Hachenburg: Diskussionen um Baumfällungen im Burggarten kochen hoch
Von Regina Morkramer
Am Hachenburger Burggarten könnte ein Kreisel entstehen, doch dafür müssten auch Bäume weichen. Seit Tagen wird öffentlich darüber diskutiert, unlängst wurde eine Petition gestartet. Bürgermeister Leukel erklärt, eine Entscheidung sei noch nicht getroffen.
Hachenburg. Seit der vergangenen Woche kann man die Diskussion um die Baumfällungen im Hachenburger Burggarten beispielsweise in der Facebook-Gruppe "Spotted Westerwald und Umgebung" verfolgen. "Wenn Ihr einen Spaziergang im Burggarten machen wollt, solltet Ihr Euch beeilen. Die Bäume, welche ihr hier seht, wird es schon in ein paar Tagen/wenigen Wochen nicht mehr geben. Die Stadt schafft Tatsachen, sie werden gefällt", schrieb ein anonymer Teilnehmer am 27. August. "Nicht nur das, der alte Baumbestand im Burggarten wird langfristig komplett reduziert und mit zarten Jungbäumchen bepflanzt. All das für einen Verkehrskreisel, zumal es auch andere Alternativen gab (…) Unsere geliebte Stadt wird Ihr Gesicht verlieren und der Natur massiv geschadet." Die Kommentare dazu ließen nicht lange auf sich warten. "Die Fällung dieser wunderbaren, wahrscheinlich über Jahrzehnte gewachsenen Bäume ist ein Skandal", liest man unter dem Beitrag. "Das ist noch ein Bestand von alten großen Bäumen. Das soll nun gefällt werden. Was ist denn das für ein Scheiß", schreibt ein Teilnehmer. "Unfassbar. Mir fehlen die passenden Worte für dieses Vorhaben", äußert sich ein anderer. "Das darf ja nicht wahr sein...wer beschließt denn solch einen Mist...wieso muss dort eine Verkehrsinsel sein… einfach nicht zu glauben...die Wichtigkeit der Bäume, für das Klima gilt wohl für Hachenburg nicht", geht es weiter. "Ohne Worte. Schade. Hachenburg verliert dadurch einen Teil seines Charmes", findet eine Facebook-Nutzerin. "So dumm und kurzsichtig!!!!", findet eine andere.
Und so zieht sich das Meinungsbild durch die Kommentarspalten und durch weitere Gruppenbeiträge. Mittlerweile wurde eine Petition unter dem Titel "Burggarten erhalten / Kein Verkehrskreisel" gestartet. In der Erklärung heißt es unter anderem: "Wir sind tief besorgt um den geplanten Bau eines Verkehrskreisels am Burggarten in Hachenburg. Hierbei sollen mehrere sehr alte, gesunde Bäume und ein Teil der Mauer weichen beziehungsweise verändert werden. Diese Bäume sind nicht nur ein Teil des historischen Erscheinungsbildes unserer Stadt, sondern auch essenziell für das lokale Klima und die Artenvielfalt. (…) Eine derartige Veränderung würde das Gesicht unserer Stadt erheblich verändern." Die Initiatoren der Petition appellieren "an die Verantwortlichen der Stadt Hachenburg, alternative Lösungen zu prüfen. Verkehrstechnische Herausforderungen können durch die Optimierung bestehender Straßenführungen wie zum Beispiel einer T-Kreuzung oder den gezielten Einsatz intelligenter Ampelsysteme bewältigt werden. Diese Lösungen würden nicht nur die Bäume schützen, sondern auch den geschichtlichen Wert der Mauer bewahren."
Kreisverkehr am Hachenburger Burggarten: Entscheidung steht noch aus
Dabei sind die Überlegungen zu dem geplanten Kreisverkehr an dieser Stelle alles andere als neu. Eine von der Stadt beauftragte Verkehrsuntersuchung bewertete einen Kreisverkehr bereits im Jahr 2012 als sinnvolle Lösung. "Im Rahmen der weiteren Stadtentwicklung wurde 2018/2019 erneut konkreter Handlungsbedarf festgestellt, insbesondere für eine sichere und barrierefreie Verbindung zwischen historischer Innenstadt und Burggarten. Dies wurde im Entwicklungskonzept ‚Stadtkern II‘ festgehalten", erklärt Hachenburgs Bürgermeister Stefan Leukel aktuell dazu auf Anfrage des WW-Kuriers. An der Erarbeitung dieses Entwicklungskonzepts seien damals auch die Bürgerinnen und Bürger beteiligt gewesen.
