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Nachricht vom 23.11.2025    

Historischer Umzug: Fachwerk-Juwel aus Scheuerfeld zieht ins Freilichtmuseum Lindlar

Von Eva Maria Hammer

Für Bettina Petinopoulos und ihren Mann Markus Schuster endet eine Odyssee: Sie hatten über Jahre versucht, ihr denkmalgeschütztes Fachwerk-Quereinhaus aus dem Jahr 1756 zu vermitteln. Nun wird das historische Gebäude vom LVR-Freilichtmuseum Lindlar transloziert. Die notwendigen Mittel für den Abbau und den Wiederaufbau als wertvolles Exponat im Museum wurden bereitgestellt. Die Vorbereitungen für den Transport, der im Frühjahr 2026 stattfinden soll, haben bereits begonnen.

Abschied von Scheuerfeld: Das 1756 erbaute Fachwerk-Quereinhaus wird winterfest gemacht, bevor es 2026 im LVR-Freilichtmuseum Lindlar eine neue Heimat findet. (Foto: Bettina Petinopoulos)

Scheuerfeld. Dieses prächtige Quereinhaus, gelegen in Scheuerfeld an der Sieg, ist ein bedeutendes Zeugnis der bäuerlichen Kultur im Westerwald. Seine Architektur ist funktional und erzählerisch zugleich: Das Haus wurde als zentraler Lebens- und Wirtschaftsort konzipiert, in dem die Familie und ihr Hofbetrieb unter einem Dach vereint waren.

Diese Bauweise verdeutlicht, wie das Wohnen, das Arbeiten und die Landwirtschaft eng miteinander verwoben waren. Im Zuge der Vorbereitung zur Translozierung offenbart das Gebäude nun seine wahre Schatzkammer: Das Innere ist reich an Spuren der einstigen Bewohner.

Erhalten geblieben sind nicht nur historische Einrichtungsgegenstände und landwirtschaftliche Werkzeuge, sondern auch zahlreiche fotografische und schriftliche Dokumente, die einen tiefen und persönlichen Einblick in den ländlichen Alltag und das Miteinander im 18. bis 20. Jahrhundert geben. Diese wertvollen Funde machen das Haus zu einem lebendigen Museumsstück, das die Geschichte seiner Menschen bewahrt.

Scheuerfeld nimmt Abschied

Die Stimmung ist überwältigend, als am Donnerstag (20. November) eine riesige Schutzplane über das historische Bauwerk gezogen wird. Denn dieser Moment markiert den Beginn seiner neuen Bestimmung und den Aufbruch in die Zukunft. Es ist der sichtbare Startschuss, der das Haus winterfest macht - denn das Dach weist große Löcher auf. Ein Kamerateam ist vor Ort, um diesen entscheidenden Augenblick festzuhalten. Der SWR berichtet darüber im Fernsehen und Radio.

Nach fast zwei Jahrzehnten des Einsatzes um den Erhalt können Bettina Petinopoulos und Markus Schuster endlich tief durchatmen.

Vom Dornröschenschlaf ins Freilichtmuseum

Viele Jahre lang versuchte das Ehepaar Petinopoulos/Schuster, das Haus zu verschenken. Anfragen bei diversen Museen blieben lange erfolglos, ein Abriss kam aufgrund des Denkmalschutzes nicht infrage.

Der Durchbruch kam, als dem Paar nach Jahren des Kampfes um den Erhalt die Kraft ausgegangen war. Petinopoulos berichtet, dass sie der Denkmalbehörde 2018 mitgeteilt hätten, dass sie nach über zehn Jahren einfach nicht mehr könnten. Daraufhin teilte ihnen die Sachbearbeiterin mit, dass sie niemanden kenne, der sich so lange für den Erhalt eingesetzt habe, und erteilte dem Ehepaar die Abrisserlaubnis. Unmittelbar vor diesem finalen Schritt riet die Sachbearbeiterin jedoch, das Haus noch dem Freilichtmuseum in Lindlar anzubieten - das daraufhin großes Interesse zeigte.

Eine Investition in die Geschichte

Die Translozierung (die vollständige Zerlegung eines Bauwerks und sein originalgetreuer Wiederaufbau an einem anderen Ort) des Quereinhauses wird eine anspruchsvolle Aufgabe. Robert Mehl, der Bauleiter des Landschaftsmuseums Lindlar, der die Vorbereitung des Hauses in Scheuerfeld begleitete, ist sich des Zustands bewusst: Das Gebäude sei in einem sehr schlechten Zustand, was den Restauratoren des Museums viel Arbeit abverlangen werde.



Trotz des hohen Aufwands sei das Projekt lohnenswert, da das Haus eine wichtige Ergänzung für die Sammlung historischer Gebäude in Lindlar darstelle. Der Abbau gleicht dabei einer Präzisionsarbeit. Mehl beschreibt das Vorgehen als Zerlegung eines Hauses aus LEGO-Steinen, bei dem jedes Teil vorsichtig gesichert und Stück für Stück demontiert wird. Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich auf einen sechsstelligen Betrag, der durch die Unterstützung eines großen Fördervereins ermöglicht wird.

Das Ehepaar Petinopoulos/Schuster kommentiert den Start des Projekts: "Es war ein langer Weg. Nach 17,5 Jahren geht es endlich los. Unser Quereinhaus wird nach Lindlar ins Freilichtmuseum transloziert. Wir freuen uns riesig!"

Neue Bestimmung als Obsthof

Im LVR-Freilichtmuseum Lindlar erhält das Haus eine innovative und zukunftsweisende Nutzung. Künftig soll es dort den regionalen Obstbau thematisieren. Mit Unterstützung des Fördervereins sollen im Gebäude hochwertige Obstprodukte wie Brände, Gelees und Säfte hergestellt werden. Damit soll gezeigt werden, wie klimaschonende und regionale Produktionsweisen umgesetzt werden können. Besucher können die Produkte vor Ort erwerben.


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