Werbung

Nachricht vom 28.02.2021    

Nicole nörgelt…über Promenadologen und andere hochtrabende Berufsbezeichnungen

Von Nicole

GLOSSE | Es gibt schon einige Berufsbezeichnungen, mit den man direkt nicht anfangen kann. Nicole hat jetzt einen konsultiert und sich heute ihre Gedanken über weitere hochtrabend klingende Berufe gemacht.

Ob diese Beiden vorher einen Promenadologen befragt haben? Foto: Wolfgang Tischler

Region. Es ist hell und sonnig, die ersten Vögel zwitschern, Schneeglöckchen wuchern geradezu in meinem Garten, man riecht überall den Frühling. Da will man doch raus und diese schöne Welt genießen. Aber einfach vor die Tür und los – das geht doch nicht! Da muss man doch zuerst seinen Promenadologen konsultieren! Wir leben ja schließlich nicht mehr in der Steinzeit.

Jaja, Sie haben richtig gelesen! Promenadologen sind „Spaziergangswissenschaftler“, die die Bedingungen der Umweltwahrnehmung untersuchen und erweitern. Sowas lehrt man an Universitäten! Kein Scherz! Wir brauchen Wissenschaftler, die uns sagen, wo wir beim Spazierengehen hingucken und wie wir es wahrnehmen sollen. Ja. Wie Landkinder, die in Feld und Wald damit aufgewachsen sind, unter Bäumen und in Wiesen zu spielen, uns dreckig zu machen und Grün zu sehen, wann immer wir vor die Tür treten, haben anscheinend keine Ahnung davon, wie man fachkundig in der Natur herumläuft.

Gut. Ob so ein Berufsstand seine Berechtigung hat, können wohl nur die beurteilen, die ihn ausüben. Was mich viel mehr in Kopfschütteln versetzt, sind diese aufgeplusterten Titel für ganz normale Berufe. Ein Promenadologe mag etwas anderes sein als ein altbekannter Wegewart, aber was ist mit dem Facility Manager, den man nicht mehr Hausmeister nennen darf, oder dem Vision Clearance Engineer, der früher ein schlichter Fensterputzer war? Ist der Promenadologe am Ende ein schnöder Wegewart? Und würde mich der Schornsteinfeger schräg angucken, wenn ich ihn künftig mit Flueologist anspreche? Und die meisten Sekretärinnen wären doch sicher geschmeichelt, wenn man sie Head of Verbal Communications nennt.

Fühlt sich eine Hausfrau wirklich besser mit ihrem Leben und ihrem Alltag, wenn sie den Stempel „Domestic Engineer“ aufgedrückt bekommt? Ist es Wertschätzung, wenn der Lehrer zum Knowledge Navigator wird? Heute müssen wir anscheinend alle Engineers, Managers und –ologen für irgendwas sein, am besten so schön englisch versaubeutelt, dass ja keiner mehr kapiert, was man eigentlich so beruflich macht und einem das beeindruckte „Ooooh“ des Gegenübers bei der Berufsnennung sicher ist. Petroleum Transfer Engineer statt Tankwart! Foot Health Gain Faciliator statt Fußpfleger! Evironment Improvement Technician statt Putzfrau!



Ja, hallo?? Geht’s noch?? Wer ist bitte auf die bescheuerte Idee verfallen, dass ein Revenue Protection Officer mehr wert ist als ein Fahrkartenkontrolleur und ein Technical Horticultural Maintenance Officer besser ist als der schlichte Gärtner? Sind Sie schonmal einem Space Consultant begegnet, der beleidigt war, wenn Sie ihn ordinär als Immobilienmakler bezeichnet haben? Ohne Mist: Benutzt jemand diese aufpolierten Berufsbezeichnungen? Und ich habe mich schon vom Promenadologen – gibt’s wirklich! – veräppelt gefühlt!

