Wie sich der Bahnhof Au (Sieg) verändert hat - und wie es noch weiter geht
Von Regina Morkramer
Es hat sich ohne Frage viel getan am Bahnhof in Au (Sieg), seit die "Station" hier eingezogen ist. Vom Café bis zu den Toiletten, von Stammgästen bis zum Zufallsbesuch: Es herrscht wieder Leben in den alten Wänden des Bahnhofgebäudes. Und es gibt weitere Pläne.
Au (Sieg). Rund anderthalb Monate ist es her, dass in der "Station" am Bahnhof Au (Sieg) die "schrittweise Eröffnung" gefeiert wurde. Und bislang können die Macher rund um das Kollektiv, das sich aus der Initiative "Wir-Dorf" heraus entwickelt hat, ein durchaus positives erstes Fazit ziehen. "Hier ist eigentlich immer was los. Und das Tolle ist, dass wir auch komplett unterschiedliches Publikum haben. Unsere Zielgruppe ist bunt gemischt", erzählt Anna Mauersberger. Als Initiatorin des "Wir-Dorfs" war sie von Beginn an die treibende Kraft hinter der "Station". Und sie hat es verstanden, mutige Mitstreiter zu finden, die das Projekt gemeinsam realisiert haben. "Das war und ist nicht immer leicht. Schwierig ist vor allem das Arbeitspensum, mit dem wir es hier zu tun haben. Gerade sind wir dabei, Routinen zu entwickeln, die uns das alles langfristig erleichtern. Aber vor allem sehen wir, was wir geschaffen haben. Wir lieben die Wohnzimmerqualität der ‚Station‘, die Leute kommen hier hin und bleiben, weil sie sich wohl fühlen. Es ist einfach toll, was wir aus diesen Räumen gemacht haben, hier steckt so viel Liebe und auch Handwerkskunst drin. Und das alles ist im Ehrenamt entstanden."
Aus dem heruntergekommenen alten Bahnhofsgebäude ist also genau das geworden, was Anna Mauersberger von Anfang an im Sinn hatte: Ein echter Begegnungsort. Dazu trägt vor allem das Stationscafé bei. Jeden Donnerstag und Freitag und jedes zweite Wochenende zwischen 11 und 18 Uhr kann man hier einkehren. Wer möchte, kann sich hier auch noch ehrenamtlich einbringen. Und es geht noch weiter: Ab Juli soll dann im Idealfall von Montag bis Freitag von 6 bis 9 Uhr ein Kiosk-Fenster hinzukommen. Auch hier werden Mitarbeiter gesucht, ein festes Anstellungsverhältniss sei perspektivisch gewünscht und denkbar. Anselm Maria Sellem wird zudem als Quartiersmanager der Gemeinde Windeck eine Ausstellung aus den gesammelten Geschichten ("Schaltergesprächen") und Objekten der Menschen vor Ort eine Ausstellung kuratieren, die die Vergangenheit des Bahnhofs als Herzkammer von Au und Umgebung erzählt. Eröffnet wird die Ausstellung am 12. September.
Mitglied werden bei der "Station" in Au (Sieg)
Die "Station" bietet nun auch Mitgliedschaften an - für alle, die regelmäßig in Au ein- und aussteigen und sich eine Toilette und einen warmen Warteraum auch außerhalb der (Café-)Öffnungszeiten wünschen. Mitglieder erhalten über ein smartes Lock-In-System rund um die Uhr Zugang ins Stationsgebäude. Denn wenn das Café geschlossen ist, ist auch der Zugang zur Toilette nicht einfach möglich. "Das können wir anders nicht lösen. Es ist ja eine private Toilette, kein öffentliches Bahnhofsklo", erklärt Anna Mauersberger. Mit dem Zugang über das Lock-In-System wäre der Zugang dann jederzeit möglich.
Die Höhe des monatlichen Beitrags (mindestens fünf Euro) ist dabei frei wählbar. Neben Toilette, Café und Wartemöglichkeiten hat die "Station" ihren Mitgliedern noch mehr zu bieten. Ein Werkraum kann genutzt werden, sei es für eigene Projekte, Kursangebote oder Treffen aller Art. Auch hier ermöglicht das Lock-In-System den selbstständigen Einlass und eine flexible Nutzung. Gleiches gilt für den Tanzraum, der aktuell noch eine Baustelle ist, aber selbst dabei schon sein Potenzial zeigt. Ab Herbst 2026 soll im Tanzraum ein "Ort für den Körper" entstehen, an dem ein möglichst vielfältiges Programm angeboten wird - genre- und generationen-übergreifend von Modern Dance oder Walzer für Paare, Pilates, HipHop über Gesangstraining, Meditation, Yoga bis hin zu Impro-Theater, Chor oder Senioren-Sport.
"Deine Mitgliedschaft finanziert unser Hauptanliegen mit: ein (Dritter) Ort für Kultur und Begegnung zu sein (und zu bleiben!) - und dabei auszustrahlen auf die gesamte Grenzregion Windeck-Westerwald", erklären die Stationsmacher. "Falls Du selbst Musiker:in oder Künstler:in bist, bei uns ausstellen oder auftreten möchtest oder eine eigene (öffentliche) Veranstaltung unter unserem Stationsdach ins Leben rufen möchtest, schreib bitte an kultur@diestation.org."
Von der Idee zur "Station"
"Die Station" ist entstanden aus der Initiative "Wir-Dorf", ursprünglich ein LEADER-Projekt der Lokalen Aktionsgruppe Westerwald-Sieg und Teil eines EU-Förderprogramms zur Stärkung ländlicher Räume. Ziel des "Wir-Dorfs" war von jeher die Schaffung lebendiger Begegnungsorte im ländlichen Raum. Anfang des Jahres 2024 war das Projekt vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen als einer von 28 "Dritten Orten" ausgewählt worden, mit denen das Land "in ländlichen Räumen (…) die Entwicklung kultureller Begegnungsorte und ihren nachhaltigen Betrieb" unterstützt. Damit verbunden waren zunächst für die einjährige Konzeptphase Fördermittel in Höhe von 50.000 Euro; seit April 2025 fließen bis zum Jahr 2028 weitere 450.000 Euro für die Umsetzung. Außerdem wird das Projekt im Rahmen des Förderprogramms "Soziale Dorfentwicklung" durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat unterstützt und gefördert. Im März 2025 gaben die Initiatoren des "Wir-Dorf" bekannt, aus dem Bahnhof "Die Station" machen zu wollen: Ein Ort, der von der Mitgestaltung der Gemeinschaft lebt.
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