Robert Schuppner: Wie ein Maler aus Hamm (Sieg) Welterfolge feierte - und im Gefängnis saß
Von Regina Morkramer
Vielen Menschen mag der Maler Robert Schuppner gar kein Begriff sein. Doch der gebürtige Hämmscher konnte auf große Erfolge zurückblicken. Am 26. Januar 2026 wäre er 130 Jahre alt geworden.
Hamm (Sieg). Eigentlich ist es gar nicht nachvollziehbar: Robert Schuppner, laut Kirchenbucheintrag geboren am 26. Januar 1896 in Hamm (Sieg), gehörte zu den wirklich großen deutschen Malern des 20. Jahrhunderts. Und doch ist sein Name selbst den Menschen in seiner Heimat kaum geläufig und sein Erfolg so gut wie nicht bekannt. Dabei liest sich Schuppners Biografie fast wie ein Roman. Als Sohn des Anstreichermeisters Heinrich Schuppner und seiner Frau Katharina in Hamm geboren, soll er schon als Kind ein Interesse an der Malerei entwickelt haben. Er absolvierte später zunächst eine Ausbildung zum Anstreicher, doch das Malen begleitete ihn weiterhin. Später widmete er sich vor allem der Landschaftsmalerei und Porträts, sowie auch dem Surrealismus und der abstrakten Malerei.
Bereits in jungen Jahren ging Schuppner nach Berlin, wo er den recht bekannten Maler Lovis Corinth kennenlernte und Fuß in der Kunstszene fasste. Zu Beginn der 1920er Jahre machte Schuppner seine Kunst erstmals einem großen Publikum zugänglich, als er eine Auswahl seiner Aquarelle in Hamburg ausstellte. "Sie stellten Stadt- und Landschaftsansichten in klaren, harmonischen Farben und teils in Pastelltönen dar. Damit gelang es ihm, erste Kunstbegeisterte auf sich aufmerksam zu machen", erklärt Annette Röcher, die eine Biografie über den Maler verfasst hat. "In der ersten Zeit der Ausstellungen trugen seine Bilder oft die Signatur ‚Schuppner, Hamm‘, gefolgt von den letzten zwei Zahlen des Jahres." Schuppner kam in der Folgezeit viel herum, er bereiste Frankreich, Italien und Spanien, bevor es ihn zurück nach Berlin verschlug. In der aufregenden Zeit der "Roaring Twenties" konnte er hier weitere Erfolge feiern - und zwar in erster Linie, indem er die Damen der Gesellschaft porträtierte. Auch die weltberühmte Tänzerin Josephine Baker gehörte zu seinen Kundinnen. Außerdem hatte Schuppner in Berlin 1925 seine erste große Einzelausstellung von Gemälden, darunter Stillleben, die laut Biografin Annette Röcher "mit großem Wohlwollen und positiven Kritiken aufgenommen wurden". So soll ein Kritiker geschrieben haben: "In der Gemäldegalerie Carl Nicolai zeigte ‚Schuppner Hamm‘ Aquarelle und Ölbilder. Die Arbeiten zeugen von einer ungewöhnlichen Geschicklichkeit, von einer Begabung, die durch Routine schon leicht verdorben ist, die aber sicher des Vortrefflichen fähig ist, wenn sie sich selbst strenger als bisher diszipliniert. Die nach der Natur gemachten Aquarelle sind das Beste - trotz des Corinthzuges. In den Ölbildern ist etwas Professionsmäßiges, das fatal werden könnte."
Schuppners Welterfolg: Internationale Ausstellungen
Unter den Nationalsozialisten erhielt Robert Schuppner Malverbot, 1934 emigrierte er nach Paris - wo er abermals große Erfolge verbuchen konnte. Hier ist "eine Vielzahl seiner surrealistischen, hochgelobten Gemälde entstanden", weiß Annette Röcher und es sei ihm möglich gewesen, "zahlreiche Kontakte zu Künstlerkollegen, Galeristen und Kunstkritikern zu knüpfen. 1937 nahm Robert Schuppner auf Einladung der französischen Regierung an der Pariser Weltausstellung im französischen Pavillon teil. Der damalige Kultusminister Huisman kaufte mehrere seiner Werke für staatliche Museen in Frankreich."
