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Nachricht vom 25.03.2026    

Blick ins ehemalige Waldkrankenhaus in Rosbach: Ein Lost Place, der gar keiner ist

Von Regina Morkramer

Seit 24 Jahren steht das imposante Gebäude am Ortsrand von Windeck-Rosbach schon leer: Wo einst eine Lungenheilanstalt war, fragt man sich heute, was aus dem ehemaligen Waldkrankenhaus werden soll. Wir haben uns dort umgeschaut.

Das ehemalige Waldkrankenhaus in Rosbach (Fotos: rm)

Windeck. Seit mehr als 100 Jahren thront das frühere Krankenhaus über Rosbach und dem Siegtal. Man kann sich vorstellen, warum zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgerechnet hier, rund eine Stunde von Köln entfernt, ein Außenposten der städtischen Kliniken zur Behandlung von Lungenkrankheiten errichtet wurde - umgegeben von Wald, guter Luft und einer eindrucksvollen Aussicht. Und auch heute noch bietet das zum Teil denkmalgeschützte Gebäudeensemble mit insgesamt 6000 Quadratmetern Potenzial für die verschiedensten Nutzungsformen. Und trotzdem ist unklar, wie es mit dem ehemaligen Waldkrankenhaus weitergehen soll. Und so lange steht die Zeit hier still.

Dieses Gefühl hat man zumindest, wenn man durch die langen Gänge des früheren Krankenhauses geht. In den ehemaligen Behandlungszimmern steht zum Teil noch Mobiliar, vor den Fenstern sind Gardinen, an der Wand hängt ein Kalender von 2002. Die Elektrik ist voll funktionstüchtig. "Das Gebäude ist eigentlich in einem guten Zustand", erklärt Sigrid Krebs, Pressesprecherin der Kliniken Köln, beim Rundgang. Der gGmbH gehört das frühere Waldkrankenhaus bis heute. Und natürlich wünscht man sich für die Zukunft wieder eine sinnvolle Nutzung. "Wir könnten uns hier Vieles vorstellen, Platz genug gäbe es ja, das bietet Chancen. Raum zum Arbeiten, zum Wohnen, für Kultur, Appartements für Arbeitskräfte, ein kleines Hotel für den Tourismus der Region - die Herausforderung ist, jemanden zu finden, der den Mut hat, so ein Projekt anzugehen und die verschiedenen Akteure zusammenzubringen." Konkrete Pläne gebe es derzeit aber nicht, auch wenn immer mal wieder Führungen mit Objektplanern stattfinden und die Gemeinde und der Kreis den Wunsch nach einer langfristigen Nutzung mittragen. "Wir spüren die Zurückhaltung auf dem Immobilienmarkt", berichtet Sigrid Krebs. "Und das, obwohl wir das Objekt sogar für einen symbolischen Preis von einem Euro verkaufen würden. Der oder die neuen Besitzer müssten natürlich finanziell noch viel reinstecken, um das Gebäude entsprechend zu sanieren." Ausgeschlossen sei, dass hier wieder ein Krankenhausbetrieb aufgenommen wird. Der Grund, warum dieser hier im Jahr 2002 aufgegeben wurde, sei schon damals der fehlende Standard gewesen. Die Gebäudeausstattung entsprach irgendwann nicht mehr den Anforderungen - von fehlenden Nasszellen über die Barrierefreiheit bis hin zu Hygienevorschriften. Letztendlich sei das Krankenhaus wirtschaftlich nicht mehr tragbar gewesen und musste schließen. "Aber wir sind zuversichtlich, dass unser Dornröschenschloss irgendwann wieder zum Leben erweckt wird", so Sigrid Krebs. "Dafür spricht auch, dass sich Rosbach aufgrund seiner guten Infrastruktur immer größerer Beliebtheit erfreut. Hier gibt es doch alles, was man braucht, von Geschäften über die Bahnanbindung bis hin zur Freizeitqualität."

Nach genau 100 Jahren war Schluss
Am 13. November 1902 war die Lungenheilanstalt nach nur drei Jahren Bauzeit als "Stadtcölnische Auguste-Viktoria-Stiftung zu Rosbach an der Sieg" eröffnet worden. Warum ausgerechnet in Rosbach? "Ausschlaggebend neben der guten Luft war auch die damals schon vorhandene Infrastruktur", erfährt man von Sigrid Krebs. "Es gab die Bahnstrecke, die Patienten konnten selbst anreisen. Und sie mussten den Weg vom Bahnhof hoch zur Klinik selbst laufen, also so fit mussten sie schon noch sein." Denn als eine der ersten Kliniken für Lungenkrankheiten in Deutschland behandelte man hier bis zu 150 vor allem junge, männliche Tuberkulose-Patienten, die schnell in die Arbeitswelt zurückkehren sollten. Im Zweiten Weltkrieg kamen hier Wöchnerinnen aus Köln mit ihren Neugeborenen unter. Nach dem Krieg, als sich die gesundheitlichen Bedingungen im Land allgemein besserten, verlor das Sanatorium etwas von seiner Bedeutung. Doch noch immer kamen über die Jahrzehnte Patienten, etwa mit Staublunge aus dem Ruhrgebiet, nach Rosbach ins Waldkrankenhaus. Sigrid Krebs erzählt, dass es als die ehemalige Lungenheilanstalt der Stadt Köln die Keimzelle der heutigen Lungenklinik in Köln-Merheim ist - mittlerweile eine der renommiertesten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.