Seit der öffentlichen Planungswerkstatt zum Burggarten im Oktober 2019 wird der Kreisverkehr nach Leukels Angaben als konkrete Variante diskutiert. In den vergangenen Jahren wurde die Planung unter Beteiligung des Landesbetriebs Mobilität weiterentwickelt und wiederholt in den städtischen Gremien beraten. Dabei wurden auch verschiedene Kreuzungs- und Kreisverkehrsvarianten untersucht - und noch stehe nicht fest, auf welche Variante es hinausläuft. "Der Kreisverkehr wird derzeit in der Öffentlichkeit ebenso kontrovers diskutiert wie innerhalb des Stadtrates. Eine abschließende Entscheidung ist noch nicht getroffen. Der Stadtrat wird sich in seiner öffentlichen Sitzung am 14. September erneut mit der Planung befassen und über den Kreisverkehr entscheiden", so Leukel. Erst danach könne man auch Angaben zu einem zeitlichen Rahmen eventueller Maßnahmen machen.
Bessere Verbindung zwischen Innenstadt und Burggarten
Doch warum muss sich am Verkehrskonzept am Burggarten überhaupt etwas ändern? Ausgangspunkt der Planung ist nach Aussage des Bürgermeisters insbesondere die Situation für Fußgänger und Radfahrer zwischen historischer Innenstadt und Burggarten. Ziel sei es, die Querungsmöglichkeiten sicherer und barrierefrei zu gestalten und gleichzeitig eine bessere städtebauliche Verbindung zwischen Innenstadt und Burggarten zu schaffen. Dazu wurde auch bereits die Friedrichstraße neu gestaltet.
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Für die Neuordnung des Knotenpunktes am Burggarten seien verschiedene Lösungen untersucht worden, so Leukel weiter - sowohl Kreuzungsvarianten als auch Kreisverkehr.
Die Stadt habe einen Kreisverkehr als Lösungsansatz vorgeschlagen und den Landesbetrieb Mobilität gebeten, in die konkrete Planung einzusteigen. Im weiteren Planungsprozess wurde daraus die nun vorliegende Kreisverkehrsvariante entwickelt, über deren Umsetzung der Stadtrat in seiner Sitzung am 14. September entscheiden wird. Aus Sicht der Stadt soll dabei nicht nur der unmittelbare Kreuzungsbereich betrachtet, sondern der Übergang zwischen Innenstadt und Burggarten insgesamt verbessert werden, "insbesondere durch sichere und barrierefreie Querungsmöglichkeiten sowie eine bessere fußläufige und städtebauliche Verbindung zum Burggarten".
Um die konkreten Auswirkungen vor Ort beurteilen zu können, wurde der für den Kreisverkehr benötigte Bereich im Burggarten für die Mitglieder des Stadtrates und des zuständigen Ausschusses abgesteckt. Die Markierung mache die räumliche Ausdehnung und den damit verbundenen Eingriff in den Burggarten unmittelbar nachvollziehbar. "Die Absteckung dient ausschließlich der Veranschaulichung der vorliegenden Planung und nimmt die Entscheidung des Stadtrates nicht vorweg", betont Leukel.
