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Nachricht vom 12.09.2026    

Stationstaufe am Bahnhof Au (Sieg): "Das Alte ehren, das Neue feiern"

Von Regina Morkramer

Mit einem Fest über zwei Tage feiert die "Station" am Bahnhof in Au (Sieg) ihre große Stationstaufe. Anlass sind die Eröffnung der neuen Kulturräume sowie die Ausstellung "Züge. Zeit. Zeugen." Doch dahinter steht vor allem die Freude über das, was aus dem einst baufälligen Gebäude geworden ist.

Am 12. und 13. September wird gefeiert am Bahnhof Au (Sieg). (Fotos: rm)

Au (Sieg). Rund 20 Jahre lang sah es trist aus rund um das auffällig rote, vor allem aber heruntergekommene Bahnhofsgebäude in Au. Die Türen verschlossen, keine Wartemöglichkeiten für Reisende, keine Toilette, keinerlei Aufenthaltsqualität. Wie eine Vision Wirklichkeit werden kann, zeigt sich an diesem Wochenende: Der Bahnhof und sein Gebäude, nunmehr "die Station", sind zum Leben erwacht. Es gibt ein Café, liebevoll gestaltete Räume, die heiß ersehnte Toilette - und nun auch einen neuen, "Freiraum" genannten Kulturraum, der darauf wartet, für verschiedenste Veranstaltungen und Gelegenheiten genutzt zu werden.

"Hier war mal Leben, es muss wunderschön gewesen sein", so Anna Mauersberger anlässlich der Stationstaufe und der Eröffnung der Kulturräume am 12. September. Die Initiatorin des "Wir-Dorfs" war von Beginn an die treibende Kraft hinter der "Station". Gemeinsam mit vielen, meist ehrenamtlichen Mitstreitern hat sie aus dem einst verlassenen Bahnhofsgebäude einen Begegnungsort geschaffen; im April konnte man zunächst die erste "schrittweise Eröffnung" feiern, in den Monaten darauf wurde die Idee kontinuierlich weiterentwickelt, es wurde ausprobiert und angepasst. Die Stationstaufe an diesem Wochenende markiert einen weiteren Höhepunkt in der Entwicklung des Projekts. In ihrer Rede zur Eröffnung blickte Anna Mauersberger auch auf die vergangenen dreieinhalb Jahre zurück und sie dankte sichtlich bewegt den Helfern, die ihre "Zeit, Liebe und Energie hier reingesteckt haben" und ohne die all das Erreichte nicht möglich gewesen wäre. Dank ihres Einsatzes ist das entstanden, was Anna Mauersberger ein "Wohnzimmer für Kultur und Köstlichkeiten" nennt, einen "dritten Ort für Kultur und Begegnung, wo sich Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen wohlfühlen". Nach all den Jahren des Leerstands sei hier nun "was Schöneres, was Friedlicheres, was Lebendigeres" entstanden. "Solche Projekte können ohne die Zivilgesellschaft nicht funktionieren", betonte Anna Mauersberger in ihrer Rede. Genauso wenig aber ohne die Behörden, die Deutsche Bahn und die Gemeinde Windeck, die etablierten Stellen, die die richtigen Hebel bewegen können - "das Neue, das Wendige, das Kreative muss sich verbinden mit dem Alten", formulierte Anna Mauersberger es in ihrem Dank für die gute Zusammenarbeit.

"Die Station" offiziell getauft
Quartiersmanager Anselm Maria Sellen übernahm schließlich gemeinsam mit Café-Betreiberin Sarah Jung die offizielle Taufe der "Station" und verglich diese mit einer Schiffstaufe, wobei der Bahnhof als kraftvoller Tanker zu verstehen sei, während die Gäste für Meeresrauschen sorgten. Durchaus bewegend war der Moment, in dem Helmut Kießling mit goldener Schere das Band zum neuen Kulturraum durchschnitt. Wer in den vergangenen Monaten und Jahren regelmäßig in Au vorbeikam und durch die Straßen des Ortes fuhr, hat die gute Seele der "Station" immer wieder mit Blaumann und Werkzeug Richtung Bahnhof gehen sehen und einen Eindruck davon bekommen, wie viel Zeit und Engagement er persönlich in die Entwicklung des Projekts gesteckt haben muss.



Den Anfang im neuen "Freiraum" macht nun also die Ausstellung "Züge. Zeit. Zeugen." Mit ihr feiert die "Station" die Geschichte des 165 Jahre alten Bahnhofs. Seit Februar 2026 hat Quartiersmanager Anselm Maria Sellen in seinen "Schaltergesprächen" Erinnerungen von Menschen aus Au und Umgebung gesammelt: Fotos, Objekte, Anekdoten. Gemeinsam mit Mediendesigner Lukas Ullrich und Upcycling-Künstler Fabian Seiler ist daraus eine begehbare Ausstellung entstanden, die auf Aktion und Begegnung setzt - ein Flickenteppich aus Erzählungen, der zeigt, wie aus einem verlassenen Ort wieder ein lebendiger Treffpunkt wird. Wer möchte, kann sich hier auch selbst einbringen und seine Geschichte, die er mit dem Bahnhof Au verbindet, erzählen. All die Erinnerungen werden von nun an gesichert im sogenannten "Auchiv", das die Geschichte des Orts bewahrt.

Thomas Becher, Beigeordneter der Gemeinde Windeck, fand es anlässlich der Feierlichkeiten "überwältigend, was hier von der Pieke auf entstanden ist". Er fühle sich durch das ehrenamtliche Engagement der vielen Helfer an den Gedanken Raiffeisens erinnert, der hier zum Tragen gekommen sei: "Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele!" Becher wünscht sich, dass der Bahnhof Au "wieder ein belebter, identitätsstiftender Ort" wird. Und auch Anna Mauersberger nimmt aus den vergangenen Monaten am meisten mit, "wie alle Helfer über sich selbst hinausgewachsen sind. Wie jeder das Maximum gegeben hat und das aus vollstem Herzen. Das hier ist noch viel schöner geworden als gedacht!"

"Die Station" feiert noch das ganze Wochenende, 12. und 13. September, jeweils von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Von der Idee zur "Station"
"Die Station" ist entstanden aus der Initiative "Wir-Dorf", ursprünglich ein LEADER-Projekt der Lokalen Aktionsgruppe Westerwald-Sieg und Teil eines EU-Förderprogramms zur Stärkung ländlicher Räume. Ziel des "Wir-Dorfs" war von jeher die Schaffung lebendiger Begegnungsorte im ländlichen Raum. Anfang des Jahres 2024 war das Projekt vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen als einer von 28 "Dritten Orten" ausgewählt worden, mit denen das Land "in ländlichen Räumen (…) die Entwicklung kultureller Begegnungsorte und ihren nachhaltigen Betrieb" unterstützt. Damit verbunden waren zunächst für die einjährige Konzeptphase Fördermittel in Höhe von 50.000 Euro; seit April 2025 fließen bis zum Jahr 2028 weitere 450.000 Euro für die Umsetzung. Außerdem wird das Projekt im Rahmen des Förderprogramms "Soziale Dorfentwicklung" durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat unterstützt und gefördert. Im März 2025 gaben die Initiatoren des "Wir-Dorf" bekannt, aus dem Bahnhof "Die Station" machen zu wollen: Ein Ort, der von der Mitgestaltung der Gemeinschaft lebt.


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