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Und Paris ist längst nicht Schuppners Endstation. Er ging unter anderem nach London, es folgten Ausstellungen in bekannten Galerien, auch gemeinsam mit anderen berühmten zeitgenössischen Malern wie Max Ernst und in Weltmetropolen wie New York. Doch was machte Schuppners Erfolg aus, was ist das Besondere an seinen Werken? Der Kölner Fotograf Karl Heinz Chargesheimer empfand: "In seinen Bildern leuchtet ein ungeheures Licht, aber es ist keine Sonne!" Schuppners Biografin beschreibt es so: "Die surrealistischen Bilder vermitteln unterschiedliche Emotionen, sie sind weich und empathisch, andere mystisch-märchenhaft und geheimnisvoll in ihrer Botschaft, manche liebevoll, verträumt und es gibt solche, die einen traurigen oder schmerzlichen Ausdruck zeigen. Sie regen dazu an, sich ‚hineinzudenken‘, um individuellen Empfindungen nachzuspüren und abgebildete ‚Rätsel‘ zu entschlüsseln."
Gefängnis und Kunstfälscherei
Doch neben dem gewaltigen Erfolg gab es auch Schattenseiten in Robert Schuppners Leben. Wie man der Forschungsdatenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste "Proveana" entnehmen kann, soll Schuppner bereits 1917 durch das Amtsgericht Köln wegen verbotenen Großhandels mit Fleisch und einer Bestechung verurteilt worden sein. 1937 soll er in Hamburg zu einer Gefängnisstrafe wegen fortgesetzten Betrugs verurteilt worden sein, die er nach Angaben von Proveana bis 1939 absaß. 1940 wurde demnach eine erneute Strafverfolgung gegen Schuppner wegen gefälschter Kunstwerke eingeleitet, nachdem er bei dem ehemaligen Kustos des Städtischen Kunstmuseums Düsseldorf Walter Cohen gefälschte Expertisen bestellt hatte. Schuppner-Biografin Annette Röcher weist jedoch darauf hin, dass es für die Angaben bei Proveana keine Verifizierung gebe. Andere Quellen sprechen laut Röcher davon, dass Schuppner 1939 nach Deutschland zurückkehrte, wo 1941/42 der Prozess folgte; bis 1945 habe er dann im Gefängnis Anrath gesessen und sei von den Amerikanern befreit worden.
In den Jahren 1949 und 1950 war Robert Schuppner jedenfalls Teil eines "der ungewöhnlichsten Prozesse in der Geschichte des Kölner Landgerichts, der in der Nachkriegszeit bundesweit für Aufsehen sorgte", wie es Helmut Frangenberger vom Kölner Stadt-Anzeiger beschreibt. Schuppner soll unter anderem gefälschte Kunstwerke auf den Kunstmarkt gebracht haben, die er vom Hausmeister des Kölnischen Kunstvereins, Josef Jenniches, bekommen haben soll. Hier wurde Schuppner am Ende des Prozesses wegen Mangels an Beweisen freigesprochen.
Lebensende in Hurst verbracht
Seit dem Zweiten Weltkrieg lebte und arbeitete Schuppner in Köln. Zum Ende seines Lebens zog es Robert Schuppner zurück in die Heimat: Im Hurster Ortsteil Bach starb er am 6. Mai 1966. Bis heute sind Schuppners Werke unter anderem im Besitz französischer staatlicher Museen wie auch zahlreicher privater Sammler. Wolfgang Heinrich aus Etzbach trägt auf seiner Internetseite Informationen über den Maler zusammen. Hier kann man sich auch melden, wenn man einen echten Schuppner zu Hause entdeckt oder erbt. So ist auf Heinrichs Internetseite bereits eine virtuelle Schuppner-Sammlung entstanden. Auf Aktionen werden Schuppners Werke übrigens für mehrere hundert bis mehrere tausend Euro versteigert.
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