Leukel: Eingriff in Baumbestand der schwierigste Punkt
Sollte sich die Kreisverkehr-Variante durchsetzen, müssten tatsächlich unmittelbar Bäume im Burggarten gefällt werden. Der Landschaftspflegerische Begleitplan geht nach Angaben der Stadt aktuell von drei zu fällenden Bäumen aus - zwei Winterlinden und einer Traubeneiche. Zudem müsse allerdings damit gerechnet werden, dass ein weiterer Baum aufgrund der Arbeiten in seinem Wurzelbereich voraussichtlich nicht dauerhaft erhalten werden kann. "Um hier von Anfang an transparent zu sein, gehe ich deshalb derzeit von bis zu vier betroffenen Bäumen aus", erklärt der Bürgermeister und fügt hinzu: "Der damit verbundene Eingriff in den Burggarten sowie den alten und ortsbildprägenden Baumbestand ist auch für mich persönlich der schwierigste Punkt bei der Bewertung dieser Planung. Gerade deshalb darf dieser Eingriff weder kleingeredet noch isoliert betrachtet werden und ist ein wesentlicher Punkt, der bei der Entscheidung über die Planung zu berücksichtigen ist."
Neben den Baumfällungen werden durch den Kreisverkehr rund 308 Quadratmeter bislang biologisch aktive Fläche des Burggartens neu versiegelt. Gleichzeitig werden rund 59 Quadratmeter bisherige Verkehrsfläche entsiegelt. Damit verbleibt nach Angaben der Stadt eine Nettoneuversiegelung von rund 249 Quadratmetern.
Langfristig weitere Baumfällungen möglich
Im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Kreuzungsbereichs muss auch der Zugang zum Burggarten neu gestaltet werden. "Sofern der Stadtrat sich für die Umsetzung der Kreisverkehrsvariante entscheidet, ist das Ziel, den Zugang möglichst schonend in den vorhandenen Baumbestand zu integrieren", erklärt der Bürgermeister dazu. Auch für die Gestaltung des Zugangs seien verschiedene Varianten untersucht worden. "Nach derzeitigem Planungsstand kann hierfür jedoch die Fällung von bis zu zwei weiteren Bäumen erforderlich werden." Für Kreisverkehr und Umgestaltung des Zugangs zum Burggarten könnten nach heutigem Planungsstand insgesamt also bis zu sechs Bäume betroffen sein.
Darüber hinaus seien im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Kreuzungs- und des Eingangsbereichs keine weiteren Baumfällungen vorgesehen. Weitergehende bauliche Eingriffe in den Burggarten mit Auswirkungen auf den Baumbestand seien ebenfalls nicht geplant. Für alle Baumfällungen sind zudem Ersatzpflanzungen im Burggarten vorgesehen. Der Ersatz erfolgt im Verhältnis 1:3. Darüber hinaus sind nach Angaben der Stadt in der aktuellen Planung im Bereich der entsiegelten Verkehrsfläche und der zukünftigen Nebenanlage weitere Baumpflanzungen vorgesehen.
Die historische Mauer im Burggarten wird entgegen der Bedenken vieler nicht abgerissen. Zwar wird es Zuge der Neuordnung des Kreuzungsbereichs Veränderungen an der Mauer geben. Doch bei dem betroffenen Stück im unmittelbaren Kreuzungsbereich handelt es sich nicht um eine historische Mauer des Burggartens. Dieser Mauerabschnitt wurde erst in den 1960er-Jahren hergestellt und damals an den bestehenden Straßenverlauf angepasst. Bei den nun anstehenden Arbeiten würde dieser entsprechend der neuen Verkehrsführung wiederum angepasst werden.
Baumfällungen in Hachenburg: Mehr Information, bessere Kommunikation
"Ich begrüße es grundsätzlich, wenn sich Bürgerinnen und Bürger aktiv mit der Entwicklung unserer Stadt auseinandersetzen und ihre Auffassung einbringen. Die aktuelle Kritik nehme ich daher sehr ernst", erklärt Bürgermeister Leukel dem WW-Kurier gegenüber abschließend. "Die aktuelle Diskussion zeigt zugleich, dass bei einem Projekt, das einen so sensiblen Bereich wie den Burggarten und Eingriffe in den vorhandenen Baumbestand betrifft, ein besonders hoher Informationsbedarf besteht. Rückblickend wäre eine noch aktivere Einbindung der Bürgerinnen und Bürger sowie eine bessere Kommunikation zum Planungsstand sicherlich hilfreich gewesen. Dies werde ich bei der weiteren Kommunikation und auch bei zukünftigen Projekten berücksichtigen."
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