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Nachricht vom 24.04.2026    

Dreck, Staub, Lärm: Warum die Anwohner unter der Erddeponie in Schönstein leiden

Von Regina Morkramer

Seit Jahren kämpfen die Anwohner der Betzdorfer Landstraße in Wissen-Schönstein mit den Auswirkungen, die der Betrieb einer nahe gelegenen Erddeponie mit sich bringt. Sie wollen die Dreck-, Staub- und Lärmbelästigung nicht mehr hinnehmen.

Es staubt auf der Betzdorfer Landstraße - in unmittelbarer Nähe der Anwohner. (Fotos: privat)

Wissen. Eindrucksvoll schildert André Kraft die Problematik und belegt sie mit aktuellen Fotos. Er fungiert als eine Art Sprecher von rund 300 Bewohnern eines Wohngebiets im Wissener Stadtteil Schönstein, die seit Jahren unter dem Betrieb der Erddeponie im ehemaligen Steinbruch "Grube alte Goldkaule" an der Betzdorfer Landstraße (K 126) leiden. Denn rund 100 Lkw einer Baufirma fahren diese Erddeponie seinen Angaben zufolge täglich an, laden Erde ab, neue Erde auf. Für die Anwohner bedeutet dies: Dreck, Staub und Lärm. Und das in einem Ausmaß, den sie nicht mehr bereit sind hinzunehmen.

"Das geht ja schon seit einigen Jahren so", berichtet André Kraft. "Wenn die Lkw hier vorbeikommen und ihre Erde abladen, staubt es so dermaßen, dass man kaum auf der Terrasse sitzen, geschweige denn Wäsche draußen aufhängen kann. Und man muss bedenken, dass hier auch direkt ein Kindergarten ist! Außerdem ist die Fahrbahn verschmutzt und zum Teil kaputt. Das zieht auch die Autos in Mitleidenschaft." Ihre Beschwerden und Bedenken haben André Kraft sowie weitere Anwohner bereits bei verschiedenen Stellen vorgetragen. Im Februar habe es ein Krisengespräch unter anderem auch mit der verantwortlichen Baufirma gegeben. "Uns wurde gesagt, dass die Erddeponie Ende dieses Jahres schließt. Das Gebiet soll dann aufgeforstet werden. Dagegen spricht für mich allerdings, dass die Grube nicht nur gefüllt wird, sondern dass auch Erde abtransportiert wird", schildert André Kraft seine Beobachtungen. Er und andere Anwohner fordern aufgrund der auftretenden Probleme, dass die Erddeponie bereits im Sommer dieses Jahres schließt - zumindest aber wollen sie eine verbindliche Aussage, wann die Deponie tatsächlich geschlossen wird.

Beschwerden sind der Kreisverwaltung bekannt
"In einem Ortstermin deutete der Vertreter der bauausführenden Firma als Fertigstellungsdatum den Spätsommer dieses Jahres an", erfährt man auf Anfrage von der Kreisverwaltung. Zwischenzeitlich soll das Unternehmen angekündigt haben, die Gesamtmaßnahme bis Ende Oktober 2026 abschließen zu wollen. Das umfasst auch den vollständigen Rückbau der temporär errichteten Zufahrtsstraße von der K 126 zur Erddeponie.

Die Verfüllung und Rekultivierung des Steinbruches Goldkaule in Wissen-Schönstein wurde nach Angaben der Kreisverwaltung bereits 1990 genehmigt beziehungsweise geregelt. Diese Erlaubnis wurde in den Folgejahren an sich ändernde Rechtslagen angepasst. Ein konkretes Datum als Maßnahmenabschluss wurde damals noch nicht festgesetzt. Es besteht laut Kreisverwaltung ein Renaturierungsplan für den ehemaligen Steinbruch, der verbindlich einzuhalten sei. "Ganz überwiegend wird dort im Anschluss Wald entstehen. Die konkrete Bepflanzung wird über den Sommer in Absprache mit dem Forstamt und dem Eigentümer festgelegt werden." Eigentümer sind örtliche Waldinteressenten, die die Fläche aufforsten wollen.

Die Kreisverwaltung gibt weiter an, dass die Beschwerden der Anwohner bekannt seien und dass im Februar ein Vororttermin stattgefunden habe, bei dem die Missstände hinsichtlich der Straßenverschmutzung und ausgefahrener Bankette zur Sprache kamen und nach Lösungen gesucht wurde. So sollte unter anderem die Straßenreinigung intensiviert und mit einem angepassten Reinigungsverfahren durchgeführt werden. "Die Bildung von Staub lässt sich bei den Erdarbeiten und dem LKW-Anlieferverkehr bei entsprechend trockener Witterung und Windverhältnissen leider nicht immer in Gänze ausschließen", so die Kreisverwaltung abschließend.