Natürlich will jeder dafür wertgeschätzt werden, was er tut. Aber was ist so schlimm daran, seinen Beruf mit Stolz auszuüben, ohne dass eine Angeber-Bezeichnung darüber stehen muss? Seit wann ist ein Klempner oder Maler weniger wert als jemand mit einem Uniabschluss und einer Hochglanz-Visitenkarte? Muss man sich denn heute wirklich schämen, wenn man „nur eine Lehre“ macht und wirklich schon das Spazierengehen an der Fachhochschule studieren, um unter Zeitgenossen etwas zu gelten?

Manchmal will man sich nur noch an den Kopf fassen. Nö, besser nicht. Dafür gibt es bestimmt irgendwo einen Face Palm Expert, der das studiert hat!

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund!
Ihre Nagging Content Managerin Nicole


Mehr zum Thema:    Nicole   
Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Dierdorf auf Facebook werden!


Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Gemeinsam mehr Touristen in die Region locken

Region. Doch das vielfältige touristische Angebot muss potenziellen Gästen erst einmal vor Augen geführt werden. Deshalb ...

SWR Hierzuland zu Gast in Isert

Isert. Isert, der Name deutet auf das Eisen hin, das hier im oberen Westerwald vor langer Zeit gefördert und verarbeitet ...

Konzert-Auftakt zum Jubiläum: Schützenverein Wissen feiert "Mehr als 150 Jahre"

Wissen. Zur Freude der Verantwortlichen kamen zahlreiche Besucher. Der Schützenverein Wissen konnte als „Startschuss“ in ...

Jugendfeuerwehr Katzwinkel: Ein Tag wie bei der Berufsfeuerwehr

Katzwinkel. Unter anderem müssen "Feuer" gelöscht, Menschen gerettet oder Tiere befreit werden. Aber auch die ganz alltäglichen ...

Corona-Warnstufe Kreis Altenkirchen: Einer von drei Indikatoren spürbar gestiegen

Kreis Altenkirchen. Laut dem letzten Medien-Update der Kreisverwaltung betrug die Sieben-Tages-Inzidenz am Montag, den 25. ...

Sanierung der K 130 zwischen Selbach und Brunken startet am 15. November

Selbach (Sieg). Die K 130 wird im kombinierten Tief- und Hocheinbau saniert. Vom Einmündungsbereich K 123 / K 130 erfolgt ...

Weitere Artikel


Oh, du starker Westerwald! - Wirtschaft im Westerwald ist Chefsache

Dierdorf. „Unter dem Motto „Oh, du starker Westerwald“ wird im neuen Videofilm die Leistung der Region Westerwald präsentiert. ...

Biohof Hachenburg: Garant für tierisches und menschliches Wohlergehen

Hachenburg. Der Anspruch der drei Landräte Hallerbach (NR), Dr. Enders (AK) und Schwickert (WW) „Mehr Regionalität auf den ...

Buchtipp: „Highlander-Kochbuch“ von Fiona Bondzio

Dierdorf/Braunschweig. Einfach und preiswert waren die Speisen der Highlander im Gebiet der gälischen Chieftains in einer ...

Christian Chahem diskutiert mit 1. Vorsitzender des Aktionskreises Altenkirchen

Altenkirchen. Chahem und Lang sprechen über die Öffnungsperspektiven des Einzelhandels, über die Sorgen und Nöte der Händler, ...

250 Jahre alte Eiche gefällt: Baumfrevel im Katzwinkeler Forstrevier macht fassungslos

Katzwinkel/Region. Am Freitag (25. Februar) zeigte die Hatzfeldt-Wildenburg`sche Forstverwaltung Sachbeschädigungen durch ...

Volksbank Gebhardshain: Leiter im Ruhestand nach 41 Jahren Betriebszugehörigkeit

Gebhardshain. Über einen personellen Wechsel an der Spitze der Gebhardshainer Volkbank informiert nun eine Pressemitteilung. ...

Werbung