor allem um die Lehrer über 60 Jahren macht sich Lamowski Sorgen. Sie gehören zur Risikogruppe. „Gott sei Dank hat die Kanzlerin hier eingelenkt“, zeigt sich der Grundschulleiter erleichtert. Einige Bundesländer beginnen demnächst tatsächlich damit, das Lehrpersonal in Schulen bei Impfungen vorzuziehen. Doch die rheinland-pfälzische Landesregierung habe den Ball an die Impfkommission weitergegeben. Es herrsche laut Lamowski keine Klarheit. Die Schulen seien zudem nicht informiert.

Das Fazit des Grundschulleiters und Gewerkschaftlers: Es fehlt an Transparenz und Planungssicherheit. Wenn man wollte, könnte man die Schulen öffnen und gleichzeitig den Gesundheitsschutz gewährleisten. (dpp)


Mehr zum Thema:    Coronavirus   
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