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Nachricht vom 05.03.2021    

„Digitaler Kulturtalk“ zeigte Sorgen und Nöte der Branche auf

Am Donnerstag, 4. März, luden der Kreisverband der FDP Altenkirchen und der Direktkandidat Christian Chahem zum „Digitalen Kulturtalk“ ein. Im Online-Podium saßen Dominik Weitershagen (Kulturwerk Wissen), Patrick Schmidt, (Veranstaltungstechniker), Margret Staal (Kulturbüro Haus Felsenkeller), Sandra Weeser, MdB. Die Moderation übernahm Christian Chahem selbst.

Die Teilnehmer des Digitalen Kulturtalks (Foto: privat)

Kreis Altenkirchen. Zu Beginn fragte Chahem Dominik Weitershagen, wie das Jahr 2020 für das Kulturwerk gelaufen sei. Weitershagen sprach von Licht und Schatten. „Der Umsatz ist zusammengebrochen auf nur noch 15 Prozent, da müssen wir nicht drum herumreden. Aber aufgrund der Räumlichkeiten konnten wir gerade im Sommer viele, kleinere Veranstaltungen durchführen dank entsprechendem Hygienekonzept.“ Trotzdem seien die Besucherzahlen von 45.000 im Jahr 2019 auf 12.000 im Jahr 2020 eingebrochen.

Auch Frau Staal vom Kulturbüro Haus Felsenkeller beschrieb ein dramatisches Jahr 2020. Das Spiegelzelt in Altenkirchen fiel komplett aus. Jedoch sagten bereits alle Künstler auch für 2021 zu. Aber ob dies nun im Sommer stattfinden könne, hinterfragte Staal direkt. „Und wenn es stattfindet, dann bestimmt nicht mit der Kapazität, die wir uns erhoffen.“
Besonders bitter wäre die Absage der „Altenkirchener Kulturtage“ gewesen. Diese hätten am 05.11.2020 beginnen sollen, Veranstaltungsort war ein leerstehender Supermarkt. „Die Karten waren personalisiert und etliche schon verkauft. Manche Shows waren ausgebucht!“ Doch der Lockdown II machte dann auch diese Veranstaltung zunichte. „Wir konzentrieren uns jetzt vor allem auf den Sommer und auf Open-Air Veranstaltungen. Aber da muss dann natürlich auch das Wetter mitspielen.“ Führte Staal weiter aus.

Weniger hart, aber trotzdem spürbar, wurde auch der Veranstaltungstechniker und DJ Patrick Schmidt getroffen. „Für mich ist das nur ein Nebenjob, daher bin ich natürlich etwas glimpflicher durch die Krise gekommen. Aber finanziell gespürt habe ich es natürlich trotzdem.“ Schmidt beklagte vor allem, dass Menschen, für die Kunst und Kultur in Anführungsstrichen nur eine Nebentätigkeit sei, keinerlei Chance auf finanzielle Hilfe hätten. „Ein Nebenjob kann auch 40% des Einkommens ausmachen und wenn da dann nichts kommt, tut das weh!“

Die Abgeordnete Weeser berichtete von dem Bündnis #AlarmstufeRot und deren Groß-Demonstration im Sommer in Berlin. „Ich war auch in Berlin und die Geschichten und vor allem das Leid der Menschen haben mich bedrückt. Gerade die vielen Solo-Selbstständigen leiden wie die Hunde und fallen mit am tiefsten. Viele mussten sogar Grundsicherung beantragen, um über die Runden zu kommen.“



Margret Staal griff den Punkt auf und ergänzte: „Ich vermisse die Verhältnismäßigkeit. Die Kultur wurde mit 1 Mrd.€ bedacht, die Lufthansa aber mit 9 Mrd.€. Und ich glaube es arbeiten mehr Menschen in der Kulturbranche als bei der Lufthansa.“ Staal und Weeser forderten auch unisono, dass man den Kulturschaffenden endlich zumindest eine Perspektive bieten müsse, wann Auftritte wieder möglich seien und wann die Menschen mit ihrer Arbeit auch wieder Geld verdienen könnte.

Weeser weiter: „Die Schnelltests z.B. könnten ein wichtiger Schritt sein. Vor der Veranstaltung einen Test machen und falls dieser negativ ist, darf man an der Veranstaltung teilnehmen. Und auch wenn ich Herrn Spahn persönlich schätze, hier hat er völlig versagt.“ Laut Weeser seien der Bundesregierung zahlreiche Management- und Organisationsfehler während der Coronakrise unterlaufen.

Als Chahem nach der Zukunft und den Aussichten für das Jahr 2021 fragte, erklärte Weitershagen, dass er sich mehr Differenzierung erhoffe. Man müsse nicht alles schließen, wenn Räumlichkeiten, Hygienekonzepte und hybride Veranstaltungen ein starkes Gesamtkonzept ergäben. Und der DJ Patrick Schmidt schloss die Diskussion mit den Worten: „Die Leute haben Lust und Laune auf Feiern, Tanz und gute Musik. Und ich freue mich, wenn das auch wieder möglich sein wird. Kunst und Kultur gehören einfach zum Menschen dazu!“

So schloss Chahem die Diskussion, nicht ohne noch den Wunsch der Gäste mitzunehmen, dass „Kultur“ als Grundrecht mit ins Grundgesetz aufgenommen werden soll. (PM)


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