Reinigungsfahrzeug verschlimmert die Situation
Um die Belastung durch den Dreck auf der Straße zu minimieren, setzt die Baufirma tatsächlich ein Reinigungsfahrzeug ein. Zunächst eine Kehrwalze, die ohne Wasser "gesäubert" hat - was den Staub jedoch nur noch mehr aufgewirbelt hat. Mittlerweile wird ein anderes Fahrzeug eingesetzt. Laut André Kraft verschlimmert dieses die Situation allerdings mehr oder weniger nur. Denn dieses läuft permanent im Standgas, was eine ständige Geräuschkulisse bedeutet. "Uns hat man gesagt, nur so kann der notwendige Druck für den Reinigungsvorgang aufgebaut werden. Sauber wird es trotzdem nicht, gleichzeitig gehen wir davon aus, dass hier durch den Lärm des Wagens ständig die Immissionsschutz-Grenzwerte überschritten werden." Die Belastungen steigen also und mit diesen wollen die Anwohner nicht mehr leben.




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"Die Reinigung der Fahrbahn muss mit einer schmutzaufnehmenden Nasskehrmaschine erfolgen. Vom Deponiebetreiber wird derzeit vor Ort ein Kehr-Saugwagen vorgehalten, der regelmäßig und mehrmals täglich zum Einsatz kommt", äußert sich der Landesbetrieb Mobilität (LBM) zur Thematik. Anfang April sei die Betreiberfirma mit Nachdruck auf die Einhaltung der Auflagen zur Fahrbahnreinigung und mögliche Folgen bei Nichtbeachtung hingewiesen worden. Dies können Geldstrafen, Ersatzvornahme oder im äußersten Fall auch der Entzug der Erlaubnis für die Zufahrt zur K 126 sein. "Durch den regelmäßigen Einsatz des Kehr-Saugwagens kommt die Betreiberfirma aktuell aber ihren Verpflichtungen nach. Daher besteht aus Sicht des LBM aktuell kein weiterer Handlungsbedarf."

Der LBM schätzt die Anzahl der Lkw, die die Erddeponie anfahren, zudem deutlich geringer ein als die Anwohner: "Die im Raum stehenden täglich mehr als 100 Lkw, die zu der Erddeponie fahren, können nicht bestätigt werden. Aktuell wird die Erddeponie von etwa 20 bis maximal 30 Lkw pro Tag angefahren", heißt es auf Anfrage. Auch seien nicht die Lkw alleine verantwortlich für den Zustand der Fahrbahn. "Wegen der geringen Breite der K 126 führt jeglicher Schwerverkehr zu einer hohen Beanspruchung und einer damit verbundenen Schädigung der Fahrbahnränder. Hierzu tragen jedoch nicht nur die zur Erddeponie fahrenden Lkw bei, sondern auch alle anderen großen Fahrzeuge wie Busse, Traktoren und anderer Schwerverkehr." Nutzungsbeschränkungen für einzelne Verkehrsarten wie zum Beispiel Lkw seien nicht umsetzbar. Als Hinweis auf die Zufahrt zur Erddeponie sei bereits eine Beschilderung zur Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer sowie zum Hinweis auf mögliche Fahrbahnverschmutzungen von der Kreisverwaltung Altenkirchen als zuständiger Verkehrsbehörde angeordnet worden. "Gerade bei nasser Witterung sind Fahrbahnverschmutzungen durch die von der Erddeponie auf die K 126 fahrenden Lkw nicht zu vermeiden. Somit kommt es temporär zwangsläufig zu Verschmutzungen der Fahrbahn", heißt es vonseiten des LBM abschließend.

Baufirma: Arbeiten sollen dieses Jahr abgeschlossen werden
Die für die Arbeiten zuständige Baufirma gibt an, dass es "selbstverständlich" sei, die Belastungen für die Anwohnerinnen und Anwohner so gering wie möglich zu halten. Die Abläufe vor Ort werden demnach entsprechend gesteuert und fortlaufend überprüft. Auch Hinweise aus der Nachbarschaft nehme man auf, um sie zu prüfen. "Wo erforderlich, passen wir unsere Abläufe an, um Verbesserungen zu erreichen." Zur Minimierung von Staub- und Lärmemissionen werden nach Angaben der Firma bereits verschiedene Maßnahmen umgesetzt, darunter etwa die regelmäßige Befeuchtung von Fahrwegen und Arbeitsflächen, der Einsatz von Reinigungsfahrzeugen und die organisatorische Steuerung des Lkw-Verkehrs. "Wir prüfen fortlaufend weitere Optimierungsmöglichkeiten, insbesondere im sensiblen Umfeld wie etwa in der Nähe einer Kindertagesstätte", heißt es weiterhin dazu. Der Betrieb der Erddeponie erfolge auf Grundlage der erteilten Genehmigungen. "Die darin enthaltenen Auflagen werden eingehalten und regelmäßig kontrolliert. Sollten Hinweise auf Abweichungen vorliegen, gehen wir diesen selbstverständlich nach und stimmen uns eng mit den zuständigen Behörden ab."

Die Baufirma selbst stellt auch ein Ende der Arbeiten in Sicht: "Bei der angesprochenen Maßnahme handelt es sich um eine Auffüllung im Auftrag örtlicher Waldinteressenten mit dem Ziel, die Fläche im Anschluss wieder aufforsten zu können. Die Arbeiten dienen somit einer nachhaltigen Folgenutzung des Geländes. Die Maßnahme ist zeitlich begrenzt und wird voraussichtlich im Laufe dieses Jahres abgeschlossen." Bis dahin sei man an einer sachlichen Klärung der Situation interessiert und stehe weiterhin im Dialog mit allen Beteiligten.


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