Protesttag am 23. März: Viele Apotheken im Kreis Altenkirchen bleiben Montag geschlossen
Von Regina Morkramer
Die Konkurrenz aus dem Internet wird größer, die sogenannten Vor-Ort-Apotheken stehen unter Druck, eine faire Honorierung fehlt: Um auf die Situation aufmerksam zu machen, beteiligen sich viele Apotheken am Montag, 23. März, an einem Protesttag - und bleiben geschlossen.
Region. Jedes Jahr schließen in Deutschland 400 bis 600 Apotheken, und zwar für immer. Der wirtschaftliche Druck sei mittlerweile so hoch, dass sich das Apothekensterben voraussichtlich noch weiter beschleunigen wird, heißt es aus den Reihen der Apotheker.
Mit einem Protesttag am Montag, 23. März 2026, wollen die Vor-Ort-Apotheken in der Bevölkerung ein Bewusstsein für ihre Lage schaffen und bleiben aus diesem Grund in weiten Teilen des Landes geschlossen. Organisiert wird der Protesttag von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), die Spitzenorganisation aller Apothekerinnen und Apotheker, zu deren Mitgliedern 17 Landesapothekerkammern und 17 Landesapothekerverbände zählen. Die ABDA-Mitgliederversammlung hatte am 25. Februar beschlossen, mit einem bundesweiten Protesttag für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Die Landesapothekerverbände rufen deswegen zu Apothekenschließungen auf. Deutschlandweit gibt es parallel dazu vier zentrale Kundgebungen beziehungsweise Demonstrationen in Berlin, München, Hannover und Düsseldorf.
Protesttag der Apotheken im Kreis Altenkirchen
Auch in Rheinland-Pfalz werden sich Apotheken am Protesttag beteiligen und geschlossen bleiben. Im Kreis Altenkirchen haben zahlreiche Apotheken in einer gemeinsamen Erklärung ihren Standpunkt erläutert und die Teilnahme am Protesttag verkündet. Demnach bleiben am 23. März auf jeden Fall folgende Apotheken geschlossen:
Altenkirchen:
Apotheke REHM im Ärztehaus
Neue Apotheke
Sonnen-Apotheke
Bahnhof-Apotheke
Hubertus-Apotheke
Betzdorf:
Bären-Apotheke
Löwen-Apotheke
Daaden:
Markt-Apotheke
Elkenroth:
Hildburg-Apotheke
Gebhardshain:
Westerwald-Apotheke
Hamm (Sieg):
Raiffeisen-Apotheke
Herdorf:
Sonnen-Apotheke
Kirchen:
Gertruden-Apotheke
Druiden-Apotheke
Mudersbach:
Orchideen-Apotheke
Niederfischbach:
Dom-Apotheke
Wissen:
Adler-Apotheke
Hirsch-Apotheke
Ausgenommen von den Schließungen sind auf jeden Fall die Notdienst-Apotheken: Olymp-Apotheke, Nisterstraße 2, 57537 Wissen (Telefon: 02742/9683030) und die Bären-Apotheke, Hauptstraße 29, 56472 Hof (Telefon: 02661/95860). Darüber hinaus können auch andere Apotheken im Kreis Altenkirchen, die nicht am Protesttag teilnehmen, am Montag geöffnet sein.
Dr. Stefan Henke, Inhaber der Getruden-Apotheke in Kirchen und der Löwen-Apotheke in Betzdorf erklärt, dass die Initiative beim letzten Protesttag im Jahr 2023 aus einem kleineren Kreis der Betzdorfer und Kirchener Apotheken gestartet ist. "In diesem Jahr haben sich diesem Kern weit mehr Apotheken im Kreis angeschlossen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen." Henke bezeichnet diese Situation als "bedrohlich" für die Vor-Ort-Apotheken. Er sieht nicht nur die Konkurrenz aus dem Internet kritisch, sondern verweist vor allem auf eine fehlende Honorarerhöhung. "Die Vergütung muss der Inflation und den steigenden Kosten angepasst werden, das ist in jeder anderen Branche auch so. Bei den Apothekern aber hat sich seit 13 Jahren nichts getan. Das ist ein Zustand, der katastrophal ist." Hemke wird am Montag nicht nur seine Apotheken geschlossen lassen, sondern auch mit dem Großteil seiner Mitarbeiter am Protesttag in Düsseldorf teilnehmen.
Zahl der Apothekenschließungen in Rheinland-Pfalz kritisch
"Mit dem Protest fordern die Apotheken die Bundesregierung und die Regierungsfraktionen auf, ihr Versprechen einer Honorarerhöhung endlich einzulösen. Zugleich soll der fortschreitende Rückgang der Apotheken gestoppt werden", heißt es auch in einer gemeinsamen Erklärung der Landesapothekenkammer und des Apothekerverbands Rheinland-Pfalz. Jan-Niklas Francke, Erster Vorsitzender des Apothekerverbands Rheinland-Pfalz führt aus: "Die Zahl der Apothekenschließungen in Rheinland-Pfalz ist weiterhin kritisch. In den vergangenen drei Jahren mussten insgesamt 99 Betriebe dauerhaft schließen. Eine Ursache ist die ausbleibende Honoraranpassung der Apotheken. Das darf so nicht weitergehen." Mit jeder geschlossenen Apotheke werde der Weg für die Menschen länger und die Versorgung mit Arzneimitteln schwieriger. Viele Apotheken geraten wirtschaftlich zunehmend unter Druck, weil Personal-, Energie- und Mietkosten gestiegen sind, das Fixhonorar jedoch seit mehr als zehn Jahren nicht angepasst wurde, kritisieren Landesapothekenkammer und Apothekerverbands Rheinland-Pfalz gemeinsam. Seit der Umstellung der Arzneimittelpreisverordnung auf das heutige feste Packungshonorar vor 22 Jahren habe es nur eine einzige Erhöhung gegeben: 2013 stieg die Vergütung einmalig um lediglich 3,1 Prozent. Seitdem musste bundesweit jede fünfte Apotheke schließen, das sei ein Rückgang um 19,7 Prozent. "Wir setzen uns für eine Vergütung ein, die die wirtschaftliche Realität angemessen berücksichtigt und den Fortbestand der Apotheken sichert. Die dafür nötige politische Aufmerksamkeit erreichen wir nur mit einem geschlossenen und deutlichen Auftritt", betont Peter Schreiber, Geschäftsführer des Apothekerverbands Rheinland-Pfalz.
Lokales: Kirchen & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion




