Errichtet wurde die Anstalt aus einer Bürgerstiftung heraus und auf Initiative des wohlhabenden Kölner Ehepaars Erwin und Laura Compes; ihre Namen stehen auch an dem Stifterfenster im prachtvollen Speisesaal, der sich auch heute noch im Originalzustand des Jugendstils befindet. Apropos Fenster: Welche Bedeutung das Sanatorium zur damaligen Zeit hatte, lassen die Farbverglasungen erahnen. Verantwortlich dafür war die Werkstätte für Glasmalerei Schneiders und Schmolz in Köln-Lindenthal, die unter anderem auch an Fenstern im Kölner Dom gearbeitet hatte. Alles vom Feinsten also im Krankenhaus in Rosbach. Und trotzdem steht es seit dem 30. April 2002, also nach fast genau 100 Jahren Nutzung, leer.

Dass sich das Haus trotzdem in einem vergleichsweise guten Zustand befindet, ist auch der Verdienst des Hausmeisters, der hier regelmäßig nach dem Rechten schaut. Dazu gehören etwa kleinere Reparaturen und die Grünpflege im Außenbereich, die Wasserversorgung läuft nach wie vor und es wird geheizt. "Das hier ist kein Lost Place, auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt", betont Sigrid Krebs. "Wir sind hier regelmäßig, wir kümmern uns um unser Waldkrankenhaus."

Filmarbeiten: Das Waldkrankenhaus Rosbach als Drehort
Statt Patienten und Ärzte trifft man heute von Zeit zu Zeit Produzenten, Schauspieler und Crewmitglieder am ehemaligen Waldkrankenhaus an. Das Gebäude wird immer mal wieder als Drehort für Film- und Serienaufnahmen genutzt: Til Schweiger hat hier 2004 Teile seines Films "Barfuß" gedreht, 2021 kam er zurück für Szenen des Films "Die Rettung der uns bekannten Welt". Auch Teile der vierten Staffel der Erfolgsserie "Babylon Berlin" wurden hier gedreht. "Wir bekommen immer mal wieder entsprechende Anfragen, das Gebäude ist in verschiedenen Karteien als Drehort gelistet", erzählt Sigrid Krebs. "Locationscouts suchen sowas und auch hier kann Rosbach mit seiner guten Infrastruktur als Teil des Gesamtpakets punkten." Besonders Filme und Serien mit einer Förderung von der Film- und Medienstiftung NRW werden hier gedreht, denn Voraussetzung für diese Förderung ist ein Drehort im Bundesland Nordrhein-Westfalen. "Wir bieten das Haus allerdings nur für Spielfilmproduktionen an oder eben für solche Dreharbeiten wie ‚Babylon Berlin‘. Hier wird also keine Krankenhausserie spielen", führt Sigrid Krebs aus. Zurückgelassene Spuren der Filmarbeiten findet man immer mal wieder beim Rundgang durch das Gebäude, zum Teil werden sogar die Wände je nach Bedarf durch die Filmcrew gestrichen oder der Boden neu beklebt. "Solange sich das in einem gewissen Rahmen bewegt, kann das dann so bleiben. Die nächsten streichen eh wieder anders", zeigt sich Sigrid Krebs entspannt. "Überhaupt ist es meistens ein gutes Miteinander mit den Filmteams."

Trotzdem wünschen sich die Kliniken Köln als Besitzerin des ehemaligen Waldkrankenhauses in Rosbach natürlich am liebsten wieder eine "sinnvolle, langfristige Nutzung", wie es Sigrid Krebs ausdrückt. "Der Markt gibt das ohnehin nicht her, aber wir wollen das hier auch gar nicht als Millionenobjekt verkaufen. Aufgrund der Geschichte des Krankenhauses fühlen wir uns verpflichtet, den karitativen Charakter der Einrichtung zumindest ein Stück weit zu erhalten. Ein Ort, der für die Menschen da ist, das wäre schön. Schließlich ist es auch ein Ort, der seit mehr als 100 Jahren eine Bedeutung für die Menschen und für die Region hat."


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